Mit einiger Verspätung, weil direkt am Tag nach dem Konzert der Urlaub losging, aber besser spät als nie. Mit einem Freund und meiner Freundin zusammen hab ich mir am ersten August diesen Jahres wie gesagt das Robbie Williams Konzert im Olympiastadion angeschaut. Ich bin eigentlich kein großer Robbie-Fan, mir gefallen ein paar Tracks, das war’s auch schon. Egal, mit der Freundin aufs Konzert macht immer Spaß und so ein Mega-Event kann man sich ja schonmal antun. Zumal er ja auch ein toller Entertainer sein soll. Warum also nicht, wenn es auch ein verdammt teurer Spaß ist, 75 € pro Ticket.

Ein ganz knappes Fazit vorneweg: Ich bin ziemlich begeistert. Ich glaube zwar, dass er wirklich nen verdammt guten Tag und selbst extrem viel Spaß hatte an dem Abend, aber trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass es ein solcher Knaller würde.

Aber beginnen wir ganz vorne (den Kartenkauf mein ich jetzt nicht, den bitte unter obigem Link nachlesen ;) ), nämlich um 05:30 am 01.08.2006. Da hat unser Wecker geklingelt. Unser Kumpel, der noch nicht in München wohnt, hat im hier übernachtet, am Tag zuvor sind wir gemeinsam mit ihm zuerst Verpflegung einkaufen gegangen und dann nach München raufgefahren. Verpflegung, die wir nun um halb sechs in der Früh anfingen herzurichten, also Brote schmieren, Tetrapacks und gut eingewickelte Brote in die Plastiktüte, für jeden gab es sechs Brötchen und drei Tetrapacks, 2L, 1.5L und 1L. Der mit 2L war für tagsüber gedacht und die anderen beiden für drinnen. Eventuell auch nur einer der beiden anderen, je nachdem was erlaubt sein sollte. (Ein Tetrapack pro Person, nur ein Liter.. alles schon erlebt. In dem Fall hätten wir den 1.5er eiskalt zurückgelassen. :D )

So ausgerüstet machten wir uns auf den Weg zum Olympiastadion, jeder noch eine Plastiktüte extra dabei zum Draufsetzen – es war Sche..wetter angekündigt. Da es von uns aus ja nur ein Katzensprung zum Stadion ist, waren wir mit dem Rad unterwegs. Gegen 07:15 kamen wir an und stellten erstaunt fest, dass erst 10 bis 15 Leute da waren. Wir setzten uns dazu, smalltalkten ein wenig, bis dann plötzlich jemand kam und meinte, wir würden am falschen Eingang sitzen – na toll! Schnell das Zeug zusammengepackt und zum echten Einlass hintergesprintet. (Ja, gesprintet.. acht Stunden bevor überhaupt Einlass war..)
Dort war dann auch schon ein wenig mehr los:

Wie schon erwähnt, blieben also noch gute acht Stunden bis überhaupt Einlass war. Klug wie wir waren, haben wir natürlich nicht daran gedacht, zum Beispiel Karten zum Spielen mitzunehmen, also blieb nur das Reden mit anderen Frühaufstehern und Quatsch machen (Ich bin links.) über, um sich die Zeit zu vertreiben. Zwischenzeitlich brach immer wieder großes Chaos aus, da der Einlassbereich noch nicht abgesperrt war, und immer wieder Neuankömmling meinten, sie wären die einzig Intelligenten auf dieser Erde und sich komplett nach vorne stellten. Dann zogen wieder ewig viele nach und ratzfatz war der komplette Einlassbereich wieder mit Leuten zugepflastert, wo eigentlich gar noch gar keine stehen durften.
An dieser Stelle mal ein richtig dickes FUCK YOU an diese hundsmiserable, beschissene Security, das war das mit Abstand Erbärmlichste, das ich je an Organisation erlebt habe. Nur noch peinlich. Warum kann man da nicht einfach ab dem Abend vorher absperren? Nein, die Genies sind ne Stunde vor Einlass angekommen, haben dann bis kurz vor vier gebraucht, um die ganzen Leute wieder rauszuscheuchen und DANN abzusperren. Wirklich super! (Ganz zu schweigen davon, dass ein paar von diesen Vordrängelpennern dann auch noch einfach vorgelassen wurden.. *grr*)
Wegen dem Mist hat sich der Einlass dann um nochmal ne halbe Stunde verzögert.

So, geschickt übergeleitet also zum Einlass. Als wir drin waren, sind wir gerannt, als ob der Leibhaftige persönlich hinter uns hergewesen wäre. Das war echt lustig.. Heerscharen von Fans stürmen das Stadion und in der Arena stehen vier oder fünf Securitykerle: “Nicht so rennen, es is rutschig!” Aber über die Security hab ich ja schon geschimpft. :)
Gerade noch rechtzeitig sind wir ganz vorne angekommen (So ein Stadion is ganz schön lang, das glaubt man gar nicht, wenn man’s von den Sitzplätzen aus sieht.) und in die erste Welle reingekommen, die sie ein paar Minuten danach gesperrt haben. Da wir alle schon seit Stunden dringendst aufs Klo mussten (Das war beim Anstehen wegen des ab Mittag irrsinnigen Andrangs nicht mehr möglich.), haben wir uns dann schnell unsere Bändchen für die erste Welle geholt und sind erstmal auf die Toilette. Die Schlange vor der Damentoilette war ungefähr 5 Kilometer lang. :D
Und im Männerklo waren auch mehr Frauen als Männer zu finden. Naja, mit geleerter Blase gings dann wieder noch vorne. Das war gegen 17:00 Uhr. Also noch ne Stunde bis zur Vorgruppe.

Die erste Vorgruppe, Orson, hat dann – nachdem sie nicht ganz pünktlich um 18:15 angefangen hatten, etwa bis 19:00 gespielt, das waren grade mal 5 oder 6 Tracks. Ich fand sie aber eh nicht so besonders. Die Stimmung im Publikum war aber auch zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich gut. Etwa 19:15 ist dann die zweite Vorgruppe, die Basement Jaxx, in die Vollen gegangen, die haben ganz schön aufgedreht und richtig gute Stimmung gemacht. Anfangs noch recht angetan von dieser lustigen Combo, wurde es aber dann doch irgendwann eintönig, aber auch die haben nicht viel länger als Orson spielen dürfen. Also war es kurz nach 20 Uhr, als das letzte Mal die Warterei begann. Ab viertel vor neun hielt sich das Publikum dann mit selbst initiierten LaOla-Wellen bei Laune, die dutzende Male die Runde machten, während auf der Bühne noch emsige Arbeiter die letzten Vorbereitungen erledigten.

Mit einem krachenden Feuerwerk, das von der futuristisch designten Bühne aus hochschoss, wurde unmissverständlich klargemacht: Jetzt geht’s los. Den Bruchteil einer Sekunde nach dem bombastischen Ende des Feuerwerks schoss Robbie plötzlich direkt vorne aus dem in Nebel gehüllten Steg heraus, stand da, die Musik ging los, und mit “Radio” begann die Show. Abgesehen von ein paar Zwischenrufen alá “Hello Munich!” gab es auch nach diesem ersten Song keine Begrüssung, es ging sofort furios mit “Rock DJ” weiter. Danach war aber erstmal das Kennenlerngespräch dran und Robbie hat sofort den richtigen Zugang zum Publikum gefunden. Es folgte “Trippin”, und obwohl dieses Lied ja doch Geschmackssache ist, bebte das Olympiastadion. Danach begeisterte er mit Evergreens wie “Monsoon”, “Sin Sin Sin”, das live viel besser kommt als zum 1253. Mal im Radio, “Millenium” und “Make me pure”. Ein bischen geswingt hat er dann mit einem Kumpel von ihm, der an dem Tag auch noch Geburtstag hatte.

Außerdem gaben die beiden kurz “Stayin’ alive” a capella zum Besten und veranstalteten einen “Fussball am weitesten in die Menge kicken” – Wettbewerb, wobei es sich natürlich um signierte Bälle handelte. Gemeinsam sangen sie noch “Strong”, aber dann gehörte die Bühne wieder Robbie allein. Diese Bühne nutzte er auch – um nochmal gegen seine ehemaligen “Take That” – Kollegen auszuteilen und direkt im Anschluss doch “Back for good” zu spielen. Das kam natürlich super an – ebenso wie seine immer wieder eingestreuten Gags und Sprüche. “Do you remember a band called “Take That”?” – Publikum gröhlt – “And which one was your favourite member of that band?” – Robbie grinst sich einen. ;)

Nach “Advertising Space”, “Come undone” und “Feel” war es dann erstmal angeblich aus. Nach ein paar Minuten jedoch ging die Zugabe mit “Let me entertain you” grandios los, Robbie hing an einem Seil und schwebte von der Bühne herab. Leider hat genau während diesem Smash-Hit das Wetter wieder umgeschlagen und es hat begonnen zu Regnen. Aber davon hat sich keiner der 70.000 Zuschauer beeindrucken lassen, bei dem Song hüpfte wirklich jeder Einzelne. Danach präsentierte Robbie mit “Rudebox” noch ein Lied vom nächsten Album, das einen für ihn sehr ungewöhnlichen Hip-Hop/Rap/Electronic Stil hat, mir aber verdammt gut gefallen hat.

Zu guter Letzt durfte natürlich auch “Angels” nicht fehlen, und dann – recht pünktlich um 23:00 Uhr – war das Konzert vorbei. Wir waren glücklich, gerockt und nass. Also beeilten wir uns, nach Hause zu kommen, nicht jedoch ohne noch Fotos von den beeindruckenden Menschenmassen im jetzt von den Flutlichtstrahlern beleuchteten Stadion zu machen.

Bleibt zu sagen, dass das wirklich ein tolles Erlebnis war. Es wäre schön gewesen, wenn die Securitys ihre Gehirne auch dabei gehabt hätten, aber man kann ja nicht alles haben. Ebenso hätte ich persönlich es verdammt cool gefunden, wenn er “Back for good” in der Rockversion gespielt hätte, wie ich es auf einem Mitschnitt seines Köln-Konzerts von 2002 gehört hab – auf dem er übrigens auch eine verdammt gute Coverversion von “Rollin’” gespielt hat. Aber mit Letzterem habe ich von vornherein nicht wirklich gerechnet. ;)
Auch für mich als nicht Hardcore-Fan hat sich das Konzert auf jeden Fall gelohnt. Wenn ihr noch könnt, geht irgendwo auf ein Konzert. Die Karten bekommt man spätestens ab einer Stunde vor Einlass sowieso hinterhergeschmissen.