Walk the Line

James Mangold – USA, 2005

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Von Johnny Cash habe ich genau ein Lied in iTunes – es ist “Hurt” und bereichert meine Sammlung seit Oktober 2006. Erst jetzt beim “Recherchieren” für den Beitrag, lese ich, dass es ein Cover von den Nine Inch Nails (!) ist. Beeindruckend. Das Lied habe ich im Fernsehen bemerkt, entweder bei einer Werbung oder vielleicht auch doch das Video auf MTV. Es hat mich jedenfalls sofort sehr ergriffen und tief im Herzen berührt. Aber das war’s auch schon, was ich bisher – vom “Ring of Fire” und einer schönen Textzeile aus Kid Rock’s “American Bad Ass” mal abgesehen – bisher von Johnny Cash wahrgenommen hatte. Der Trubel um den Film als er grade im Kino war und bei den Preisverleihungen zog an mir eher unbeachtet vorüber. Ich hatte gehört, wie enorm gut Phoenix’ schauspielerische Leistung sein sollte, was mich aber nicht besonders überrascht – der Knabe ist spitze, das weiß ich schon länger.

Nun kam der Film also vorgestern im unsäglichen FreeTV, und dort auch noch bei der Hochburg der Verblödung, auf Er Te El. Meine Freundin hatte sich in den Kopf gesetzt, den Film endlich mal zu sehen, eine halbe Stunde kannte sie schon, danach war sie beim ersten Versuch eingeschlafen. Es blieb mir also nicht anderes übrig, als den Film in deutscher Synchronisation und mit Werbung zu ertragen, obwohl ich ihn wenn überhaupt eigentlich nur im O-Ton und von DVD sehen wollte..

Ich erspare mir jetzt eine Abhandlung über die Story, denn entweder man kennt das Leben von Johnny Cash bereits, oder man schaut den Film, um es kennen zu lernen. Also direkt in medias res: Ich bin nicht so begeistert von dem Film. Ich kann aber nicht direkt festmachen, woran das liegt. Der Film ist gut gemacht, die Schauspieler sind gut und überzeugen. Die Musik ist nicht unbedingt mein Geschmack, aber weiß während des Films zu gefallen. Trotzdem: Ich bin nach dem Film irgendwie unzufrieden gewesen.
Ich denke es liegt einerseits daran, dass es eben “nur” eine Biographie ist, und daher nicht mit dem klassischen Spannungsbogen aufwarten kann, so “spannend” Cashs Leben auch gewesen sein mag. Andererseits stört mich, rückblickend betrachtet, die Auswahl der Zeitspanne, die der Film abhandelt. Das Ende ist zu abrupt. Es wird dadurch versucht, sich mit dem Heiratsantrag als Ende für den Film eben doch dem gewöhnlichen “Happy End”-Muster von Hollywood anzunähern. Das wirkt in einer Biographie auf mich eher befremdlich und ist daher in meinen Augen missglückt, denn den Teil seines Lebens, der dann in 5 eingeblendeten Sätzen runtergespult wird, ist auch interessant genug. Ich habe nach dem Film zunächst einmal die komplette Wikipedia-Seite über Johnny Cash gelesen und frage mich nun, welchen Grund es gibt, warum man sich stattdessen den Film ansehen sollte, wenn man sich einen Überblick seine Biographie verschaffen will. Der einzige Grund, der mir einfällt: Um die Musik dabei zu erleben. Mehr nicht, denn es werden viele, viele Details ausgespart, verändert und gekürzt. Aber doch wieder nicht genug, um den Biographie-Touch auszublenden.
Wie gesagt, der Film ist von sehr hoher Qualität, in jeder Hinsicht. Aber ich mag es nicht, wenn ich nach einem Film da sitze und mich frage: “Ja.. und nun?”
Nach dem Lesen der Wiki-Seite fühlte ich mich ungleich informierter und war auch deutlich interessierter daran, mir mal ein paar mehr Sachen von Cash anzuhören.
Für mich persönlich am Interessantesten war die Geschichte mit “Folsom prison”, was mich sofort an den Offspring-Song “Walla walla” denken hat lassen – es wäre interessant, ob das eine Hommage an Cash ist. Generell habe ich in vielen Songs während des Films einzelne Zeilen erkannt, die ich wortwörtlich schon aus anderen Liedern kannte.
Ich nehme also doch etwas aus dem Film mit: Ein wenig Bewunderung für Cash, obwohl er ein totaler Junkie war, und den Eindruck, dass mir bisher so einiges an Intertextualität in meiner eigenen Mediathek entgangen sein könnte.
Fazit: Einmal gesehen haben sollte man den Film auf jeden Fall. Meine Freundin ist übrigens nach dem dritten Werbeblock wieder eingeschlafen.