Schon seit 2006 gibt es nun auch in München ein SeaLife Center und seit wir noch vor Baubeginn das erste Mal davon gehört hatten, waren wir uns einig, dass wir uns das einmal anschauen würden. Da es schlecht weglaufen kann, haben wir es oft vertagt, wenn sich überhaupt einmal die Möglichkeit ergeben hat – aber gestern hat es gepasst: Ich hatte frei, meine Freundin hatte frei, wir hatten beide nicht anderweitig etwas geplant und waren auch, trotz Semesterferien, beide in München. Noch dazu war ja auch Schulbeginn, also gute Chancen auf wenig störende Kinder. ;)
So entschieden wir uns, den Plan endlich in die Tat umzusetzen. Es war kurz nach neun Uhr vormittags als wir uns dazu entschieden haben – vorher natürlich noch geschwind die Öffnungszeiten auf der Website nachgeschlagen. Perfekt, geöffnet ab zehn Uhr! Da es von uns Daheim ja zu Fuß gerade mal fünfzehn Minuten dorthin dauert, machten wir uns kurze Zeit später schon auf den Weg.

Am Eingang wartete eine kleine “Schlange” aus nicht mal zehn Personen. Eine Schlange entsteht trotzdem, da immer nur Grüppchen für Grüppchen einzeln zur Kasse durchgelassen wird. Das hat den einfachen Grund, dass noch vor der Kasse von jedem/jeder BesucherIn, Pärchen, Familie, Grüppchen ein Foto geschossen wird, das man beim Ausgang “komplett unverbindlich und ohne Kaufzwang ansehen kann”. An der Kasse geht es mit der amerikanischen Attitüde gleich munter weiter “Und sie möchten doch sicher unser wunderbares, [beschönigende Adjektive nach Wahl einsetzen] SeaLife-Hochglanz-Infoheft dazu haben?” mit einem Tonfall und Breitmaulgrinsen, dass es einem fast unheimlich ist. Es ist in Ordnung, da einfach so getan wird, als hätte die Frage nie im Raum gestanden, sobald man ein “Nein” auch nur andeutet, aber es wirkt einfach doch ein wenig befremdlich – als wären die “Verhaltensregeln für Mitarbeiter” nur übersetzt und nicht angepasst worden. Egal, die Mitarbeiter halten sich an ihre Vorschriften und sind trotzdem sehr freundlich.
Der Eintrittspreis geht in Ordnung – nur schade, dass die Ermäßigung für Studenten nur einen Euro beträgt. Regulär kostet es 13,95€ pro Person, Kinder bis 3 Jahre sind kostenlos.

Hat man die Tickets dann gekauft, darf man sich selbst einen Stempel auf die Hand drücken, der für den restlichen Tag bis 18 Uhr als Eintrittsermächtigung fungiert. Man kann also problemlos Mittagspause machen und dabei im Freien Picknicken oder außerhalb Essen gehen und anschließend wieder ins Areal zurück. Hinter der Kasse befindet sich ein kleiner Wartebereich, in dem für die kleinen Kinder Hocker zum Mitnehmen bereitstehen und ein paar Flyer ausliegen. Den Ausgang aus diesem Bereich stellt eine automatische Türe dar, die nach einem gewissen Intervall immer die nächste Gruppe Besucher in den Rundgang eintreten lässt. Bevor es richtig losgeht, kommt man nochmal in einen Zwischenraum, der stark abgedunkelt ist, damit sich die Augen darauf einstellen, dass es ab jetzt eher schwächer beleuchtet sein wird. Ein sehr, sehr langsam gesprochener Begrüssungstext aus dem Lautsprecher spielt ab, bis wieder eine Automatiktür öffnet und den Weg in die Unterwasserwelt freigibt.

Wie schon gesagt ist das SeaLife als Rundgang angelegt, es gibt also keine Gefahr, an etwas vorbeizulaufen. Besonders groß ist das Center aber ohnehin nicht – nach nicht einmal 1,5 Stunden waren wir einmal durch. Danach ist es durchaus wohltuend, sich im direkt angeschlossenen “Brotzeit”-Bereich (während des eigentlichen Rundgangs ist Essen verboten!) hinzusetzen und eine kurze Pause zu machen. Danach kann man sich, bei Bedarf, nochmal ins Abenteuer stürzen und einen der im ersten Durchgang eventuell verpassten Vorträge (zwei Stück gibt es am Rundgang) anhören oder im Kinobereich noch ein paar weitere Dokumentationen ansehen. Wenn man genügend Geduld hat oder ein besseres Timing als wir, dann kann man auch die Fütterung der Rochen und Seepferdchen bestaunen – ich fand allerdings ersteres schon so unspektakulär, dass ich nicht nochmal eine Stunde lang auf Letzteres warten wollte. Insgesamt haben wir gute 3 Stunden dort verbracht, so dass Preis und Leistung durchaus in einer ordentlichen Relation stehen.

Aber nun genug vom Drumherum, das Wesentliche des Besuchs ist natürlich der Rundgang selbst. Er ist geographisch aufgebaut, es geht über den Flusslauf von Isar und Donau hin zum Mittelmeer. Zunächst sieht man daher eher einheimische Bewohner des feuchten Lebensraumes. Die Becken sind sehr schön angelegt, da sie größtenteils nicht wie klassische Aquarien eine glatte Wand haben, sondern meist kugelförmig oder rund aus der Wand herausstehen. Dadurch bekommt man häufig deutlich schönere Einblicke als man es sich erwarten würde. Die größeren Becken sind oft auch von oben geöffnet, so dass man den überraschenden Größenunterschied zwischen der Sicht seitlich durch die Scheibe und der Sicht von oben durch Wasser auf ein und dasselbe Geschöpf feststellt. Das Glas ist natürlich sehr massiv und verkleinert teilweise ganz erheblich.

Den ersten Höhepunkt stellt das “Findet Nemo!”-Becken dar, das zwar nicht diesen Namen trägt, aber sowohl die Clownfische (Nemo) als auch die Palettendoktorfische (Dorie) beherbergt, die alle beide so unglaublich intensiv leuchten, dass man sich kaum daran satt sehen kann. Mir persönlich läuft es jetzt noch kalt den Rücken hinunter, wenn ich an den Oktopus zurückdenke – uah! Gruseliges Tier, ich werde wohl nie wieder außerhalb meiner Badewanne das Wasser betreten können. Sehr schön ist der Nachbau eines Hafengewässers, mit ordentlich Wellen von der Strömung, lautem Rauschen aus Rohren, Gischt, und allem was dazu gehört. Die Fische können einem schon fast Leid tun – wenn man nicht wüsste, dass sie sich in Natur auch dort aufhalten, möchte man fast meinen, dass ihnen dabei einfach übel werden muss. ;)
Es folgt ein Stück Bootsinneres, wo man sich einen kurzen Film ansehen kann – aber wenn man schon etwas anschauen möchte, dann lieber im kleinen Kino, das wenig später am Weg liegt und sehr schöne Dokumentationen vom Discovery Channel zeigt. Nach Seesternen, Seepferdchen, Mini-Quallen und allerlei anderen faszinierenden Kreaturen, die jeweils in kleineren Einzelbecken untergebracht sind, kommt es zum krönenden Abschluss: Ein gigantisches Becken, in dem ein Trojanisches Pferd vor einer Kulisse des antiken Troja versenkt wurde. In dieses Becken bekommt man von verschiedenste Perspektiven einen Einblick, insbesondere zieht sich ein zehn Meter langer, komplett verglaster Tunnel hindurch, in dem man direkt zu den Füßen des imposanten Pferdes steht. Neben verschiedenen Hai-Arten leben in dem Becken auch zwei Riesenschildkröten – das Becken sorgt damit bei Männern wie bei Frauen gleichermaßen für Aufmerksamkeit. Es ist aber wirklich atemberaubend, wenn die Schildkröten (etwa 1,5 Meter) und Haie (2 bis 3 Meter) gerade mal 10 cm über den eigenen Kopf hinweg schwimmen.

Wenn man sich von den Schildkröten und Haien loseisen konnte, geht es am Ausgang und dem Blick aufs eigenen Foto vorbei in den Souvenirladen und dann wie bereits erwähnt zum Brotzeit-Bereich. Ich selbst war nach der kurzen, aber intensiven Runde bereits zufrieden – es ist zwar einerseits kurz, andererseits aber trotzdem viel zu verarbeiten und damit anstrengend, nicht nur für die Beine. Ich hatte eigentlich wenig Lust, über eine Stunde auf die Fütterung der Rochen zu warten, aber wir sind dann nach einer kurzen Stärkung doch noch einmal in den Rundgang, haben uns einen Vortrag angehört und dann am “Mittelmeerbecken” auf die Fütterung gewartet – es kommt ein Mitarbeiter mit einem Tablett aufgeschnittener Fische und einem langen Stab, mit dem er jeweils einen Happen in einen Fisch regelrecht hineinstopft. Sehr unspaktekulär, das war eher enttäuschend.

Insgesamt aber ein sehr schöner “Ausflug” – bezaubernde Einblicke, und ein bisschen was dazugelernt haben wir auch. An Tagen mit mehr Betrieb könnte ich mir vorstellen, dass ich sehr schnell extrem von den Menschenmassen genervt wäre, aber wenn sich einem die Gelegenheit bietet, mal an einem ruhigen Tag einen Abstecher dorthin zu machen, sollte sie genutzt werden.

Bewegte Bilder zum SeaLife München finden sich natürlich bei YouTube!