Eli Stone

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Wow, diese Serie hat mich wirklich begeistert. Ich habe vor knapp zwei Wochen überhaupt erst von ihr Notiz genommen, als die Vorschau auf Pro7 lief. Die Vorschau hat mir noch nicht mal besonders zugesagt, aber als dann am selben Abend die Spätwiederholung um kurz nach zwölf beim Zappen dabei war, hab ich sie eben doch kurz laufen lassen. Nach wenigen Minuten bemerkte ich, dass Victor Garber (sollte man kennen, wahlweise als Vater in “Alias” oder als Konstrukteur in “Titanic”) in der Serie mitspielt – klarer Pluspunkt, ich mag ihn gerne, er spielt sehr sympathisch. Außerdem hatte in der Folge, die ich erwischt habe, James Avery einen Gastauftritt – sehr witzig, den Vater aus “Der Prinz von Bel Air” mal wieder zu sehen, noch dazu auch hier wieder als Anwalt. ;)
Tja, ich konnte nicht mehr ausschalten, die Folge hatte mich direkt in ihren Bann gezogen. Es handelte sich um Folge Nummer 4 (von insgesamt 13) und ich hatte keinerlei Probleme, noch einzusteigen – die Beziehungen unter den Charakteren und die Haupthandlung hat man sofort intus und gleich von Beginn an strapazieren die wunderbar spezielle Interaktionen der Darsteller und die zwangsläufig komisch bis befremdlichen Situationen die Lachmuskeln.

Wieso zwangsläufig komisch bis befremdlich? Nun, ich will nicht zu viel über die Handlung verraten, da die Serie (auch) von den Momenten lebt, in denen man zum wiederholten Male da sitzt und erst vor Überraschung und danach vor Lachen den Mund nicht mehr zu bekommt. Eli Stone ist Anwalt, sein Leben verläuft genau so, wie es sein sollte: Guten Abschluss gemacht, Freundin kennengelernt, geilen Job bekommen, Freundin den Antrag gemacht. Jetzt ist er verlobt, zufällig ist sein Schwiegervater in spe (Victor Garber) auch sein Boss – Chef einer großen Anwaltskanzlei, die sehr vermögende Klienten hat. Die Sorte Klienten, die größtenteils der Meinung sind, Recht könne man kaufen. Die Kanzlei macht dieses Wunschdenken gegen das entsprechende Kleingeld auch so gut wie möglich zur Realität. Kein Problem für Eli, schließlich verdient er gut, wird respektiert und sein Leben läuft super. Bis er eines Tages ein Problem bekommt: Er sieht Dinge. Nur er, niemand außer ihm sieht sie. Diese Visionen bringen sein Leben gewaltig durcheinander und führen zu den skurrilsten Situationen. Seine Beziehung wird auf die Probe gestellt, nachdem er den Grund für die Visionen erfährt. Doch als er herausfindet, dass dieser Grund möglicherweise nicht die tatsächliche Erklärung ist, fängt Eli an, grundsätzlich über sein Leben nachzudenken – und nicht überall kommt das gut an.

Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten – nur eins noch: Wer auch nur den kleinsten Funken Sympathie oder Begeisterung für George Michael über hat, der muss die Sendung einfach anschauen. Sie wird euch gefallen, versprochen! :D

Nach der halben Folge, die ich im Pro7-Spätprogramm aufgeschnappt habe, ging es sehr schnell: Die 13 Folgen der ersten Staffel habe ich innerhalb von ein paar Tagen im O-Ton aufgesogen, die Serie hat ein enormes Suchtpotential. Der Vorteil daran, dass ich erst jetzt auf sie gestoßen bin: Schon im Oktober geht es in den USA weiter. :)
Ich empfehle auch ganz besonders ausdrücklich, die Serie im O-Ton zu gucken. Ich habe letzten Mittwoch nochmal eine Folge auf Pro7 geschaut und die Synchronisation ist wirklich schlecht. Eli geht grade noch so, aber beinahe alle anderen Charaktere wirken viel farbloser und künstlicher. Auch ist mir die Übersetzung mehrfach negativ aufgefallen. Ja, ich bin generell ein großer O-Ton-Verfechter, aber gestehe auch ein, dass viele deutsche Synchronisationen auf hohem Niveau sind – diese hier ist es leider nicht. Wer kann, sollte sie tunlichst meiden.

Ich bin immer noch überrascht, wie flott und intensiv mich “Eli Stone” gefesselt hat. Die Darsteller spielen toll, füllen ihre Rollen sehr gut – sie sind glaubwürdig und sympathisch. Der Hauptakteur – mir bis dahin unbekannt: Jonny Lee Miller – hat in meinen Augen eine absolute Glanzleistung mit der Rolle vollbracht. Ich fühle mit ihm, ich leide mit ihm, ich freue mich mit ihm. Aber auch seine Assistentin, seine Sekretärin, sein Boss – sie alle wachsen einem richtig ans Herz mit ihrem persönlichen Charme, ihrer eigenen Art. Die Dialoge sind je nach Anlass zum Kaputtlachen witzig aber manchmal ebenso ernst und tiefgründig. Auch die Szenen im Gerichtssaal sind jedes Mal eine Klasse für sich – wer auf Filme wie “Die Jury”, “Das Urteil” und Ähnliche steht, dem wird “Eli Stone” gefallen.

Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich die Serie schleunigst anzuschauen, um bis zum US-Start der zweiten Staffel auch in ihren Bann gezogen worden zu sein.

Ab hier bitte nur weiterlesen, wer die erste Staffel bereits kennt, heavy spoilering!
Was für ein Finale – zwischenzeitlich hatte ich befürchtet, sie würden ihn über das Staffelende hinaus im Koma lassen, um sich noch überlegen zu können, ob er auch in der zweiten Staffel zu Beginn noch eine Weile im Koma bleiben soll. Auch habe ich mich gefragt, wie die Serie nun wohl weitergeht, wo ja doch mehr und mehr Menschen wissen, dass er tatsächlich die Zukunft sehen kann – das finde ich fast ein bisschen schade, es hätte ruhig auf mehr Folgen ausgedehnt sein dürfen, wie er mit dem ganzen Problem noch als Geheimnis umgeht und zurecht kommt. Sehr gefreut habe ich mich ja über die großen Worte von Jordan in der letzten Folge..
Der absolute Knaller war natürlich der “echte” George Michael – “Do you see a real person standing behing me?” – “Sure, it’s Bono.” – “Ah, happens all the time. I had the sun-glasses first!” Grandios, ich finde es echt stark von George Michael, dass er da mit macht. Schon alleine wegen dieses “WTF?”-Effekts in der ersten Folge, als er auf einmal auf dem Tisch steht und singt werde ich die Serie nie vergessen.. ;)