In meiner derzeitigen PS3-Euphorie konnte ich nicht widerstehen und habe die beiden SingStar-Discs gekauft, die es bislang für diese Konsolengeneration gibt (Vol. 1 und Vol. 2). Und die Mikros natürlich.. insgesamt knapp 80€. (An dieser Stelle eine Empfehlung für die Gebrauchtabteilung der spielegrotte.de!) Ich hatte eigentlich stets fest vor, erst zuzuschlagen, wenn es endlich die seit Ewigkeiten angekündigten kabellosen Mikrofone gibt, aber da das vermutlich auch mit dem im November erscheinenden “Volume 3″ nicht der Fall sein wird, hatte ich das Warten satt. Zumal ich ja jetzt, da die PS3 in meiner Münchner Wohnung steht und massiv von mir beansprucht wird, auch versuchen muss, meiner Freundin das Gerät wenigstens ein bisschen schmackhaft zu machen. Und in der Hinsicht kommt an SingStar einfach nix ran.. ;)

Ich hab es bisher bestenfalls zwanzig Mal an der PS2 gespielt – dort ist das Ganze ja aus bekannten Gründen auch mit einer umfangreichen Titel-Sammlung ein etwas kostengünstigeres Unterfangen. Die Idee hinter dem SingStore auf der PS3, sich seine Lieblingstracks einzeln kaufen zu können, finde ich allerdings sehr gut, und wenn man die 30 Titel pro Disk mit deren Neupreis verrechnet, sind die Preise pro Song (1.49€) halbwegs in Ordnung. Wie jeder Musik-Store hat aber auch dieser mit extremer Zerhackstückelung zu kämpfen, was die regionale Verfügbarkeit und resultierende Aufteilung des Angebots angeht. So sehr ich den Künstlern zugestehe und gönne, dass sie für jeglichen Verwendungszweck ihrer Arbeit entlohnt werden, aber ich wünschte wirklich, dass sämtliche Verwertungsgesellschaften und was sonst noch an diesen grauenvollen Zuständen beteiligt ist sich in Luft auflösen. Die Taktik von Sony finde ich allerdings schon bei den Discs total daneben: Es ist ja schön, dass sie auch auf lokale Gegebenheiten Rücksicht nehmen und etwa hierzulande einige deutschsprachige Titel unters singende Volk bringen, aber angenehmer wäre, wenn es für jedes Land immer wieder komplette Discs gäbe und nicht von jeder Edition ein Dutzend verschiedene lokalisierte Versionen erscheinen, die sich nur durch ein paar Lieder unterscheiden. Man schaue sich nur mal den Wikipedia-Eintrag zum “PS3 Volume 1″ an.. ich will auch “Chelsea Dagger” haben, verflixt! Aber eigentlich will ich darauf hinaus, dass bei diesem Chaos doch vermutlich nicht mal mehr Sony selbst einen ordentlichen Überblick hat.

Sehr schade, dass es im SingStore nur so wenig Titel gibt. Insgesamt 468 Stück, alle zwei Wochen werden es mehr. Besonders schade: Nur sehr wenige der Titel, die auf PS2-Discs verfügbar sind, gibt es im Store. Und da wären schon einige Perlen dabei – aber immerhin hat Sony angekündigt, dass es in absehbarer Zeit ein Update geben wird, mit dem das PS3-Singstar auch die Songs von den PS2-DVDs auslesen kann. Und zwar völlig unabhängig von der generellen PS2-Tauglichkeit. Hoffentlich ist es schon im November mit “Volume 3″ soweit.

Was mir auf der PS3 noch aufgefallen ist: Die Qualität der “Redaktion” könnte besser sein – ich finde es sehr schwach, dass bei vielen Titeln einfach das Cover des “Best Of”-Albums hin gepappt wurde. Klar, der Titel findet sich dort auch, aber für den Preis würde ich schon erwarten, dass man mehr als 10 Sekunden Recherche pro Titel betreibt. Ich weiß nicht, wie das bei den ersten PS2-Discs war, aber mein Eindruck war bei den ersten Kontakten zu SingStar durchweg positiv, was diesen Aspekt anbelangt. Daher habe ich das Gefühl, dass durch den bombastischen Erfolg die Qualität nachgelassen hat, aber ich kann mich auch irren und das war schon immer so. Ist auch halb so wild, ich bin eben Perfektionist.

Die böse Zensur ist für mich eigentlich das größte Übel – es bringt enorm aus dem Tritt, wenn Eminem auf einmal nicht mehr “you 36 year old bald headed fag, blow me” zu Moby sagt, sondern eine weichgespülte Zeile am Schirm eingeblendet wird. Von der Lächerlichkeit, dass es auch in deutschen SingStar-Discs kein “Fuck” zu geben scheint, fange ich gar nicht erst an.

Trotz dieser Nachteile bereue ich die Anschaffung nicht – eine PS3-kompatible Kamera ist schon bestellt und im SingStore werde ich demnächst wohl auch zuschlagen. Denn sobald die Musik beginnt, zählen keine Cover mehr, keine nicht verfügbaren Songs oder gekürzte Schimpfwörter – dann geht es nur noch darum, die Töne so gut wie möglich zu treffen, um am Ende ein SingStar zu sein. Und jeder, der schon mal gespielt hat weiß, wie viel Spaß das bereitet! :)