05.11.2008
Casino Royale
Martin Campbell – GB/USA, 2006
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Moment, ist das nicht der falsche Film? Nein, ich hab mir zur Einstimung auf den baldigen Nachfolger nochmal Craigs Bond-Debut angesehen, da ich ihn “nur” damals im Kino geschaut hatte. Das ist jetzt schon eine Weile her und da ich ihn relativ ungenau aber sehr positiv in Erinnerung hatte, dachte ich mir, dass eine Auffrischung nicht schaden könne. Da ich den neuen Streifen auch direkt im Kino nur auf Englisch schauen möchte, konnte ich mich darauf auch gleich noch ein bisschen “vorbereiten”. Der gute Mann spricht schon manchmal ziemlich leise.
Ich möchte weniger auf die Handlung im Konkreten eingehen, wer ihn noch nicht gesehen hat überspringt diesen Eintrag vermutlich ohnehin. Stattdessen will ich generell loswerden, dass Craig und das “neue Konzept” eines ernsten und düsteren Bond-Films mich absolut überzeugt haben. Ich mochte “Goldeneye” und “Tomorrow never dies” und hielt Brosnan für einen überzeugenden Bond-Darsteller. Das lag sicher zu einem Teil daran, dass ich damals im besten Bond-Alter war, andererseits waren diese beiden Filme meiner Ansicht nach wirklich noch in Ordnung. Weder vergleichbar mit den genialen Teilen mit Sean Connery noch mit dem “neuen Bond”, aber solide. Doch was zwischen “Tomorrow never dies” und “Casino Royale” kam, war wirklich grausam. “Ich bin Mr. Kill” ist mir als mahnendes Zitat für ewig ins Gehirn gebrannt – der dicke Schwarze am Eingang des Eishotels hat damals den gesamten Kinosaal in Gelächter versetzt und endgültig besiegelt, dass man den Film nicht mehr ernstnehmen kann. Die Nachricht, dass Brosnan nicht länger den Doppelnull-Agenten verkörpern soll, habe ich entsprechend positiv aufgenommen. Danach gab es jede Menge Gerüchte, doch mit keinem konnte ich mich so recht anfreunden – Will Smith erschien mir da noch die akzeptableste Variante. Als dann Craig vorgestellt wurde, war ich überhaupt nicht von ihm überzeugt. Der erste Trailer hat mich allerdings schnell von meiner Skepsis befreit, nun war ich neugierig und guter Dinge. Noch immer hätte ich aber nicht damit gerechnet, dass Craig den besten Bond seit Connery abliefert und diesen eigentlich nur wegen des Klassiker-Bonus nicht auf meinem persönlichen Bond-Siegertreppchen von Platz 1 verdrängt. “Casino Royale” ist nach “Never say never again” der für mich beste Bond-Film, den es gibt.
Ein bislang cooler, unnahbarer Action-Held wird durch ein neues, düsteres und verletzlicheres Gesicht zu neuen Höhen getragen. Natürlich kam beim Schauen der Gedanke an den neuen Batman immer wieder mal auf – in einer Sequenz fühlte ich mich besonders stark an eine Szene aus dem anderen Film erinnert. Als Bond den Wagen rumreisst und sich mehrfach überschlägt stockte mir genauso der Atem wie während des enormen Lastwagen-Überschlags bei Batman. Die Szenen sind an sich ganz unterschiedlich, ist es doch bei Bond eine der offensichtlichen Schlüsselszenen seiner Verletzlichkeit und bei Batman nur auf den zweiten oder dritten Blick (er ist quasi durch seine Leichtgläubigkeit, dass er damit den Plan des Jokers durchkreuzt hätte, verletzlich, dies kommt aber erst später zum Tragen) vergleichbar, aber durch die ähnliche Art der Darstellung ohne Schnitt, ohne Musik und nur mit Geräuschen, versetzen einen beide Szenen gleichsam in Schock.
Nach dem tragischen und wirklich traurigem Ende von “Casino Royale” kann ich kaum erwarten wie die Geschichte weitergeführt wird. Wenn die Qualität gleich bleibt, verzichte ich auch gerne auf “Bond. James Bond.”, was angeblich in “Quantum of Solace” nicht vorkommen soll.

