Marc Forster - GB/USA, 2008

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“Mehr Glück beim nächsten Mal” war der Grundtenor meiner Gedanken, als ich eben in der U-Bahn vom Kino zurückgefahren bin. Als der Abspann begonnen hat, machte sich doch eher Ernüchterung als Zufriedenheit breit, das hatte ich mir dann doch anders vorgestellt. Jetzt, nach einer guten halben Stunde Zeit zum Verarbeiten und Denken bin ich allerdings schon weniger ernüchtert. Ich würde den Film gerne gleich noch einmal sehen, um ihn unter den Gesichtspunkten über die ich jetzt nachgedacht habe beurteilen zu können. Fest steht für mich ganz klar, dass er nicht einmal annähernd an die Klasse von “Casino Royale” heranreicht. In meinem Kopf war zuvor die folgende Qualitäts-Rangordnung entstanden:
“Batman Begins” < "Casino Royale" < "The Dark Knight". Ist natürlich trotz verschiedener möglicher Anhaltspunkte nicht der naheliegendste Vergleich, aber so war einfach mein Bauchgefühl. "Quantum of Solace" kann mit Müh und Not auf dem Niveau von "Batman Begins" angesiedelt werden, wenn man beide für sich alleine nimmt. Das ist vielleicht, was mir so bitter aufstößt: War es bei der Fledermaus der erste Teil, der ein bisschen langwieriger, ein bisschen emotionsloser und ein bisschen "dünner" daherkam weil er sich dem Gesamtbild der neuen Reihe unterordnen musste, scheint das diesmal andersherum zu sein.

Diesen Punkt einmal im Hinterkopf gehalten will ich aber doch relativ deutlich die teilweise erheblichen Schwächen des Films aus meiner Sicht anprangern: Drehbuchautoren, Kameramänner, Cutter und somit letztendlich auch der Regisseur haben absolut versagt. Es ist mir ohnehin ein Rätsel wie man nur auf die Idee kommt nach Martin Campbell auf Marc Forster zu setzen. Vielleicht hätte man auch hier einmal den Versuch wagen sollen, mehrere Filme hintereinander mit demselben Regisseur zu machen.
Die Story (Achtung, Spoiler!) ist jedenfalls zu konfus und undurchsichtig aufgebaut - was ich noch akzeptiere, sofern ich für diese mir damit zugemutete Anstrengung mit einem richtig tollen und/oder überraschenden Ende belohnt werde. Aber Fehlanzeige. Als man irgendwann kapiert hat, dass da außer Dominic Greene nicht noch mehr “Böses” kommt, ist es eigentlich schon wieder vorbei und die große Bedrohung fehlte einfach. Oh Nein, der böse Mann erpresst einen Militärdiktator und “klaut” einem ganzen Land das Wasser. Ich mag grausamst abgestumpft sein, aber: So what? Wo kommt der Punkt an dem Bond von M darüber aufgeklärt wird, dass das Trinkwassersystem der ganzen USA in Gefahr ist und nur Greene kennt das Masterpasswort oder irgendwas in der Richtung? Ja, die Filme mit Brosnan haben es völlig dillettantisch übertrieben, aber dieses nicht existierende große Grauen lässt mich in einem Bond-Film stutzen. Das war bei Casino Royale in zweierlei Hinsicht anders: 1. Es war angekündigterweise ein “Neustart”. 2. Der Film spielte im Bezug auf den ursprünglichen Widersacher nur an einer Location. 3. Es entpuppte sich am Ende dann eben doch noch etwas Größeres.
Das fand ich in diesem Teil wirklich schwach gelöst und ist eigentlich nur hinnehmbar, wenn es tatsächlich nach wie vor der Charakter-Entwicklung von Bond dienen soll. Ich war nicht auf noch einen Streifen gefasst, der sich völlig diesem Konzept ergibt und entsprechend hatte ich einfach einen abgeschlosseneren Film erwartet. Da Greene aber auch oft von “die Leute für die/mit denen ich arbeite” gesprochen hat, deutet das ja darauf hin, dass der mit dem Ende von “Casino Royale” eingeleitete Handlungsstrang noch immer nicht beendet wurde. Wenn das der Fall ist und der nächste Teil sauber anknüpft, könnte es die jetzige “Durststrecke” für mich ganz erheblich aufwerten.
Die Story ist leider nicht das einzig Kritikwürdige - war Casino Royale auch künstlerisch großartig gemacht, liegt sein Nachfolger vom reinen “Actionfilm-Aspekt” her sogar noch weit unter dem Niveau, das dort heute teilweise vorherrscht. Die Schnitte und Kameraführung in den Kampfszenen und Verfolgungsjagden sind eine Tortur, es dröhnen einem Hirn und Augen vor Reizüberflutung und so sehr man sich auch anstrengt, kann man doch nicht den Überblick bewahren. Ich konnte während dem Kampf beim Baugerüst unter der Kuppel wirklich die meiste Zeit nicht beurteilen, wer gerade im Bild war und ich bin gerade mal 23 - am Alter wird es wohl nicht liegen. Liebe Regisseure, ich verrate euch ein Geheimnis: Das ist zum Kotzen! Teilweise im wahrsten Sinne des Wortes, zum Glück nicht bei diesem Film, aber trotzdem treibt es mir die Tränen in die Augen, dass da so viele wertvolle Minuten des Films verschenkt und entwertet werden. Warum? Diese Unart ist in vielen neuen Filmen anzutreffen und mir ist noch nie jemand begegnet, dem dieser Stil gefällt. Es mag ja in gewissen Szenen berechtigt sein, wenn man kurz(!) derart drastische Unordnung als Stilmittel heranzieht, aber minutenlange Schlägereien erträgt man in dieser Aufmachung nicht und ist einfach nur froh, wenn es wieder vorbei ist.

Den Schlusskampf empfand ich in der Hinsicht noch vergleichsweise erträglich, insgesamt wurde der Film ab etwa der Hälfte (als Bond die Agenten im Aufzug erledigt) deutlich besser. Zu Beginn hat mich auch die extrem übertriebene Touch-Ausstattung beim MI6 gestört. Absolut unglaubwürdig und unnötig - killt dafür aber eine ganze Menge an Flair. Reife Leistung, Minority Report iPhone Touch-Wahn. Mich hätte nicht gestört, wenn bei “Casino Royale” nicht zu guter Letzt die goldenen Worte gefallen wären, auch wenn sie dort natürlich perfekter als das i-Tüpfelchen gepasst haben. Der Film wäre trotzdem spitze gewesen - “Quantum of Solace” ist nicht spitze, mit oder ohne “Bond. James Bond”. (Und das im wörtlichsten Sinne, der Film ist auch losgelöst vom Bond-Mythos einfach nur Durschnittskost.) Gefallen hat mir die Anspielung auf Goldfinger und natürlich Craig. Er bleibt in Ermangelung eines ordentlichen Skripts leider hinter seinen Möglichkeiten aus dem “ersten” Teil zurück, überzeugt aber dennoch. Ich hoffe daher, dass mit dem nächsten Bond-Film auch der diesjährige Ableger aufgewertet wird, so wie “The Dark Knight” den ersten der neuen Batman-Filme in einen Rahmen rückte, in dem er deutlich besser aussieht als für sich allein gestellt. Vermutlich werde ich mir den Film in den nächsten Tagen noch einmal ansehen, weil mich interessiert ob sich für diese Möglichkeit nicht ein paar Indizien finden lassen. “Mehr Glück beim nächsten Mal”, mein eingangs erwähnter erster Gedanke nach dem Film ist also in gewisser Hinsicht durchaus ein passendes Fazit.