Die Kooks. Ich selbst bin gar kein großer Fan dieser Band, ich halte sie sogar für enorm überschätzt. Ich hatte vermutlich nur einen schlechten Start mit den Jungs, aber ihnen haftet für mich einfach eine grundlegende unsympathische Schwingung an. Dieses “Die sind ja sowas von Indie und cool und underground, die musst du doch super finden!”-Getue von Leuten, die alles als Mainstream abstempeln was von mehr als 20% ihrer Bekannten gehört wird. Davon bekomm ich einen Hals und aus dieser Schublade kommen Interpreten so leicht nicht mehr heraus. Vielleicht haben es die Kooks gestern sogar geschafft, mich von sich zu überzeugen, ich bin noch nicht ganz sicher. Warum hab ich das Konzert überhaupt aufgesucht? Nun, meine Freundin war vom ersten Album sehr begeistert und da ich ein ebenso begeisterter Konzertgeher bin habe ich nicht lang gezögert als kurz vor ihrem Geburtstag die Tourdaten eingetrudelt sind. ;)

Das erste Album habe ich sogar schon seit Langem in iTunes, bis auf “See the world” und “She moves in her own way” ist allerdings kein Lied mehr als zweimal gelaufen. Ich finde die Musik sehr austauschbar, sowohl innerhalb des Albums als auch im Allgemeinen. Mir fehlt da irgendwas, die besondere Note, das gewisse Etwas - schwer zu beschreiben und natürlich schlichtweg Geschmackssache. Das zweite Album habe ich dann nicht einmal mehr durchgehört, nachdem auch Madame davon eher wenig angetan war. Ende letzter Woche hat sie sich zu allem Überfluss auch noch eine ordentliche Erkältung eingefangen - unter einem besonders guten Stern schien das Konzert nicht zu stehen. Egal, wir wollten für unsere 30€ pro Karte etwas zu Sehen bekommen und so haben wir uns gestern gegen 19:00 Uhr auf den Weg zum Zenith gemacht.
Mit der Location verbindet mich ein besonderes Erlebnis: Mein allererstes Konzert hat auch dort stattgefunden - 2001, Offspring. Mann, das war was. Ich, unschuldiger kleiner Pimpf und keine Ahnung von Begriffen wie Pogotanz und Headbangen, perfekt mittig in der Moshpit platziert, ohne damit zu rechnen, das mit dem ersten Akkord die Lightshow ebenso brachial losblitzen würde wie plötzlich alle anfingen, sich hin- und herzuschubsen. Aber ich hatte mich damals schnell eingelebt und Gefallen an den seltsamen Bräuchen dieser seltsamen Punks gefunden. ;) In meiner Erinnerung war die Halle kleiner und es wunderte mich gestern Abend, dass Offspring sie 2001 noch vollbekommen hatten, während sowohl Farin Urlaub als auch Offspring selbst einige Jahre später in der kleineren Tonhalle spielten. Aufgrund der eingeschränkten Fitness suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen mit Anlehnmöglichkeit und warteten noch eine gute halbe Stunde lang auf die Vorbands.
Gleich zwei Stück davon gab es, für meinen Geschmack mindestens eine, meistens zwei, zuviel. Von der ersten weiß ich nicht einmal mehr den Namen, ich habe währenddessen lieber am Boden sitzend mein neuestes iPhone-Spiel ausprobiert. Aber ebenso wie die zweite Vorgruppe (“Mystery Jets”) hat sich das Gedudel nicht großartig von den dazwischen laufenden Pausenfüllern vom Band abgehoben. Lauter UK-Poprock-Zeug. Klang wie aus den 70ern und 80ern und sah auch so aus, außerdem wirkten zumindest die “Mystery Jets” enorm unmotiviert. Aber vermutlich gehört das zu ihrem Britpop-Depressiv-Look, den man dann underground und cool finden muss. (An dieser Stelle bitte nochmal die Simpsons-Folge S07E24 “Homerpalooza” angucken!)
Aber genug geschimpft, kaum eineinhalb Stunden nach Beginn kamen die Kooks auch schon auf die Bühne. Ich kann mich mit der Attitüde, die allen drei Bands des Abends gemeinsam war - Hinstellen, Spielen, alle sollen gefälligst jubeln und in Ohnmacht fallen - einfach nicht so ganz anfreunden, aber die Kooks waren zum Glück dann doch mit Abstand die spielfreudigsten Musiker des Abends. Trotzdem - kein Vergleich zu dem Spaß den man etwa den Hives, den Ärzten oder auch den fetten Broten auf der Bühne ansieht. Und aus dieser enorm positiven Stimmung ziehe ich selbst nunmal einen großen Teil der Begeisterung an einem solchen Abend. Es kamen zunächst fast nur Lieder die neu für mich waren, keine großen Highlights dabei und zwischendurch dann auch mal ein paar Tracks vom ersten Album. Die haben mir live schon besser als auf Platte gefallen. Und die mir noch unbekannten Stücke, die nach “See the world” und “She moves in her own way” kamen, konnten mich teilweise durchaus in Bewegung versetzen. Der Ton war leider insgesamt schon von den Vorbands an nicht sehr prickelnd, viel zu laut und oft sehr unangenehm übersteuert. Überdies war es ein kurzes Vergnügen - von kurz vor halb zehn bis viertel vor elf sind grade mal knappe 1,5 Stunden, in denen aber auch eine kleine Zugabenpause drin war. Zu kurz - das FURT hatte 2006 eindrucksvoll demonstriert, wie die Tour zu einem zweiten Album aussehen muss: Beide Alben komplett gespielt und noch ein paar B-Seiten/Hidden Tracks obendrauf. Ein wenig befremdlich war allerdings, wie der Zugabenteil ausgesehen hat, denn die erste Hälfte hat der Frontmann komplett alleine auf der Bühne mit Akustik-Versionen gefüllt. Das hab ich in der Form auch noch nicht erlebt - und den Teil fand ich auch so langweilig, dass ich zwischendurch wieder iPhone gezückt und lieber ein paar Live-Bilder gezwitschert habe als mich besonders um das Geschehen auf der Bühe zu kümmern. Auf der Bühne war übrigens doch einiges mehr los was Lightshow und Gestaltung angeht als ich erwartet hätte - da kamen einem die Tickets wenigstens nicht mehr gar so überteuert vor.

Tja, bisher war das auf jeden Fall das schwächste Konzert dieses Jahr - kein Wunder, mit Linkin Park, den Hives, den Sportis in meiner kleinen Heimatstadt und vielen mehr standen einfach so viele Knaller auf dem Programm wie schon lange nicht mehr. Schlecht war es jetzt auch nicht unbedingt, und das zweite Album hat mir heute beim Durchhören fast besser gefallen als “Inside in / Inside out”. Alles in allem dann also doch ein positiverer Abend als ich zeitweise befürchtet hatte. Jetzt heißt es Tage zählen bis zum nächsten Ereignis, denn zwei Tage bevor der Nikolaus die Stiefel vollmacht, wird der Herr Urlaub München eine Bescherung vom Allerfeinsten kredenzen, davon bin ich jetzt schon überzeugt! :D

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