29.11.2008
Tropic Thunder
Ben Stiller – USA, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Ben Stiller und Jack Black zusammen in einem Film? Im Vorfeld hatte ich überhaupt gar nichts zu “Tropic Thunder” mitbekommen, deshalb wurde ich von dem Trailer völlig überrascht. Jack Black liebe ich für seine Musik (iTS-Link) aber auch für Filme wie “High Fidelty”, “School of Rock” und zuletzt den großartigen “Be Kind Rewind” (Abgedreht) und Ben Stiller hat mehr tolle Filme auf dem Konto als ich Finger an beiden Händen. Da der Trailer schon vor “The Dark Knight” lief wusste ich noch nicht, dass auch Robert Downey Jr. in der Zwischenzeit mit “Iron Man” noch Punkte bei mir sammeln würde. Und obwohl ich also immer gespannter auf den Film wartete, bin ich doch wieder erst mit monatelanger Verspätung zum Anschauen gekommen. Er war dann auch nicht so großartig wie erhofft, aber immer noch sehr sehenswert.
Schon die ersten fünf Minuten strapazieren die Lachmuskeln aufs Äußerste. Die Rahmenhandlung stellt der Dreh des Vietnam-Epos “Tropic Thunder” dar, in dem verschiedene langsam verglühende Hollywood-Stars ihr großes Comeback versuchen wollen. In diesen ersten Minuten des Films läuft nun zu jedem dieser Schauspieler ein Trailer zu seinem jeweils größten Hit, gnadenlos übertrieben und herrlich komisch.
Während des Drehs geht leider so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann und der Regisseur greift in seiner Verzweiflung zu einer drastischen Maßnahme- er setzt seine Stars im Dschungel aus, um an authentischere Bilder über versteckte Kameras zu kommen. Leider geht auch das völlig schief und plötzlich werden echte Soldaten auf die streitende Truppe aufmerksam. Die restliche Handlung kann man sich ungefähr denken, aber die Vorhersehbarkeit tut dem Film keinen Abbruch.
Was mich sehr überrascht und fast schockiert hat, war die Splatter-Lastigkeit. Ich habe die englische Unrated-Version gesehen und bin mir sicher, dass da für die deutschen Kinos insgesamt mehrere Minuten weggkürzt wurden. Fontänenartig aus dem Kopf spritzendes Blut, abgesprengte Handstummel, ein auf das Maschinengewehr gespießter und danach als Fußball benutzter, frisch vom Körper getrennter Kopf, aus dem aufgeschlitzten Bauch herausquillende Gedärme. Bis auf den Kopf sind all diese Szenen zwar als Stilmittel für die Persiflage auf all die großen Hollywood-Krigsfilme gedacht, aber trotzdem äußerst bildgewaltig. Das wertet den Film auch fast ein wenig ab, denn es wirkte zumindest auf mich nicht unbedingt so wie es wohl sollte – deutlich weniger Splatter hätte auch keine andere Botschaft vermittelt, und auf unnötigen 1 Splatter steh ich nicht.
Die genialen Leistungen jedes einzelnen Beteiligten werden aber dadurch nicht geschmälert – sei es nun Ben Stiller, der als Tugg Speedman voll in dem Selbsterfahrungstrip im Dschungel aufgeht, Jack Black, der als Jeff ‘Fats’ Portnoy seine liebe Not damit hat, dass ihm auf dem Ausflug plötzlich die Drogen ausgehen oder Robert Downey Jr., der als Kirk Lazarus völlig den Vogel abschießt: Er spielt einen Australier, der sich für den Film einer Pigment-Operation unterzogen hat, um den schwarzen Kriegshelden glaubwürdiger darstellen zu können. Und obwohl er so tief in die Rolle eingetaucht ist, dass er sich von “Leute wie ihr” als Schwarzer diskriminiert fühlt, kann er nur mit Müh und Not den australischen Akzent unterdrücken, während er versucht möglichst “schwarz” zu sprechen. Absolut großartig und absolute O-Ton-Pflicht! ![]()
Trotz des großen Star-Aufgebots bekommt jeder einzelne Charakter ausreichend Raum. Ben Stiller hat als Regisseur scheinbar ein deutlich besseres Händchen als der arme Wurm am Set innerhalb des Films. Matthew McConaugheys Szenen gefielen mir bei den Nebendarstellern am Besten – es ist wirklich zum Brüllen komisch, wenn er als Agent von Tugg Speedman beim Produzenten des Films aufläuft und dann mitbekommt, wie dieser “nicht mit Terroristen verhandelt”.
Eben jener Produzent wird von Tom Cruise verkörpert, eine coole Aktion vom mittlerweile ja arg PR-gebeutelten “Mister Impossible”. Das Studio hatte wohl etwas dagegen, dass eines ihrer großen Zugpferde als fettleibiger Glatzkopf verunglimpft wird, denn ursprünglich angedacht war wohl ein noch peinlicheres Erscheinungsbild als letzendlich im Film zu sehen ist.. 2
Ben Stiller wollte den Film übrigens ursprünglich nur als Produzent und Regisseur begleiten, es geschah eher zufällig, dass er dann auch mitspielte. Das hat dem Film aber durchaus gut getan, würde ich sagen.
Unbedingt anschauen, unbedingt auf Englisch!
Footnotes:
- Achtung: Unnötig heißt nicht zwangsläufig sinnlos! ↩
- Details bei Wikipedia (englisch) ↩


Habe TT auch vor einigen Wochen gesehen. Ich fand ihn manchmal ganz ulkig skuril… aber überhaupt nicht witzig im üblichen Ben-Stiller-Stil, den ich erwartet/erhofft hatte.
War aber auch auf Deutsch… vielleicht war das der entscheidende Unterschied!
Er war schon abstruser als die üblichen Verdächtigen von Stiller, das stimmt. Würde ich darauf schieben, dass er Regisseur war und eben seinen wirklichen, eigenen Stil mehr durchkommen hat lassen als er es bei einem Film unter der Anleitung eines fremden Regisseurs tun konnte.
Zum Deutschen kann ich nichts sagen, das hab ich mir diesmal nicht mal probeweise angetan.
Aber jetzt hast du mich neugierig gemacht, vielleicht komm ich ja noch zu einer Gelegenheit, mir das mal anzuhören.