23.12.2008
3:10 to Yuma (Todeszug nach Yuma)
James Mangold – USA, 2007
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Christian Bale (Hauptdarsteller im besten Film des Jahres) und Russel Crowe (Fanboy-Schwärmerei bei “Body of Lies” nachzulesen) als Widersacher in einem Film vereint. Großartig, auch mich als “ganz und gar nicht Western-Fan” hat schon das Poster überzeugt. Entsprechend lange steht der Film bereits auf meiner “Unbedingt noch anschauen”-Liste, aber erst vorgestern bin ich endlich dazu gekommen. Ich glaube, die Westernfilme die ich kenne, kann ich an beiden Händen abzählen – die Winnetou-Schinken, “Back to the future III” und “An American Tail: Fievel Goes West“. Zählt “Last Man Standing”? Ich bin also wirklich kein Western-Narr. Ich hab nichts dagegen, aber diese Grundbefriedigung, die für einige – vorrangig männliche – Leute von diesem Genre auszugehen scheint, hat mich nie erfasst. Na gut, Bonanza ist Kult, aber das ist ja etwas anderes. ![]()
“3:10 to Yuma” ist nicht unbedingt ein konventioneller Film. Gerade das lässt ihn aber aus den übrigen Produktionen der vergangenen Jahre herausstechen und James Mangold beweist damit erneut sehr eindrucksvoll seine enorme Bandbreite. Nach “Girl, Interrupted”, “Identity” und “Walk the Line” nun also ein Western.
Dan Evans’ Leben liegt in Scherben. Er ist Kriegsveteran und so verschuldet, dass sein Gläubiger ihm die Farm anzünden lässt, um Druck zu machen. Sein ältester Sohn, der vierzehnjährige William, hält ihn für einen Versager, da er dem Ganzen nichts entgegenzusetzen hat als stets zu predigen, es werde schon alles gut ausgehen. Da kommt es Evans gerade Recht, dass Tags darauf zufällig ein Held gebraucht wird, der sich den Bewachern des soeben geschnappten Ben Wade anschließt. Wade ist einer der meistgesuchtesten und berüchtigsten Ganoven weit und breit und da dessen Festnahme viele Opfer forderte und mit Befreiungsversuchen seitens der Bande von Wade gerechnet wird, akzeptiert ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Pinkerton Evans’ Preis. Für 200 Dollar will er beim Versuch, Wade in die nahegelegene Stadt zum “3:10 Uhr”-Zug nach Yuma zu eskortieren, sein Leben riskieren. In Yuma ist der Bundesgerichtshof, wo Wade einen fairen Prozess bekommen soll. Geldsorgen und Vater-Sohn-Probleme auf einen Streich gelöst? Wenn das mal so einfach wäre..
Die Bande von Wade, in seiner Abwesenheit geführt von einem psychisch labilen, leicht irrsinnigen Cowboy namens Prince 1 , tut natürlich alles, um zu verhindern, dass ihr Anführer und Idol in diesen Zug gesteckt wird. So entwickelt sich die Unternehmung zu einem gefährlichen und mörderischen Trip, in dessen erzählerischen Zentrum die beiden charismatischen Männer Evans und Wade stehen. Die beiden haben mehr gemeinsam, als es zunächst den Anschein hat – beide sind mysteriös und verschlossen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Bald wird außerdem deutlich, dass sie beide Ehrenmänner sind und beide um ein vielfaches charakterstärker sind als alle übrigen Teilnehmer der Reise. Lediglich das Vorzeichen auf der Skala unterscheidet sich, doch das ist alles, was für Evans zu zählen scheint. Wade ist für ihn die Verkörperung des Bösen, bei dem kurzen Zwischenstopp der zu Beginn des Films auf Evans’ Farm eingelegt wird verbietet er Wade sogar mit seinem Sohn zu sprechen. Evans verhält sich, als würde er aus reinster Überzeugung, nicht etwa aus Geldnot oder Verzweiflung handeln und das in einer Intensität, dass er es sich selbst glaubt. Wade durchschaut das zwar, ist aber von Evans’ Standhaftigkeit und Willenskraft dennoch beeindruckt.
Das Zusammenspiel dieser beiden so unterschiedlichen und doch so ähnlichen Charaktere ist großartig und unterscheidet den Film von klassischen Western – im Grunde tut es auch wenig zur Sache, dass um diese Geschichte der beiden Rivalen Evans und Wade ein Western-Setting gesponnen wurde.
Crowe und Bale spielen beide sehr stark und Mangold leistet ganze Arbeit. Ich traue nicht vielen Darstellern neben Bale zu, so viel aus einer Rolle herauszuholen, die über den gesamten Film nicht den Hauch von Wandel zeigt. Sein Charakter bleibt bis zuletzt derselbe, und trotzdem ist man permanent davon beeindruckt und ein wenig fasziniert. Neben den Hauptdarstellern glänzt außerdem Ben Foster als “Prince” – keine sonderlich dankbare Rolle, da er ein psychopatisches Arschloch spielt, das man unmittelbar hassen muss.
Die Szenerie in “New Mexico” hat genau die richtige Atmosphäre und zusammen mit dem Score kommt dabei ein sehr stimmungsvoller Film heraus. Von mir gibt’s jedenfalls eine Empfehlung, auch wenn man mit Western wenig am Hut hat. 2 Kann man Bale und/oder Crowe etwas abgewinnen, ist der Film sogar Pflicht.
Footnotes:


Ein schönes Review. Mir hat der Film auch besonders wegen den beiden Hauptdarstellern sehr gut gefallen.
Du schreibst ja, dass du kein Westernfan bist. Aber hast du denn noch keine Leone-Western gesehen? Das wundert mich ziemlich, also ist hier die Empfehlung! ;-)
Danke – ich habe eben nochmal zur Sicherheit die Liste bei Wikipedia überprüft und ich habe in der Tat noch keinen einzigen Leone-Western gesehen. Vielleicht komme ich schon zwischen den Feiertagen einmal dazu, auf der Liste stehen sie jetzt jedenfalls.
Frohes Fest!