24.12.2008
Bad Santa
Terry Zwigoff – USA, 2003
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Hurra, Weihnachten. Bitte lächeln! Ich war noch nie so wenig in Stimmung für diesen ganzen aufgesetzten Mist wie dieses Jahr, und so war es nun endlich an der Zeit für “Bad Santa”. Es gibt wohl keinen besseren Film, um seinen “Weihnachts-Blues” zu zelebrieren. Billy Bob Thornton, der mir bislang in “Bandits” am besten gefallen hat, verkörpert Kaufhaus-Weihnachtsmann Willie. Freude am Job hat er allerdings nicht, daher ist er regelmäßig betrunken bei der Arbeit und immer unhöflich zu den Kindern. Als wäre das noch nicht schlimm genug, nutzt er den Job nur als Weg um zusammen mit Marcus, seinem kleinwüchsigen Partner-Wichtel, die Kaufhäuser auszurauben. Wie es sich für einen Weihnachtsfilm gehört, treten dann unerwarteterweise eine Frau und ein Kind in sein Leben und schon hat man eine Story. Ich hatte fest mit einem mindestens soliden Streifen gerechnet, doch “Bad Santa” ist richtig klasse, der Film hat mich positiv überrascht.
Die Rolle ist schon fast ein Geschenk für Thornton, der irgendwie ohnehin stets einen bösen Buben spielen muss. Er nimmt das Geschenk mit Vergnügen an und liefert eine großartige Leistung ab. Nach den ersten 30 Minuten war ich überzeugt, dass er der alleinige Star des Films ist, doch dann kam mit Lauren Graham eine große Überraschung in zweierlei Hinsicht. Erstens wusste ich gar nicht, dass sie in dem Film überhaupt mitspielt und es war nach “Evan Almighty” das erste Mal seit dem bedauernswerten Ende der Gilmore Girls, dass ich Lorelai wieder zu Gesicht bekam. Zweitens hat sie wirklich aufgetrumpft und in manchen Szenen dem guten Billy gehörig die Schau gestohlen. Während der GG kam das (für mich jedenfalls) nie besonders rüber, aber die Frau kann ja wirklich verdammt heiß sein. ![]()
Thurman heißt der keine Junge, der Willies Leben auf den Kopf stellt. Er wurde ebenfalls toll besetzt und ist sehr liebenswert: pummelig, seltsam und unselbstständig, das ideale Mobbing-Opfer. Deshalb auch ein umso größerer Spaß, als Willie seinen eigenwilligen neuen Freund verteidigt. Er zerlegt ein paar chancenlose Jugendliche, die Thurman das Leben schwer gemacht haben. Als Fazit zieht er daraus, seit Ewigkeiten endlich mal wieder das Gefühl gehabt zu haben, das Richtige zu tun. Große Klasse! ![]()
Die Story mit Thurman und Willies neuer Freundin (“Mrs. Santa’s Sister”) ist dabei gar nicht aufdringlich und kitschig im Vordergrund, denn “Bad Santa” will ja schließlich der etwas andere Weihnachtsfilm sein. Darum konzentriert sich der Hauptteil der Handlung darauf, dass ein Kaufhaus-Manager Verdacht schöpft und einen Privatdetektiv auf das Diebes-Duo ansetzt. Leider ist dessen Rolle so flach und klein angelegt, dass auch Bernie Mac (RIP!) nicht viel daraus machen kann.
Alles in allem bleibt auch “Bad Santa” ein Weihnachtsfilm und trotz jeder Menge Sex, Alkohol und massiven Gebrauchs der “seven bad words” stimmt er insgesamt versöhnlich und wird gerade durch sein minimal kitschig angehauchtes, wenngleich dennoch nicht klassisches, Ende zu einem wirklich wunderschönen Film. In Lauren Grahams Rolle könnte man sich direkt verlieben, Thornton ist der “Bad Santa himself” und auch sonst stimmt an diesem Film so gut wie alles.
Allerdings explizit nicht im “Director’s Cut”. Natürlich habe ich mir als Film-Enthusiast gleich diesen zugelegt, mich aber dann geärgert als ich nach dem Schauen den (lesenswerten!) Schnittbericht gelesen hatte. Der “Director’s Cut” ist drei Minuten kürzer als die Kinofassung und ganze zehn Minuten kürzer als die “Unrated”-Fassung. In Deutschland ist letztere als “Exteneded Edition” bekannt und ohnehin die einzige, die man auf DVD bekommt. Weiß der Geier, was Terry Zwigoff da geritten hat, aber “Bad Santa” ist einer der wenigen Fälle, wo die vom Studio produzierte “Unrated”-Edition 1 den Film deutlich besser gemacht hat als Kinofassung und sogar “Director’s Cut” es sind.
In diesem Sinne: Wer ihn noch nicht kennt, schaue sich schleunigst “Bad Santa” an. Achja, und Frohes Fest natürlich.
Footnotes:
- Diese werden in den USA immer gerne auf den Markt geworfen, um durch das Reinschneiden von belanglosen Szenen das Buzzword “Unrated” kommerziell ausschlachten zu können. ↩


Den Film muss ich mir auch mal anschauen.