Ethan & Joel Coen – USA, 2008

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Über “Burn After Reading” war im Vorfeld fast nur Gutes zu hören. Kein Wunder bei der Besetzung, möchte man meinen. Außerdem ist er ja auch von den Coen-Göttern-Brüdern. Nachdem ich “No country for old men” allerdings hoffnungslos überbewertet fand, war ich auch hier eher skeptisch, wenngleich die hohe “Star-Dichte” mich hoffen hat lassen, dass der Film Spaß verspricht. Nicht, weil viele große Namen zwangsläufig für einen großen Film stehen, sondern weil es, gerade bei eher unkonventionellen Projekten, darauf hindeutet, dass die Darsteller selbst wirklich Spaß an dem Film haben. Clooney und Pitt können ja auch gut miteinander und John Malkovich habe ich zuletzt in “The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” aus dem Jahre 2005 gesehen, was viel zu lang her ist. Außerdem haben die Coens auch schon Filme gemacht, die mir richtig gut gefielen. Insofern war ich also durchaus erwartungsvoll und frohen Mutes mit einem Rest Skepsis, als ich mir ihr neuestes Werk angesehen habe.

Begeistert hat mich der Film nicht – ganz und gar nicht. Ich muss dazusagen, dass ich ihn zweimal geschaut habe. Das erste Mal ist schon eine Weile her, gute 3 Wochen. Nach diesem Versuch hätte ich ihn vermutlich als durchweg “schlecht” bezeichnet. Er hat bei mir überhaupt keinen Nerv getroffen. Danach habe ich mir ein paar Kritiken zu Gemüte geführt und mich dabei gewundert, ob ich eine andere Fassung gesehen hätte. “Grandios, wie toll die Coens ihre Haupt-Charaktere als Riesentrottel portraitieren” und ähnliche Sätze waren da sinngemäß zu lesen. Dem kann ich mich auch nach dem gestrigen Zweitsehen nicht anschließen. Unter den Gesichtspunkten betrachtet, die der Film selbst mir nicht verdeutlichen konnte, war er nicht schlecht. Das wäre wirklich ein zu hartes Urteil. Ich habe diesmal natürlich mehr darauf geachtet und wenn es wirklich der Tenor der Kritiken war, den die Coens im Film vermitteln wollten, dann waren sie dabei sehr nachlässig. Vielleicht auch bewusst subtil, dabei aber so von ihrer eigenen Herrlichkeit überzeugt, dass sie davon ausgingen, ihre Fan-Gemeinde werde schon hineindeuten, was sie nicht explizit genug auf die Leinwand bringen. Das klingt jetzt bösartiger als es sein soll, ich hatte aber einfach diesen Eindruck. Es stimmt natürlich, die Charaktere sind Versager und bringen eine dumme Aktion nach der anderen, aber darüber konnte ich nur sehr begrenzt lachen. Dafür, dass es eine schwarze Komödie sein soll, ist für meinen Geschmack viel zu viel Stillstand in dem Streifen, und vor allem: er ist gnadenlos vorhersehbar. Die wenigen richtig abstrusen Momente sind dadurch derart rar gesät, dass sie teilweise fast deplatziert wirken in einem Film, der ansonsten nicht so recht weiß, was er eigentlich will. Die gesamte Story und die einzelnen Charaktere kommen mir unendlich motivationslos vor. Das soll wohl gerade der Witz sein, viel Lärm um Nichts. Dafür sind mir die Geschehnisse aber zu surreal.
Spoiler ab hier! Es wirkt so konstruiert, da während des gesamten Films der Fokus immer nur auf der Story liegt, nie auf den Beteiligten. Die besten Szenen sind immer dann, wenn einer der Darsteller mal für einen kurzen Moment lang eine nachvollziehbare Reaktion zeigt, etwa die Flucht vom Pfarrer oder Cox’ Ausraster am Ende. Abseits dieser Sequenzen plätschert die Handlung einfach so dahin. Es ist schwer zu erklären, was mein grundlegendes Problem dabei ist. Weiter oben sagte ich schon, dass mir das alles zu surreal ist für einen Film, der nur durch “Darstellen von Ereignissen” witzig sein will. Es wird zu Beginn mit dem Verschwinden und Auffinden der Disk durch die anstehende Scheidung und den (grundlosen!) Rauswurf von Cox ein surreales Szenario geschaffen. Ist das einmal geschehen, befinden wir uns also in dieser absurden Situation und von hier aus geht es weiter. Innerhalb dieser nun nicht mehr zu hinterfragenden Ausgangslage handeln die Charaktere aber meiner Meinung nach fast komplett rational und normal. Ich sehe ab dem Punkt kaum noch Absurdität und Idiotie. Was macht denn etwa den Charakter von Brad Pitt zu einem so großen Idioten? Er fuchtelt beim Joggen komisch mit den Armen, na und? Spoiler vorbei.

Aber genug des Kritisierens. Es liest sich vermutlich, als wolle ich den Film komplett verreißen, was aber nicht der Fall ist. Es fällt mir nur schwer in Worte zu fassen, warum ich den Film nicht unbedingt überragend, sondern grade mal durchschnittlich fand. Bei den sonst so ausgezeichneten Kritiken habe ich wohl das Gefühl, besonders viele Worte dafür verwenden zu müssen, um meine Kritikpunkte zu verdeutlichen.
Kurz gesagt: Man kann den Film auf jeden Fall anschauen und auch ich habe einige Male herzhaft gelacht. Meine Erwartungen waren höher, da ich “Intolerable Cruelty” (Ein (un)möglicher Härtefall) für eine hervorragende Komödie halte. 2008 ist wohl einfach kein Jahr, in dem die Coen-Brüder mich mit ihren Werken erreichen.