Californication, Season 2

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Noch nicht einmal Weihnachten vorüber und trotzdem schon die erste Staffel dieser Saison vorbei. Schade, es hätten diesmal für “Californication” gerne auch mehr Folgen sein dürfen. Immerhin, die dritte Staffel ist schon sicher. “Eli Stone” und “Pushing Daisies” hatten da weniger Glück, was ich sehr schade finde. Bleibt zu hoffen, dass Hank mich adäquat darüber hinwegtrösten wird.

Denn zu Beginn der zweiten Staffel gab es doch einen leichten Durchhänger, finde ich. (Achtung, Spoiler.) Auf den Part mit Sonja, die Hanks Kind austrägt und vor allem deren “Mann” Julian, der das Kleine dann wie sein eigenes großziehen will, hätte ich gut verzichten können. Die beiden Charaktere geben meiner Meinung nach nichts her, Julian ist derart überzogen gestört, dass es eher aufgesetzt wirkt, um dem “mindfuck”-Anspruch der Serie gerecht zu werden. Das hat sie aber gar nicht nötig. Hank und Lew bauen genug Scheiße, um diesen Teil gut zu füllen und Lew ist, obwohl ebenfalls ein ziemlicher Arsch, deutlich sympathischer. Die beste Szene “mit” Julian ist da noch wenn Hank ihn in einem seiner zahllosen genialen Sätze, ganz trocken aber sich des großartigen Witzes sehr wohl bewusst, als “Francis Drake” bezeichnet.

Ab der Hälfte der zweiten Staffel ging es für mein Empfinden wieder deutlich bergauf: Charlie lebt sich mit Daisy wieder voll aus, während die Koksnase Marcy mittels Entzug zu einem Charakter umgebaut wird, der ein klein wenig mehr Ernst und Standhaftigkeit einbringen kann. Ich hätte mir zwar eigentlich wieder mehr Dani gewünscht, aber dennoch gefällt mir die Entwicklung bei den Runkles. Daran, dass die beiden sich bald wieder zusammenraufen, habe ich keinen Zweifel. Sie sind doch schließlich das Ehepaar der Serie. ;)
Die Rückblenden auf Hank und Karens Vergangenheit waren interessant, wenn auch fast ein wenig zu arg mit dem Kitsch-Schwarz-Weiß-Filter bearbeitet. Sowohl während dieser Einblicke als auch in den letzten beiden Folgen wurde für mich besonders deutlich, wer der heimliche Star von “Californication” ist: Becca.
Während um sie herum jeder nur Mist baut und alles in Schutt und Asche geht, bleibt sie cool, sich treu und ist dabei trotzdem regelmäßig für die größten Lacher ganzer Folgen gut. Völlig zutreffend ist da Hanks Satz “At the end of a day it’s all about her”. Ich bin gespannt darauf, wie sich die schüchterne Romanze zwischen ihr und Damien wohl weiter entwickeln wird. Dabei muss dem Ganzen auch gar nicht unbedingt wesentlich mehr Platz als derzeit eingeräumt werden, denn gerade die erfrischende Kürze gefällt mir an diesen “normalen” Teil der Serie gut.
Immerhin, Becca ist nur der heimliche Star und nach wie vor geht’s bitteschön um Sex, Drugs Sex & Rock’n'Roll.

Es ist einerseits traurig, dass mit Lew Ashby der größte Vertreter dieser Lebensart die Serie so schlagartig und unerwartet wieder verlässt wie er sie betreten hatte. Andererseits bleibt so mehr Spielraum für S03 und ich hätte nichts dagegen, wenn dort der Fokus wieder mehr auf Hank, Becca, Karen und den Runkles liegt. Lew war in S02 oft das erfrischendste Mitglied der kleinen Runde, aber langfristig wäre auch er zu abgedreht gewesen – es muss schon was heißen, wenn jemand regelmäßig Hank Moody dazu bringt, einen Gang runter schalten zu wollen.

Einen Vorteil hat es dann aber doch, dass die Serie wieder nur für 12 Episoden anberaumt und nicht verlängert wurde: Ich kenne keine Serie, bei der die Staffelenden so wunderbar harmonisch und schön sind. In die gute Stimmung, die bei der Flucht von der Hochzeit nach S01 oder dem gemeinsamen Flugzeug-Verabschieden nach S02 herrscht, könnte ich mich reinlegen. Große Klasse wie gut die Drehbuchautoren hier mit den ihnen gesetzten Limits umgehen, denn auch ohne Mords-Cliffhanger bin ich heiß auf die nächste Staffel.
Trotz des kleinen Durchhängers bleibt “Californication” eine sehr sehenswerte und überdurchschnittlich gute Serie. :)