Meine Ohren dröhnen immer noch und alle Glieder schmerzen. Das liegt zwar auch daran, dass ich immer älter werde, aber wenn das Racing Team in München gastiert, dann haut das schon ganz besonders rein. Der gestrige Abend war ein furioser Knaller zum Abschluss einer gigantischen Konzertsaison 2008 (endgültig ausgeleitet wird diese allerdings erst nächsten Mittwoch von den “Wise Guys”), die glaube ich sowohl quantitativ als auch qualitativ meine bisherigen “Rekorde” allesamt gebrochen hat. Die Sportis in meiner kleinen Heimatstadt, Linkin Park endlich wieder in Deutschland, ein Doppelpack Dynamite Deluxe, zum wiederholten Male die Ärzte und die fetten Brote und mein erstes Hives-Konzert.. ich darf gar nicht dran denken, was mich all die Tickets dieses Jahr gekostet haben..
Womit wir schon ein wunderbare Überleitung hätten, weshalb das Konzert vom blonden Riesen sich bereits im Vorfeld als etwas Besonderes abgezeichnet hat – diese Tickets haben mich nichts gekostet. An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an Mr. X, du hast mir, meiner Freundin und vielen meiner Freunde eine große Freude gemacht! Es ist schon verdammt cool, am VIP-Eingang nur seinen Namen nennen zu müssen und zwanzig Sekunden später in der Halle zu sein, während draußen noch das übliche Gedränge am Einlassbereich tobt. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen. :D

Leider war die Organisation vor Ort nicht gerade ideal – der Einlass war offiziell für 18:30 angesetzt und auf Nachfrage hieß es, dass man auch per Gästeliste erst Punkt 18:30 reinkommt. Wir haben uns daher auf kurz nach 18:00 dort verabredet und siehe da, schon deutlich vor halb sieben wurden die ersten Leute eingelassen – allerdings wohl in Eigenregie der Securities vorne, denn bis sich der vorgezogene Einlassbeginn auch zu unserer “Schlange” rumgesprochen hatte, war die erste Reihe längst gefüllt. Aber halb so wild, da wir eh so viele waren, und nicht alle zeitgleich eintreffen konnten, haben wir es uns im Wellenbrecher ganzen hinten gemütlich gemacht. Mit Anlehnmöglichkeit und genügend Platz um das Spektakel in Ruhe zu genießen – dachten wir jedenfalls zu diesem Zeitpunkt noch.
Einen früheren Einlassbeginn finde ich prinzipiell gar nicht so schlecht, normalerweise wartet man ja eher noch länger in der Kälte – gestern habe ich persönlich wenig davon profitiert, aber das will ich deshalb nicht ins Negative ziehen. Auch finde ich ganz enorm lobenswert, wie penibel die Securities in der Halle auf das Rauchverbot geachtet haben. Ich würde ja nach wie vor am liebsten bereits den Versuch mit Rausschmiss und Hausverbot bestraft wissen, denn in der Halle braucht’s das einfach nicht und diejenigen, die meinen sie wären zu cool für dieses Minimum an Respekt und dreistündige Abstinenz, sind meistens auch die größten Arschlöcher was andere Verhaltensgrundsätze auf einem Konzert angeht.

Genug davon, denn wie gesagt hat gerade das ja gestern sehr gut geklappt und das FURT-Publikum zeichnet sich nach wie vor durch ein überdurchschnittliches Maß an Freundlichkeit und guter Laune aus. Aber auch die angenehmsten Fans sind machtlos, wenn die Securities den Wellenbrecher nicht schließen. Wofür steht denn dann überhaupt einer da?! Es ist doch logisch – so lange dort offen ist, strömen Leute rein. Würde ich auch tun: Wenn ich noch weiter vorkommen kann, versuch ich das auch. Es ist Aufgabe der Security, dass dort rechtzeitig dicht gemacht wird, denn sonst richtet der Wellenbrecher eher noch Schaden an. Rauskommen gestaltet sich nämlich schwierig, wenn permanent Menschen reindrängen und so wird es immer enger. Sehr unangenehm, wenn man sich eigentlich bewusst für den gewöhnlich vergleichsweise “ruhigen” Standpunkt hinten im Wellenbrecher entscheidet und dann dort nicht einmal mehr hüpfen kann, sondern meistens um Atem ringt und Angst vor einem Wirbelsäulenbruch hat. Ich bin wirklich nicht zart besaitet, aber ich hatte gestern mehrmals für etliche Sekunden lang nicht den Hauch einer Chance irgendwie Gegendruck auszuüben. Und um uns herum wurden auch alle paar Minuten Mädels nach hinten rausgezogen, die sonst zerdrückt worden wären. Das habe ich bei einem “normalen” Konzert an dieser Stelle noch nicht erlebt und finde ich auch nicht gut. Wer in die erste Reihe geht, rechnet mit Druck und weiß worauf er sich einlässt. Aber wenn ein Wellenbrecher da ist, sollte man davon ausgehen können, dass es innerhalb dessen auch noch eine minimale Rückzugsmöglichkeit außer dem sofortigen Rausziehen-Lassen gibt.

Das einmal außer Acht gelassen, war das Konzert gestern einfach der Hammer. Farin hat selbst nach den ersten paar Liedern angekündigt: Weniger Labern, mehr Spielen. Und das hat er durchgezogen, bisher war ich auf keinem FURT oder Ärzte-Konzert, bei dem es so durchgängig zur Sache ging. Mit ziemlich genau zwei Stunden war es zwar verhältnismäßig kurz, aber durch die Intensität nicht weniger gehaltvoll. Und mehr hätte ich auch kaum mehr überlebt, nachdem ich mich zu “Zehn 2″ nochmal mitten ins Getümmel gestürzt hatte. Ich war ja nun doch schon einige Male bei den Ärzten und bei FURT und ich finde es schon ein bisschen bemerkbar, dass Farin sich solo austobt und so energiegeladen wie nie ist. Nicht falsch verstehen, ich gehe nach wie vor gern zu den Ärzten – aber dort kommt es mir ein wenig routinierter vor. Das ist nichts Schlechtes und DÄ haben ein ganz anders Publikum “glücklich” zu machen – FURT taugt für mein Empfinden besser, um mal die Sau raus zu lassen und sich auszutoben. Interessanterweise bin ich erst über Farins erstes Solo-Album so richtig auf den Ärzte-Geschmack gekommen, vorher dominierten ganz andere Bands meine Mediathek. Meine Freundin hat erst seit dem letzten Album akzeptiert, dass die Ärzte mehr tolle Lieder als “Zu Spät” im Angebot haben und sich beim Ärzte-Entdecken schnell als Bela-Fangirl entpuppt. Entsprechend vehement hat sie sich (nachdem ich es mit den Ärzten endlich geschafft hatte) gegen meine vorsichtigen “Hör dir doch auch mal FURT an, das gefällt dir bestimmt”-Versuche zur Wehr gesetzt. Trotzdem fand auch sie gestern sowohl die Atmosphäre als auch die Musik super – war ja nicht anders zu erwarten. :p

11 Songs vom neuen Album in der Setlist, das sind mehr als ich erwartet hatte. Aber mich hat keines davon gestört und bis auf den Frauenflüsterer habe ich auch kein Lied besonders vermisst – eine tolle Auswahl, garniert mit einigen Extras. Bei “Wo ist das Problem?”, das ja schon immer als “Verabschiedung” mit Vorstellung der Bandmitglieder dient, durften die Sängerinnen das Tanzbein schwingen – ein Heidenspaß, als der ganz Saal den Cancan mitge”dadaadadadadadaadaaa”t hat. Leider ist der Videoausschnitt sehr kurz, aber die Stimmung kommt rüber. Das absolut genialste Lied war für mich “Insel”.
Es ist ohnehin mittlerweile zu meinem Liebling vom neuen Album geworden, ich liebe es schon allein wegen der Passagen “.. meine Wünsche wachsen in dem Maß in dem mein Einkommen steigt, so dass das Glück immer gleich unerreichbar bleibt.” und “Warum haben wir nie Geld, mein Kind? – Weil wir nicht im Besitz der Produktionsmittel sind. Und der Mehrwert, den wir schaffen, macht andere reich..”. Ich hatte aber befürchtet, dass es sich live nicht so fantastisch anhören würde wie auf der Platte. Nun, es klang auch anders – aber nicht diese tollen, “gesprochenen” Stellen, sondern der Anfang. Es wurde getrommelt! Zwei Videos sagen mehr als tausend Worte. :) Da war ich wirklich platt – eine absolut geniale Einlage direkt nach der Pause: Der Vorhang geht nochmal nach oben und die Trommelbrigade steht da.

Wie ich zu Beginn schon sagte, dieses Konzert war aus verschiedenen Gründen ein absolutes Highlight: VIP-Zugang, meine Freundin weiß nun endlich FURT zu schätzen, Fabian hatte diesmal auch Zeit – und das Konzert selbst war erste Sahne. Farin hat sich mit seiner Truppe tatsächlich an die Spitze meiner diesjährigen Konzerte gespielt, so viel hatte ich mir gar nicht erwartet.

Wenn ihr irgendwie/-wo die Gelegenheit dazu habt: Geht hin!

Im Anschluss noch die komplette Setlist:

  1. Intro
  2. Nichimgriff
  3. Mehr
  4. Ich gehöre nicht dazu
  5. Am Strand
  6. Glücklich
  7. 1000 Jahre schlechten Sex
  8. I.F.D.G.
  9. Der ziemlich okaye Popsong
  10. Petze
  11. Krieg
  12. Gobi Todic
  13. Klasse
  14. Lieber Staat
  15. Porzellan
  16. Niemals
  17. OK
  18. Die Leiche
  19. Atem
  20. Sonne
  21. Unscharf
  22. Alle dasselbe
  23. Zehn
  24. Karten (danach erste Pause)
  25. Phänomenal egal (nochmal Pause)
  26. Insel
  27. Trotzdem
  28. Unter Wasser (danach letzte Pause)
  29. Wo ist das Problem?
  30. Abschiedslied
  31. Zehn 2