John Moore – USA, 2008

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Achtung! Ich schreibe unverblümt sowohl über Story und Ende der Spiele als auch des Films. Wer daraus etwas noch nicht kennt, sollte das zunächst nachholen. ;)
“Man kann den Film durchaus empfehlen. Zurücklehnen, ein wenig sinnlose Ballerei genießen, nette Szenerien betrachten und keinen übermäßigen Bezug zu den Spielen verlangen.” lautete das Fazit drüben bei Henning und deckte sich damit weitestgehend mit meinen Erwartungen an den Film. Letzten Freitag hatte ich nun endlich Zeit gefunden mir den Film selbst zu Gemüte zu führen und ich muss leider sagen, dass ich trotz heruntergeschraubter Erwartungen noch enttäuscht wurde. Im Wesentlichen liegt das daran, dass die Story wirklich komplett versaut wurde. Angeblich hat Sam Lake, Autor der beiden Spiele, beim Schreiben des Skripts mitgewirkt. Es macht jedoch den nicht Eindruck, als wäre seine Beteiligung über das Korrekturlesen der Charakter-Namen hinausgegangen.

Es beginnt bei Änderungen, die auf den ersten Blick ganz simpel sind: Im Spiel arbeitet er als verdeckter Drogenfahnder, im Film als Bürohengst bei der Abteilung für ungeklärte Fälle. Das allein zeichnet für mich jedoch schon ein völlig anderes Bild von Max Payne – im Spiel der abgebrühte, knallharte Rache-Cop, im Film erstmal die weinerliche Lusche. Die Änderung bringt aber noch ein anderes Problem mit sich: Herr Schmerz arbeitet im Spiel verdeckt und nur sein Freund und Partner Alex Balder kennt seine wahre Identität. Als dieser dann umgebracht steht Max vor dem Problem, dass ihn keiner mehr deckt und muss untertauchen – für mein Empfinden dramatischer als die Ohrfeige von Nelly Furtado und das Verhör durch Ludacris. Ich frage mich vor allem: Warum? Wieso macht man so eine Änderung und handelt sich damit im weiteren Verlauf immer mehr Ärger ein? Um dem Max Payne im Film genügend Dreck am Stecken unterzuschieben, dass er auch ohne die “Keiner kennt mich mehr als Polizist”-Thematik in Bedrängnis kommt wird dann auch noch Lisa zur Schwester von Mona Sax umgedichtet. Mir völlig unbegreiflich – nur damit Olga Kurylenko wieder ihr dümmliches “Hihi, ich schlaf mit dem Produzenten und darum bin ich im Film”-Gesicht präsentieren kann?! Ich hoffe, dass ich die Frau nicht in noch mehr Filmen ertragen muss. Nicht hübsch, nicht sexy, kein Talent.

Zurück zur Story: Warum zum Henker braucht es diese Dämonen?! Das Spiel hat gut ohne funktioniert und der Film hätte es auch. Für jede Dämonen-Sequenz eine “Bullet Time” und der Titel “Max Payne” wäre eventuell sogar gerechtfertigt. Aber gut, die Dämonen sind also Moores Mittel um die Auswirkungen der Droge darzustellen.
Sehr unglaubwürdig fand ich auch, dass Max offenbar das Tattoo gar nicht kannte – erst wird er vom Drogenfahnder zum Aktenordner umgebaut, hat dann aber in seinem kleinen Büro in den letzten drei Jahren die Fotos zum Mordfall Michelle Payne nicht genau genug studiert, um das Tattoo an Natashas Arm sofort zu erkennen?! Lächerlich – aber man brauchte ja einen Grund, um Alex in Max’ Wohnung sterben lassen zu können.

Es gäbe noch viele weitere Details, denn dem Schreiber ist ganz eindeutig nicht mal ansatzweise klar, welche Auswirkungen kleinere Änderungen bereits haben können. Hier fühle ich mich als Spieler irgendwie nicht ernst genommen – die Spiele und deren Story waren ihrerzeit so intensiv und mitnehmend wie ein richtig starker Film. Es war bereits gut und ich finde nicht, dass großartige Änderungen daran für den Film hätten vorgenommen werden müssen. Ich vermute, dass man ein breiteres Publikum erschließen wollte. Leider hat das zur Konsequenz, dass sich mit “Max Payne” nur ein weiterer bestenfalls mittelklassiger Film im Bereich vieler vorangegangener unter- bis mittelklassiger Spieleverfilmungen platziert.
Weder die Fans des “Film noir”-Genre noch des Spiels stellt man mit diesem Werk zufrieden, obwohl das gar nicht so schwer gewesen wäre. Die Story beibehalten, keine Monster dazu erfinden und folglich weniger “künstlerische Drogenrausch-Szenen” von fragwürdiger Ästethik zeigen.
Stattdessen: a) Mehr “Bullet Time”! Ja, übermäßiger Gebrauch wäre lästig gewesen – aber mehr als eine (!) Sequenz hätte es dann schon sein dürfen. b) Konzentrieren auf einen einheitlichen, düsteren Look (es gab einige viel zu helle Szenen für einen ordentlichen “Max Payne”-Film) und im Rahmen dessen mehr auf altertümlichen Krimi als auf modernes Neo-Gothic-Drama trimmen.

Ungewöhnlich plump fand ich außerdem die “Ankündigung” des Nachfolgers in der post-credit scene, aber das liegt eher daran, dass ich nach diesem Teil keine großen Hoffnungen auf einen ordentlichen Nachfolger mehr habe. Mark Wahlberg störte mich übrigens nicht im Geringsten, denn ich mag die meisten seiner Filme und ich würde ihm prinzipiell auch Max Payne abnehmen. Bevor man krampfhaft versucht, ähnlich aussehende Schauspieler zu finden ist es besser sich welche zu suchen, die ihren Job beherrschen. (Leider kann man das auch nicht von allen Darstellern behaupten.)

Fazit: Dafür muss man nicht ins Kino rennen. Wer die Spiele kennt, sollte den Film auf jeden Fall anschauen, und wer die Spiele nicht kennt, sollte sie auf jeden Fall noch spielen. Somit sollte jeder den Film irgendwann anschauen, aber das reicht auch aus der Videothek – bis dahin lieber die Zeit vertreiben, indem man die Spiele noch einmal genießt. Das jedenfalls werde ich jetzt tun. :)