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Ich bin kein Fan von “Kim Wilde”. Ebenso wenig von “Tears for Fears”, “10cc” oder “Robin Gibb” und klassische Musik ist in meiner Sammlung nicht besonders stark vertreten. “Kim Wilde” gegenüber habe ich sogar eher eine leichte Antipathie – ohne besonderen Grund, ich weiß gar nicht mehr genau seit wann und weshalb. Die Bee Gees sind natürlich kultig (mit leichtem Trash-Faktor), aber viel weiter als bis “Stayin’ alive” und “Spicks and Specks” reicht mein Horizont dort auch nicht. “Tears for Fears” und “10cc” kannte ich gerade noch so vom Namen. Und trotzdem war der Abend in der Olympiahalle wirklich große Klasse. Ohne die Einladung von Fabian wäre ich sicher nie auf die Idee gekommen, dorthin zu gehen. Die Kartenpreise (ca. 50 bis 75 €) sind zwar nicht ohne, aber rückblickend würde ich fast sagen, dass es mir das wert gewesen wäre.

Der “Angels in Harlem Gospel Choir” eröffnete den Abend einem Mini-Medley aus “Oh Happy Day” und “Everybody Needs Somebody to Love”. Letzteres ist in der Live-Version von der grandiosen “Definite Collection” der Blues Brothers ganz weit oben in meiner “Most played”-Liste. Ich war also schnell in Stimmung. ;)
Für wunderbar lockere Atmosphäre sorgten insbesondere “Igudesman & Joo” mit Auszügen aus ihrem Programm “A little nightmare music”. Absolut genial, unbedingt die Videos auf ihrer Seite anschauen. Sollten die beiden mal mit einer eigenen Show in der Umgebung sein, werde ich in der ersten Reihe sitzen! :D
In Abwechslung (meistens auch Vermengung) mit dem Gospel-Chor und dem klassischen Orchester wurde das Duo immer zwischen den “großen” Stars eingeschoben, so dass es nie zu langen Pausen kam, sondern stets prompt weiterging. Der erste dieser “großen” Stars war Dennis DeYoung, mir bis dato genau wie seine Band “Styx” nur vom Namen bekannt. War nicht übel, aber hat sich auch nicht eingebrannt. Nachdem dann der Chor wieder einen Song dargeboten hatte, stimmte er noch “Mad World” an. Zum Refrain kam der Frontmann von “Tears for Fears” auf die Bühne und gemeinsam vollendeten sie das Stück. Das war schon nah an der Gänsehaut. Ein toller Song und wunderschön interpretiert – um Längen besser als die Hosen auf ihrer 2004er-Tour. ;)

Mad World

Für tolle Stimmung während des restlichen Auftritts von “Tears for Fears” sorgten die tollen blauen Blinklampen, die Nokia kostenlos verteilt hatte – leider haben wir keine mehr abbekommen. :( Dennoch war dieses dunkle Blau von überall her sehr stimmungsvoll und irgendwie auch schöner als das klassische Feuerzeugmeer. Den letzten Song, “Shout”, habe ich vermutlich schon mal irgendwann im Radio gehört, er kam mir ein kleines bisschen bekannt vor und war auch schön anzuhören. Schön zu beobachten hingegen war, wie richtig alte Menschen voller Begeisterung total aus sich herausgegangen sind. Zwei Reihen vor uns saßen drei Damen, die vom Alter her unsere Großmütter hätten sein können und als sie vor Freude aufgesprungen sind und zu “Tanzen” angefangen haben, hat es einen direkt selbst ein wenig mitgefreut.
Sehr emotionsgeladen war wenig später auch der Gospel-Chor mit “I believe I can fly”, bei dem die ganze Halle, egal ob jung oder alt, den Refrain mitgesungen hat.
“10cc” sind eher an mir vorbeigezogen – sie waren sympathisch, aber musikalisch ist mir nichts im Gedächtnis geblieben. “Kim Wilde” hat da schon eher einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht nur mit ihrer Musik, auch ihr Gesicht machte einen sehr “bleibenden Eindruck”. Schönheits-OP-”verschlimmbessert” also, aber dennoch gut drauf, gab sie “Kids in America”, “You Came” und noch ein paar Songs zum Besten. Doch damit nicht genug: Nachdem ihr eigentlicher Auftritt schon beendet und der Chor wieder an der Reihe war, hüpfte sie nochmal zurück auf die Bühne und lieferte sich mit einem der Chorknaben einen “Rap-Battle”. Inklusive verkehrt herum aufgezogenem Basecap – eine sympathische und lustige Einlage.

Zwischendurch sorgten “Igudesman & Joo” immer wieder für Erheiterung, doch irgendwann gegen 23:00 Uhr herum war es dann soweit: “Einer von den Bee Gees” Robin Gibb kam auf die Bühne und legte mit “How deep is your love?” los.

How deep is your love?

Die Stimmung während seiner Performance war wirklich großartig – die ganze Halle war sofort in seinen Bann gezogen. Ein sehr charismatischer, aber auch vom Leben gezeichneter Mensch. Es war natürlich keine große Überraschung, mit welchem Song er den Höhepunkt des Abends markieren würde, aber seine trockene, selbstironische Einleitung war toll: “And here is a song from THE movie.” :D Ein zeitlos guter Song und auch ohne seine beiden Brüder genial dargeboten: “Stayin’ alive”.
Die Nummer gehört ja auch nicht unbedingt zu den Liedern von denen man glaubt, sie noch einmal live zu hören zu bekommen.

Zum Abschluss spielten alle Beteiligten zusammen “Imagine” und obwohl der Abend über drei Stunden dauerte kam das Ende dann schneller als gedacht. Ich war jedenfalls sehr positiv überrascht von der wirklich tollen Stimmung und könnte mir gut vorstellen, die Veranstaltung in Zukunft regelmäßig zu besuchen. Vielen Dank nochmals für die Einladung!