The Day the Earth Stood Still

Scott Derrickson – USA, 2008

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Himmel, was war ich scharf auf diesen Film, als ich den ersten Teaser angeschaut hatte. Da gab es nicht viel zu sehen, aber die Stimmung war atemberaubend. Der beste Teaser seit den Cloverfield-Trailern. Oha, Cloverfield? Ja, das beste Beispiel für grade noch erträgliche Filme mit herausragenden Trailern der letzten Jahre – die Parallele wurde mir schnell bewusst. Schon der erste Trailer zu TDTESS, in dem für meinen Geschmack deutlich zu viel verraten wurde, zerstörte schnell die Hoffnungen auf einen richtig genialen Überraschungshit. Genug Potential für einen netten Filmabend habe ich als alter Optimist trotzdem noch darin gesehen und wenn schon, dann muss man sich solche “Science Fiction”-Kalauer natürlich im Kino geben. Während der Wartezeit auf den Start fielen mir die nicht unerheblichen Werbemassnahmen auf, die für den Film betrieben wurden. Zusammen mit der Box Office Platzierung auf #1 stimmten diese mich nicht unbedingt zuversichtlicher, was die Qualität des Films anging. Meine Erwartungshaltung war also bei Null angelangt, was aber ja auch manchmal schon für um so schönere Überraschungen gesorgt hat.

Dafür hat es diesmal zwar nicht gereicht, aber enttäuscht wurde ich auch nicht. Ich hatte keine besonderen Erwartungen, da mir das Original aus dem Jahre 1951 nicht bekannt ist und ich versucht habe, mich von den Trailern möglichst wenig beeinflussen zu lassen. Ich mag Keanu Reeves (Ja, ganz wirklich. Kaum zu glauben bei jemandem, der sich AgentSmith nennt, was? ;) ) und stehe auf die düstere und mysteriöse Atmosphäre, die vom Teaser ausgegangen ist. Es hätte weitaus schlimmer kommen können, im Grunde wurde “nur” ein wenig zu viel Endzeitstimmung versprochen und zum Schluss hin zu arg in die kitschige Hollywood-Plattitüde abgedriftet. Es wird nicht wirklich klar, was der Film nun sein möchte: Ein Katastrophenfilm? Dafür ist er zu kurz, die Handlung wird zu schnell abgespult. Es fehlt für eine eindrucksvolle Wirkung in dieser Kategorie einfach die epische Breite. Ja, die Bedrohung kommt rüber und packt einen auch durchaus, aber Armageddon dauert nicht ohne Grund über 45 Minuten länger. Ein “Science Fiction”-Film? Dafür wird den entsprechenden Szenen zu wenig Raum gegeben. Ein mahnendes Werk mit Anspruch? Naja, ich hab ja schon erwähnt: Keanu Reeves spielt mit. :D
Interessanterweise hat die Filmvorlage von 1951 dieses Problem nicht, denn dort ist der Endzeit-Aspekt gar nicht vorhanden. Immerhin muss man dem Remake anrechnen, dass der mahnende Aspekt gut in die heutige Zeit transportiert wurde: Richtete dieser sich damals noch gegen den Kalten Krieg wird heute die globale Erwärmung und die immanente Asozialität der Menschheit aufgegriffen.
Auch hat mir gefallen, dass man zwischendurch immer wieder herzhaft lachen konnte, ohne aber dadurch aus der aufgebauten Spannungshaltung gerissen zu werden.
Auffallend intensiv und dadurch auch störend war das product placement: Angefangen beim LG-Handy, über den besser als in mancher Auto-Werbung in Szene gesetzten Honda Prius, den Microsoft-Surface-Tisch (!) bis hin zu McDonalds.. das kam mir in letzter Zeit selten so plump vor. Die zum Schluss eingesetzte Tränendruse nervt ein wenig, zumal kurz vorher noch Hoffnungen auf ein Ende mit höherem Niveau geschürt wurden – schade, denn der Film hätte mit Leichtigkeit eine Klasse besser sein können.
Es gibt auch einige wirklich herrliche Momente im Film, aber ohne Spoiler komme ich jetzt nicht mehr weiter. Achtung, Spoiler ab hier!
Köstlich, wie die Verteidigungsministerin es als selbstverständlich erachtet, dass ein Außerirdischer die USA kennt. Ebenso böse: Die knapp aufeinanderfolgenden “Macht die Tür auf! Lasst mich raus”-Momente mit sich schnell änderender Rollenverteilung. Die Szene im Haus des Professors an der Tafel ist auch klasse: Obwohl er den Planeten in Bälde vernichtet weiß, korrigiert Klaatu den Tafelanschrieb und der Professor macht mit, staunt kurz über die neue Erkenntnis, zuckt aber ob der Bedrohung nicht einmal mit der Wimper. Generell empfand ich den Teil mit John Cleese als sehr stark – die Leichtigkeit mit welcher er Klaatu vorführt und ihm vor Augen hält, dass sein Vorhaben und Urteilen sehr anmaßend ist, fand ich beeindruckend und die weisen Sätze aus dem Gespräch geben Hoffnung und Zuversicht. Leider hat man es sich danach zu leicht gemacht – der Außerirdische sieht das weinende Kind und ist plötzlich bekehrt? Gna, warum nur?! Da hätte man sich die Sequenz mit Cleese auch schenken können. Spoiler vorbei!

Fazit: Dank Studentenrabatt nut 5,50€ gezahlt – das hat sich allemal gelohnt. Kein Hit und auch kein Film für mein DVD-Regal meine iTunes-Mediathek, aber für einen unterhaltsamen Abend mit netten Effekten auf der großen Leinwand tut TDTESS es allemal. Fasziniert hat mich beim Wikipedia-Recherchieren für diesen Beitrag mal wieder, was ich dabei alles lerne: Die Worte “Klaatu Barada Nikto”, bekannt aus “Small Soldiers”, “Tron” und vor allem “Evil Dead III: Army of Darkness”, entstammen dem Film von 1951.
Außerdem habe ich gestern abend zum ersten Mal von “Monsters Vs. Aliens”, dem nächsten Dreamworks-Animationsfilm, erfahren – der Trailer verspricht großen Spaß! :D
Und ein bisschen schafft dann doch auch die Neuauflage, einen zum Nachdenken anzuregen über die Dummheit der Menschen mit der sie täglich den Planeten und sich selbst kaputt machen.