16.12.2008
The Day the Earth Stood Still (Der Tag, an dem die Erde stillstand)
Scott Derrickson – USA, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Himmel, was war ich scharf auf diesen Film, als ich den ersten Teaser angeschaut hatte. Da gab es nicht viel zu sehen, aber die Stimmung war atemberaubend. Der beste Teaser seit den Cloverfield-Trailern. Oha, Cloverfield? Ja, das beste Beispiel für grade noch erträgliche Filme mit herausragenden Trailern der letzten Jahre – die Parallele wurde mir schnell bewusst. Schon der erste Trailer zu TDTESS, in dem für meinen Geschmack deutlich zu viel verraten wurde, zerstörte schnell die Hoffnungen auf einen richtig genialen Überraschungshit. Genug Potential für einen netten Filmabend habe ich als alter Optimist trotzdem noch darin gesehen und wenn schon, dann muss man sich solche “Science Fiction”-Kalauer natürlich im Kino geben. Während der Wartezeit auf den Start fielen mir die nicht unerheblichen Werbemassnahmen auf, die für den Film betrieben wurden. Zusammen mit der Box Office Platzierung auf #1 stimmten diese mich nicht unbedingt zuversichtlicher, was die Qualität des Films anging. Meine Erwartungshaltung war also bei Null angelangt, was aber ja auch manchmal schon für um so schönere Überraschungen gesorgt hat.
Dafür hat es diesmal zwar nicht gereicht, aber enttäuscht wurde ich auch nicht. Ich hatte keine besonderen Erwartungen, da mir das Original aus dem Jahre 1951 nicht bekannt ist und ich versucht habe, mich von den Trailern möglichst wenig beeinflussen zu lassen. Ich mag Keanu Reeves (Ja, ganz wirklich. Kaum zu glauben bei jemandem, der sich AgentSmith nennt, was?
) und stehe auf die düstere und mysteriöse Atmosphäre, die vom Teaser ausgegangen ist. Es hätte weitaus schlimmer kommen können, im Grunde wurde “nur” ein wenig zu viel Endzeitstimmung versprochen und zum Schluss hin zu arg in die kitschige Hollywood-Plattitüde abgedriftet. Es wird nicht wirklich klar, was der Film nun sein möchte: Ein Katastrophenfilm? Dafür ist er zu kurz, die Handlung wird zu schnell abgespult. Es fehlt für eine eindrucksvolle Wirkung in dieser Kategorie einfach die epische Breite. Ja, die Bedrohung kommt rüber und packt einen auch durchaus, aber Armageddon dauert nicht ohne Grund über 45 Minuten länger. Ein “Science Fiction”-Film? Dafür wird den entsprechenden Szenen zu wenig Raum gegeben. Ein mahnendes Werk mit Anspruch? Naja, ich hab ja schon erwähnt: Keanu Reeves spielt mit. ![]()
Interessanterweise hat die Filmvorlage von 1951 dieses Problem nicht, denn dort ist der Endzeit-Aspekt gar nicht vorhanden. Immerhin muss man dem Remake anrechnen, dass der mahnende Aspekt gut in die heutige Zeit transportiert wurde: Richtete dieser sich damals noch gegen den Kalten Krieg wird heute die globale Erwärmung und die immanente Asozialität der Menschheit aufgegriffen.
Auch hat mir gefallen, dass man zwischendurch immer wieder herzhaft lachen konnte, ohne aber dadurch aus der aufgebauten Spannungshaltung gerissen zu werden.
Auffallend intensiv und dadurch auch störend war das product placement: Angefangen beim LG-Handy, über den besser als in mancher Auto-Werbung in Szene gesetzten Honda Prius, den Microsoft-Surface-Tisch (!) bis hin zu McDonalds.. das kam mir in letzter Zeit selten so plump vor. Die zum Schluss eingesetzte Tränendruse nervt ein wenig, zumal kurz vorher noch Hoffnungen auf ein Ende mit höherem Niveau geschürt wurden – schade, denn der Film hätte mit Leichtigkeit eine Klasse besser sein können.
Es gibt auch einige wirklich herrliche Momente im Film, aber ohne Spoiler komme ich jetzt nicht mehr weiter. Achtung, Spoiler ab hier!
Köstlich, wie die Verteidigungsministerin es als selbstverständlich erachtet, dass ein Außerirdischer die USA kennt. Ebenso böse: Die knapp aufeinanderfolgenden “Macht die Tür auf! Lasst mich raus”-Momente mit sich schnell änderender Rollenverteilung. Die Szene im Haus des Professors an der Tafel ist auch klasse: Obwohl er den Planeten in Bälde vernichtet weiß, korrigiert Klaatu den Tafelanschrieb und der Professor macht mit, staunt kurz über die neue Erkenntnis, zuckt aber ob der Bedrohung nicht einmal mit der Wimper. Generell empfand ich den Teil mit John Cleese als sehr stark – die Leichtigkeit mit welcher er Klaatu vorführt und ihm vor Augen hält, dass sein Vorhaben und Urteilen sehr anmaßend ist, fand ich beeindruckend und die weisen Sätze aus dem Gespräch geben Hoffnung und Zuversicht. Leider hat man es sich danach zu leicht gemacht – der Außerirdische sieht das weinende Kind und ist plötzlich bekehrt? Gna, warum nur?! Da hätte man sich die Sequenz mit Cleese auch schenken können. Spoiler vorbei!
Fazit: Dank Studentenrabatt nut 5,50€ gezahlt – das hat sich allemal gelohnt. Kein Hit und auch kein Film für mein DVD-Regal meine iTunes-Mediathek, aber für einen unterhaltsamen Abend mit netten Effekten auf der großen Leinwand tut TDTESS es allemal. Fasziniert hat mich beim Wikipedia-Recherchieren für diesen Beitrag mal wieder, was ich dabei alles lerne: Die Worte “Klaatu Barada Nikto”, bekannt aus “Small Soldiers”, “Tron” und vor allem “Evil Dead III: Army of Darkness”, entstammen dem Film von 1951.
Außerdem habe ich gestern abend zum ersten Mal von “Monsters Vs. Aliens”, dem nächsten Dreamworks-Animationsfilm, erfahren – der Trailer verspricht großen Spaß! ![]()
Und ein bisschen schafft dann doch auch die Neuauflage, einen zum Nachdenken anzuregen über die Dummheit der Menschen mit der sie täglich den Planeten und sich selbst kaputt machen.


Finde ja gut, dass du zumindest noch nette Worte für den Film findest.
Ich habe ihn mir gestern angesehen und war ziemlich enttäuscht. Für mich war’s auch so ein Licht am Filmhimmel, nach langer Zeit mal wieder was gutes … na ja. Bis es dann soweit war. Bisweilen hat mich Klaato schon an Herrn Neo aus dem ersten Matrixfilm erinnert, aber vermutlich darf sich das der Herr jedes Mal anhören.
Generell stimme ich mit dir überein, ab der Unterhaltungsszene mit dem Mathematiker ging’s massiv abwärts, und so richtig logisch fand ich die Entscheidung so oder so nicht. Ich meine, nur weil ein Kind weint – und dann noch eine Frau dazu etwas aufgesetzt weint (obzwar ich die Connelly nun gerade mal ganz nett finde) – soll die Menschheit jetzt doch das Recht bekommen, die Erde noch ein bisschen länger kaputt zu machen? Ich meine – er sagte doch mehrfach, es wäre kurz vor halb 12 für die Erde und man dürfe einen solchen Planeten nicht verlieren. Wieso riskiert man dann das Vorhaben blauer Planet?
Ach, na und über die heiliges-Amerika-Kampagne möchte ich gar nicht erst anfangen. Vater bei der Armee gestorben, wollte etwas aufbauen, alles klar.
Wenigstens ist der Prius ein Hybrid …
Nachtrag: Milder Hybrid, that is …
Ja, im Grunde war es schon eine Enttäuschung, da ich ja zu Beginn ebenso mal wieder einen richtigen Knaller erwartet hatte. Ich hatte wohl das Glück, meine Erwartungen rechtzeitig weit genug heruntergeschraubt zu haben und gestern in der richtigen Stimmung gewesen zu sein. Filme sind ja doch auch sehr Tagesform-abhängig, finde ich. Alleine und miesgelaunt wäre er bei mir vielleicht noch deutlich schlechter weggekommen.
Die Anleihen an Matrix waren teilweise nicht zu übersehen, das stimmt. Allein die Szene als er “nackt” und “neugeboren” auf dem OP-Tisch liegt.. und als er sich mit seinem Alien-Kollegen im Chinesen-Kostüm trifft, konnte ich nicht anders, als meinem Sitznachbarn zuzuflüstern: “Hey, das Orakel.”
Aber … ich komme immernoch nicht über diesen Jammerplot hinweg: Eigentlich war ja im ganzen Film derb was unlogisch – ich meine, wenn er kam, um die Menschen zu vernichten, wieso hat er den Roboter am Anfang dann aufgehalten? Möglicherweise um die Tiere zu retten – aber was ist dann mit den Pflanzen? So wie’s aussah, hatten diese kleinen, schwarzen Viecher ja nicht unbedingt das Bestreben, groß zwischen organisch und anorganisch zu unterscheiden (LKW, LKW-Fahrer …), andererseits ja aber doch, denn die Erde selbst haben sie ja nicht aufgegessen, und die Bunkerwände auch nicht, und eigentlich den Großteil von D.C. nicht, Footballstadien und Brücken ausgenommen – ich kann mir so oder so nicht wirklich vorstellen, dass die Auslöschung jedes organischen Lebens irgendwie hilfreich für die Genesung des Ökosystems eines Planeten ist.
NA JA.
Ein bissel verwundert war ich aber schon, dass die hollywoodtypische Romanze fehlte. Ist ja eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass mindestens für zwei Minuten eine Liebesgeschichte existiert. (Sogar bei Rambo 2.)
Als nächstes steht Watchmen auf dem Plan. Da verspricht wenigstens nicht mal der Trailer was.
Hm, gute Frage. Das mit dem Roboter am Anfang würde ich mir so erklären, dass die “Arche Noah”-Kugeln erst nach seiner Ankunft durch seine Aktivierung über die Kugel an dem See im Wald “befüllt” wurden, so dass die Zerstörung nicht unmittelbar losgehen konnte. Was aber auch nur sinnvoll wäre, wenn der lustige Metall-Käfer-Schwarm, wie du sagtest, keine Unterscheidung vornehmen würde – was aber in der Tat fragwürdig wäre.
Das mit der Romanze war mir gar nicht aufgefallen, aber das hätte ja nun wirklich gerade noch gefehlt. Ein Abschiedskuss, bevor er die Welt retten geht. *grusel* Aber ich schrieb ja auch, dass es noch schlimmer hätte kommen können.
Uhoh, das verheisst ja nichts Gutes. Ich habe das Original vor einigen Jahren gesehen und war davon sehr angetan und als ich erfuhr, dass ein Remake mit Keanue Reeves ansteht, bin ich vor Vorfreude durch die Gegend gehüpft. Ich habe mir letzte Woche extra noch mal das Original angeschaut um einen direkten Vergleich zu haben, wenn ich denn ins Kino wackle (wenn der Film mal in English gezeigt werden würde!). Was ich bisher an Rezensionen gelesen habe, nimmt mir allerdings jegliche Hoffnung auf einen tollen Kinoabend.
Trotzdem, toll und interessant geschrieben, Agent Smith!
Danke, Danke..
Auch für die Erinnerung ans Original, das werde ich mir wirklich auch noch ansehen müssen. Klingt nach der eindeutig besseren Verfilmung der Vorlage.