25.01.2009
Pride and Glory (Das Gesetz der Ehre)
Gavin O’Connor – USA, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon (UK Import)
Eigentlich wollten wir ja “Transporter 3″ anschauen, aber aus mir unerklärlichen Gründen scheint es aktuell in München nicht möglich zu sein, diesen Streifen (legal und im Kino) im Originalton zu sehen. Im “Cinema” ist er offenbar gar nicht im Programm und auch im O-Ton-Angebot der großen Kinos findet sich nirgends etwas. Als ich auf der “Cinema”-Seite danach suchte, hab ich dann eher beiläufig und weil er zum idealen “time slot” im Spielplan stand auf “Pride and Glory” geklickt. Überrascht davon, dass ich von diesem Film mit Edward Norton und Colin Farrell, die ich beide sehr schätze, noch überhaupt gar nichts mitbekommen hatte, schaute ich mir den Trailer (bis zur Hälfte, ich geh da mittlerweile kein Spoiler-Risiko mehr ein..) an, war sehr angetan und so ging es dann am Donnerstag eben in diesen Film statt zu Statham. Wir wurden zwar ein bisschen überrascht, aber keineswegs enttäuscht.
Als ich nach dem Film dann ein wenig zu seinen Hintergründen gelesen habe, wunderte mich noch mehr, dass mir bis vor drei Tagen nichtmal der Titel bekannt war. Schon Anfang 2006 begann die Produktion, nachdem bereits seit 2000 das Skript fertig war und es durch verschiedenste Umstände immer wieder zu Verzögerungen kam. Zwischenzeitlich waren Mark Wahlberg und Hugh Jackman für die Hauptrollen vorgesehen, aber nach 9/11 wurde das Projekt lange auf Eis gelegt. Aber auch nachdem dann die Dreharbeiten und Post-Production beendet waren und der Film eigentlich schon für Mai 2008 angesetzt war (und in den Staaten der Trailer u.a. vor “American Gangster” und “No country for old men” gezeigt wurde) war der Zirkus noch nicht vorbei. New Line Cinema hat plötzlich verkündet, den Film auf 2009 zu verschieben – angeblich wegen der anderen Projekte von Norton (“The Incredible Hulk”) und Farrell (“In Bruges”). Der Regisseur hingegen war der Meinung, dass der Chef von New Line nicht an den Film glauben würde und dachte im Zorn gar über einen Wechsel des Verleihers nach. Auch die Darsteller waren von der Situation nicht unbedingt begeistert, letztendlich kam der Film dann aber doch “schon” im Oktober 2008 in den USA in die Kinos. Also eigentlich hätte es in den letzten Jahren genug Möglichkeiten geben müssen, irgendwann mal ein paar Information zu dem Film aufzuschnappen. Aber komplett unvorbereitet in einen Film gehen ist ja auch was Feines.
Gerechnet hatte ich anhand von Poster, Besetzung und dem halben Trailer mit einem nicht allzu dumpfen Action-/Polizeidrama und einer kräftigen Portion Pathos. Gewissermaßen eine Mischung aus “The Recruit” (Paaathos, da spielt nämlich Al Pacino mit :mrgreen: ) und “S.W.A.T.” (dumpfe Action, aber nicht zu dumpf) mit ein wenig Anspruch, weil ja Edward Norton (“American History X”, “Fight Club”, “25th Hour”, ..) dabei ist. ![]()
Der Film war letztendlich deutlich weniger actionlastig als ich dachte, dafür aber trotzdem sehr brutal und voller Anspannung, und eben auch Anspruch – mehr als erwartet. Ich möchte nicht zu viel über die Story sagen und versuche mal, den wesentlichen Rahmen in einem Satz zusammenzufassen: In Folge eines brutalen Zwischenfalls muss sich eine große Familie aus Polizisten – Vater (Jon Voight) war Polizist, seine beiden Söhne (u.a. Edward Norton) und sein Schwiegersohn (Collin Farrell) sind alle bei derselben Polizeidienststelle – ihren Problemen stellen, sowohl ein jeder seinen einzelnen Problemen als auch den Schwierigkeiten innerhalb der Familienstruktur insgesamt, wodurch es zu großen Spannungen kommt. Selbstverständlich nicht ohne ein dramatisches Finale, welches mich sowohl überrascht als auch schockiert hat – der Kloß im Hals war so schwer, dass das Aufstehen aus dem Kinosessel während des Abspanns schwer fiel und ich immer noch dabei war, das Gesehene zu verarbeiten.
Es ist hauptsächlich dem fantastischen Spiel von Norton und Farrell zu verdanken, dass der Film in dieser Intensität auf einen wirken kann. Es spielen aber auch alle übrigen Darsteller überdurchschnittlich gut und glaubwürdig. Die Story ist kein Geniestreich und auch nicht unbedingt etwas Neues, wird aber so gut erzählt und entwickelt, dass das überhaupt nichts ausmacht. Kamera und Regie haben ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet, ich denke, Gavin O’Connor hatte stets sehr genaue Vorstellungen davon, wie der Film auszusehen habe. Interessant fand ich die Aussage von Declan Quinn, seines Zeichens cinematography-Zuständiger des Films: “The biggest challenge is going to be to try to find a fresh way to do a police drama where it feels real and not like something we’ve seen a hundred times before.”
Ich habe vermutlich zu wenig schlechte und ausgelutschte Polizeidramen gesehen, da ich wie gesagt nicht unbedingt sagen würde, dass der Film irgendetwas “neu” oder “anders” macht. Zweifelsohne ist es dem Team gelungen, dass sich der Film bedrückend “real” anfühlt – auch mit dem durchaus vorhandenen Pathos hatte ich nie das Gefühl, dass irgendetwas zu stark übertrieben würde oder gekünstelt wirkte. Das ist auch ein weiterer Aspekt, der “Pride and Glory” derart grausam erscheinen lässt: Er ist kompromisslos und brutal, es tun sich Abgründe auf, in die man nicht blicken möchte – aber sie sind glaubwürdig; es ist nicht so, dass man im Hinterkopf denkt, dass sowas ohnehin nur im Film passieren würde.
Fälle wie der von Sean Bell oder dem jungen Schwarzen, dessen Tod jüngst zu schweren Krawallen geführt hat, lassen mich keine Sekunde daran zweifeln, dass diese Abgründe da sind. Keineswegs sollen deshalb sämtliche Polizisten über einen Kamm geschoren werden, aber das versteht sich hoffentlich von selbst und der Film begeht diesen Fehler auch nicht, sondern zeigt wunderbar, wie schwierig die Grenzen von “gut” und “böse” zu definieren sind.
“Pride and Glory” ist definitiv ein sehr sehenswerter Film, gerade wenn man Colin Farell und/oder Edward Norton mag. Das übliche Gejammer zum Schluss: Wer zum !%$&%/ftf%”§ Henker hat sich diesen katastrophal “übersetzten” Titel einfallen lassen? Warum muss aus “Pride and Glory” bitteschön “Das Gesetz der Ehre” werden? Was ist an “Stolz und Ehre” verkehrt? Wie kann man sich erdreisten den Aspekt “Stolz” aus dem Titel zu nehmen? Da könnt ich zum Rumpelstilzchen werden. Aber zum Ausgleich für mein permanentes Geflame muss ich auch ehrlicherweise erwähnen, was im Bezug auf die Synchronisations-/Originalton-Thematik bei diesem Kinobesuch anders als sonst war: Während der ersten fünfzehn Minuten habe ich wirklich angefangen, an meinen Englischkenntnissen, meinen Ohren und meiner Konzentrationsfähigkeit zu zweifeln. Was dort für ein übelster Slang genuschelt wurde, war wirklich nicht mehr feierlich und hat selbst mich ungewöhnlich viel Zeit gekostet, bis ich darauf eingestellt war. Zum Glück war ich mit diesem Problem nicht alleine, wie ich nach Filmende erfahren durfte.


OK, ich traue mich wenn es auch nicht meine Absicht ist. Ich Suche eigentlich (nachdem ich gerade aus Zufall die deutsche Fassung gesehen habe) ein wenig Hintergrundinformation. Scheinbar war dieser Film nicht von der üblichen “Leichte Kost” Art die man gleich wieder weg legt oder vergisst.
Meine Meinung zu deinem Artikel: Saubere Darstellung der Handlung und gute Zusammenfassung: Kompliment.
Mir fällt bei Phatos nur ein das es wohl keinen US-Streifen mit neuzeitlichem Handlungsschema seit dem 9/11 mehr gibt in dem dieser nicht in irgend einer Form enthalten sein muß. Schade das die Filmemacher und Studios sich auf diese Schiene zwingen (oder machen die das bewußt?).
Zur Story möchte ich sagen das mir am besten (wenn das überhaupt der richtige Ausdruck ist) Voigt gefallen hat. Als Kontrast zu Norton wurde der Konflikt in der diese beiden Charaktere stecken deutlich bewußt. Wie gestört muß eine Familie sein in der die Zustände herrschen?
Gefehlt hat mir (und vielleicht wäre es als versönlicherer Abschluß für den Zuschauer angenehmer gewsen) das gute am Ende in der die Lehre aus den ereignissen Früchte trägt oder so etwas. Glücklich ist keiner zum Schluß und der Zuschauer zudem auch noch mit vielen Fragen und gedanken allein gelassen.
In der Annahme das ein Funken Wahrheit in jeder Geschichte steck und angesichts der Probleme beim Verleiher, glaube ich das einige Leute den Streifen als zu einseitig enfunden haben werden. Wäre mal interessant gewesen zu Erfahren wir er in de US-Kinos angekommen ist. Würde mich nicht wundern wen der eine oder andere Zuschauer in den USA auf die Idee gekommen ist sich seine Polizei in seiner Gegend etwas mehr aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich bin gerade frisch aus den Staaten zurück und mußte feststellen das mir diese in den 90er jahren entspannter vorkammen. Als kleinen Anektdote möchte ich anfügen das mir die oberflächlich freundlichen aber auf irgend eine Art auch Paranoiden Grenzkontrollbeamten ein wenig zu Denken gegeben haben bei der Einreise. Scheinbar gilt in den Statten derzeit die Annahme das jeder erstmal verdächtig ist bis Er/Sie etwas anderes belegen kann. Sollte (und Gott bewahre) jemals wieder etwas derartiges wie am 11. September dort passieren weiss ich nicht wie die Amerikaner das verbacken wollen. Jetzt schweifen ich aber ab.
Mein Resume zum Film: Er macht nachdenklich und auch ein wenig Angst über unsere/deren Kultur und Ihre Werte. Jetzt mag der eine oder andern sicherlich anmerken “das ist doch nur Hollywood!” mir gefällt das aber so nicht.
N8,
J.