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Als ich den Entwurf zu diesem Eintrag begonnen hatte, war er noch mit “Pushing Daisies, Season 1″ überschrieben. Leider wurde kurz danach bekannt, dass die Serie schon nach den 13 Folgen, die zunächst für Staffel 2 bestellt worden waren, eingestellt wird. Also hab ich mir gedacht: “Gut, der Artikel kommt vorerst nochmal auf Halde und ich schreibe ihn dann nach dem Finale zu Ende.”
Tja, das würde wohl noch eine ganze Weile länger dauern als gedacht, denn ABC leistet beim Zuschauer-Verarschen mal wieder ganze Arbeit:
Nach der Absetzung von “Pushing Daisies” durch ABC gab es lange Gerüchte darüber, ob die Serie ein rundes Ende erhalten wird. Bryan Fuller überarbeitete sogar noch die letzte Episode in der Nachbearbeitung, um ein halbwegs rundes Ende für die Fans der Serie zu schaffen. Am Mittwoch dieser Woche nun sollten eigentlich die finalen drei Episoden der Serie bei ABC zu sehen sein, doch das Network änderte im letzten Moment den Programmplan und strich “Pushing Daisies”.

Selbst Serienmacher Bryan Fuller war über die Entscheidung überrascht. Amerikanische Medien spekulieren nun darüber, dass ABC die drei letzten Episoden von “Pushing Daisies” womöglich gar nicht mehr ausstrahlen wird. Möglicherweise wird ABC die fehlenden Episoden nur in der DVD Box zur zweiten Season veröffentlichen, um so mehr Menschen zum Kauf der DVD Box zu bewegen, womit man mehr Umsätze machen könnte. 1

Da soll man keine Aggressionen bekommen – aber gut, wäre das US-Network-System anders gestrickt, bekämen Serien wie “Pushing Daisies” vielleicht gar keine Chance. Das wäre bedauerlich, denn “Pushing Daisies” war zwar vielleicht nicht so hochwertig wie etwa “Desperate Housewives” aber dafür mal was anderes und auf eine ganz eigene Art unheimlich sympathisch. Und obwohl ich fand, dass die Qualität im Vergleich zum Beginn ein wenig nachgelassen hat, ist die Absetzung völlig übertrieben.

Aber genug getrauert und geschimpft, nun erstmal eine kurze Inhaltsbeschreibung für alle, die gar nicht wissen, worum es in dieser Serie ging. Ned, ein Kuchenbäcker, hat eine besondere Fähigkeit: Berührt er einen Toten, erwacht dieser wieder zum Leben. Wenn er ihn nochmal berührt, “stirbt” dieser wieder, dann aber endgültig. Sollte Ned aber einen Toten berühren und somit aufwecken und dann nicht innerhalb von 60 Sekunden wieder zu den Toten zurückschicken, wird das durch einen anderen Todesfall automatisch ausgeglichen. Diese Zusammenhänge musste er auf tragischem Weg lernen: Seine Mutter fällt plötzlich tot um, erwacht aber wieder zum Leben als er sie berührt. 60 Sekunden später stirbt zum Ausgleich der Vater seiner Jugendfreundin Charlotte während er im Nachbarsgarten gegenüber den Rasen mäht. Am Abend dieses aufwühlenden Tages gibt Neds Mutter ihm einen Gute-Nacht-Kuss und fällt – zweite Berührung – tot um, endgültig.
Nachdem Ned über die kommenden Jahre dann genau erforscht, wie seine “Gabe” funktioniert, macht er sie sich auf verschiedene Weisen zu Nutze: In seiner Bäckerei lagert er massenhaft vergammeltes Obst, da er es durch eine Berührung direkt vorm Backen ja wieder frisch und “lebendig” zaubern kann. In größerem Stil profitiert er zusammen mit seinem Partner, dem Privatdetektiv Emerson, davon, der eines Tages zufällig Neds Begabung beobachtete. Seitdem greifen die Beiden stets Belohnungen zur Ergreifung von Mördern ab, indem Ned die Opfer erweckt, nach den Umständen ihres Todes fragt und sie dann wieder “Schlafen” schickt.
Eines Tages jedoch ist das Opfer jemand, mit dem Ned nicht gerechnet hatte: Charlotte, von der er nach dem Tod seiner Mutter und ihres Vaters getrennt wurde, liegt im Sarg. Natürlich bringt er es nicht übers Herz, auch sie ein zweites Mal zu berühren, so dass aus dem Duo fortan ein Trio wird und zwischen Ned und Charlotte eine unheimlich süße Liebesbeziehung entsteht/wieder aufflammt. Die beiden dürfen sich schließlich nicht berühren, also werden sie kreativ: küssen sich mit dazwischen gespannter Klarsichtfolie und Ähnliches.

Liebenswert ist “Pushing Daisies” vor allem wegen dieser ungewöhnlichen und dadurch umso romantischeren Beziehung, aber auch wegen Emersons permanenten, genervten Sprüche. Ihm gefällt nämlich anfangs so gar nicht, dass Charlotte in seine lukrative “Freundschaft” mit Ned reinpfuscht. Auch die Bedienung in Neds Bäckerei ist über den Neuankömmling nicht sehr begeistert, ist sie doch schon seit ewigen Zeiten heimlich in Ned verliebt. Trotzdem müssen die Vier sich arrangieren, was meistens sehr amüsant zu beobachten ist. Die Storylines sind immer um einen aufzuklärenden Todesfall herum angelegt und unglaublich absurd – es wirkt oft wie ein “Tim Burton”-Film in Serienform. ;)

Gestört hat mich allerdings sehr, dass in den ersten paar Minuten jeder einzelnen Folge nochmal haarfein erklärt wurde, worum es in der Serie allgemein geht und wie es zu dem Ganzen gekommen ist. Klar, ein kleiner Rückblick ist bei den meisten Serien vorneweg, aber die derart ausführlich und aufdringlich ausgeprägte “Einsteigerfreundlichkeit” in jeder Folge ging mir mit der Zeit schon ziemlich auf die Nerven.

Trotzdem neben “Eli Stone” und “Californication” eine der erfreulichsten und erfrischendsten neuen Serien aus dem Jahre 2007. Sehr bedauerlich, dass nur “Californication” das harte US-Network-Geschäft überlebt hat.


Footnotes:
  1. http://www.serienfans.tv/forum/showthread.php?t=58721