Thumbsucker

Mike Mills – USA, 2005

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Der letzte Film, den ich mir 2008 noch angeschaut habe. Nachdem “Burn After Reading” mit Tilda Swinton und “The Day the Earth Stood Still” mit Keanu Reeves ja eher enttäuschten, sind die beiden hier in einem guten Film aus dem Jahr 2005 zusammen zu sehen. “Thumbsucker” thematisiert Daumenlutschen über das “natürliche” Alter hinaus, aber nur auf den ersten Blick.

Im Grunde versteckt sich darunter eine mehr oder weniger gewöhnliche Geschichte vom Erwachsenwerden. Schön erzählt und von allen Beteiligten gut gespielt erfährt man im Film vom Werdegang des siebzehnjährigen Justin, der seine Probleme durch Daumenlutschen zu kompensieren versucht, und dessen Familie.

Man sieht dem Film oft an, dass der Regisseur Mike Mills zuvor “nur” Werbespots und Musikvideos gemacht hatte, was aber nicht negativ gemeint ist, eher im Gegenteil. Auffallend ist, wie gut das Zusammenspiel von Hintergrundmusik und den dazu laufenden Bildern funktioniert. Diese Bilder erinnern was Tempo und Farbtemperatur angeht auch oft an Ausschnitte aus Werbeclips. Mills versteht es aber ganz hervorragend, die Wirkung solcher Bilder in einen “normalen” Film einzubinden – es wirkt niemals deplatziert oder befremdlich. Jedenfalls nicht wegen der Bilder – der Film selbst ist insgesamt vergleichsweise unkonventionell was die Story angeht und wirkt auch durch die Charaktere oft ein wenig bizarr. Mir hat das aber gut gefallen und mein Interesse und Mitfühlen verstärkt.

Der Hauptdarsteller hat für seine Darstellung des daumenlutschenden Justin einige Preise gewonnen, und das nicht zu Unrecht. Tilda Swinton liegt die Rolle als Nervenbündel in Form einer Stress-geplagten Mutter wunderbar und Vincent D’Onofrio, der den Vater des Jungen spielt, zeigt gegen Ende des Films, für mich fast überraschend, dass auch er mehr als eine Nebenrolle sein will und kann. Vince Vaughn als Lehrer an Justins Schule beweist überdies, dass er mehr als der Klamauk-Champion ist, als den man ihn sonst kennt. Rebecca, Justins “Freundin”, sollte übrigens ursprünglich von Scarlett Johansson dargestellt werden, aber mit Kelli Garner wurde ein ebenbürtiger Ersatz gefunden: sie hat die Rolle als sexy-sündige Unschuld in Person genauso gut drauf. ;)

Alles in allem ein sehr sehenswerter und trotz der unbestreitbar vorhandenen Eigenartigkeit sehr liebenswerter Film.
Eine etwas verärgerte Randnotiz, die mit dem Film selbst weniger zu tun hat: Es gibt ihn auf DVD in der “Special Edition” und “normal”. Die “Special Edition”, die mir hier vorliegt, enthält: Ein zwanzigminütiges “Making of” und ein vierzigminütiges Interview mit Mills und dem Autor der Buchvorlage. Beides ist ohne Frage sehenswert, aber als die DVD noch ein junges Medium war, gehörte so etwas zur Standardausstattung. Die Bezeichnung “Special Edition” und einen fast doppelt so hohen Preis rechtfertigt dieses Material auch zusammen mit der (umständlichen) Aufklapp-Papp-Box nicht. Aber von der Content-Mafia ist man ja nichts anderes mehr gewohnt..