In Bruges

Martin McDonagh – UK/USA, 2008

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Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch darüber gejammert, dass es so wenig gute, neue Filme gibt. In den letzten Monaten allerdings kann ich mich davor kaum retten, jedenfalls vor Filmen, die ich wirklich unbedingt sehen möchte; ob sie tatsächlich gut sind, weiß ich ja vorher nicht. ;)
“In Bruges” gehört auch zu jenen Filmen, schon vor einem Jahr hab ich zum ersten Mal davon erfahren und war direkt Feuer und Flamme. Die Kombination aus britisch-unkonventionellem Humor, schräger Story und Colin Farrell fand ich sehr vielversprechend. Wie so oft habe ich es im Mai aber dann leider nicht ins Kino geschafft und auch für die DVD habe ich erst gestern, Monate nach ihrem Erscheinen, endlich Zeit gefunden. Mein Instinkt war vollkommen richtig, “In Bruges” hat mir hervorragend gefallen, ganz besonders Colin Farrell. Ich werde ein paar ältere Filme noch einmal ansehen müssen, aber ich glaube, dass ich diese Rolle als seine bislang beste Leistung einstufen würde.
Ist die Geschichte des Films im Grunde eher ernst und tragisch, so bietet “In Bruges” doch auch reihenweise Gelegenheiten herzhaft zu Lachen und ist dabei auf seine ganz eigene Art sehr erfrischend.

Worum geht es? Ray (Colin Farrell) und Ken, zwei Auftragskiller, müssen nach einem verpatzten Job untertauchen. Ihr leicht geisteskranker Gangster-Boss schickt sie zu diesem Zweck nach Brügge, was Ray gar nicht in den Kram passt. Der Patzer ist ihm unterlaufen und deshalb gibt es schon genug, an dem er zu knabbern hat, aber dass er nun im schlimmsten Fall ganze zwei Wochen in Brügge, das er selbst fortlaufend als “shithole” bezeichnet, “eingesperrt” werden soll, gibt ihm den Rest. In einem winzig kleinen Zimmer, das wegen der Weihnachtsaison das einzig kurzfristig verfügbare war, mit seinem Kollegen Ken zusammengepfercht in diesem Touristenmoloch, darauf hat er keine Lust. Doch das ist bei weitem nicht das größte Problem, dem er in Brügge noch begegnen sollte.
Diese abgrundtiefe Angewidertheit und den Hass gegenüber seinem erzwungenen Kurzurlaub bringt Farrell so glaubwürdig rüber, dass man meinen könnte, er selbst verteufle die Stadt tatsächlich mit Leib und Seele. Es ist zum Schreien komisch, wie er fette amerikanische Touristen voller verachtender Gleichgültigkeit beleidigt und im nächsten Moment das Unschuldslamm spielt, wenn der gerade kurz abwesende Ken ihn fragt, warum die dicken Amerikaner so unfreundlich zu ihm sind.
Interessant wird der Aufenthalt für Ray erst, als er feststellt, dass in Brügge gerade ein Film mit einem minderwüchsigen Darsteller gedreht wird – einerseits, weil ihn das auf eine seltsame Art und Weise fasziniert/beschäftigt, andererseits weil er sofort ein Auge auf die Produktionsassistentin Chloë wirft. Einen Flirt später haben die beiden auch schon ein Date vereinbart, das aber einen ebenso ungewöhnlichen Verlauf nimmt, wie der Film es insgesamt tut.

Wie schon gesagt, hat Ray einen Job vermasselt und tut sich schwer, das zu verarbeiten. Entsprechend dünnhäutig und reizbar ist er auch, genauso wie er sich kein Blatt vor den Mund nimmt, da ihm ohnehin “alles egal” ist. So etwas gefällt mir immer sehr gut, wenn jemand einfach sagt was er denkt, bzw. was Sache ist. Ein Beispiel: Als er zufällig den minderwüchsigen Darsteller über einen Platz laufen sieht, winkt er ihm freudig und voller Sympathie zu, doch dieser reagiert nicht. Nun, es ist ein Filmstar und bestimmt hatte er es eilig oder er hat mich gar nicht gesehen, würde man sich nun einreden; schließlich besagt die Moral ja, dass es ein Minderwüchsiger schon schwer genug hat. Rays Reaktion ist vielleicht nicht politisch korrekt, aber dafür ehrlich: Verletzt (!) und zurückgestoßen murmelt er “Little fuckin’ cunt..” in sich hinein.

Zum letzten Teil und Ende des Films noch zwei Punkte: Zum Einen war es das erste Mal, dass ich Ralph Fiennes, der den Gangster-Boss verkörpert, seit seiner Rolle in “Red Dragon” nicht unendlich gruselig gefunden habe. Auch wenn es nicht viele Filme sind, die ich sonst mit ihm gesehen habe, aber die Assoziation des total wahnsinnigen Psychokillers habe ich nicht mehr wegbekommen. Hier hat das gut geklappt, vermutlich weil sein Charakter auf einer andere Art und Weise – aber ähnlich extrem – gestört ist. Zum Anderen wird es kurz vor Schluss für einen Moment arg unrealistisch – normalerweise würde ich mich an sowas stören, aber irgendwie wirkt es im Kontext des Films gar nicht mehr so stark, andererseits ist der Film insgesamt so hochkarätig, dass dieses Detail ihm auch keinen Abbruch tut.

Daher: Anschauen, und sich von einem großartigen Colin Farrell zum Lachen bringen lassen, am Besten natürlich im Originalton. Wegen Filmen wie diesem muss man das britische Englisch einfach lieben. :)