Revolutionary Road

Sam Mendes – USA, 2008

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Obwohl ich an allen Ecken und Enden nur Positives über den Film gehört hatte und auch seit dem Trailer sicher war, ihn mir ansehen zu wollen, hätte ich nicht damit gerechnet, dass er so gut sein würde. Ich habe mir einen mindestens soliden Film erwartet, da mich Leonardo DiCaprio in der Hinsicht noch nie enttäuscht hat, außerdem verhieß es natürlich spannend zu sein, das Titanic-Traumpaar mal wieder gemeinsam vor der Kamera zu sehen. Da ich mich bis auf den Trailer vor einigen Wochen sonst nicht mit dem Film befasst hatte, war allerdings eines nicht in meinem Kopf präsent: Hinter der Kamera stand Sam Mendes, der Mann hinter American Beauty, und da ist es im Nachhinein wenig verwunderlich, wie gut der Film geworden ist. Endlich gesehen habe ich ihn nun am Dienstagabend im kleinen, aber feinen “Museum Lichtspiele”.

Es gibt wenig zur Geschichte zu sagen: der Film erzählt die Probleme eines jungen, motivierten Ehepaars mit dem Leben in der Vorstadt und klassischen Rollenbildern der USA in den 60er Jahren. Die beiden finden sich eher zufällig und sind voneinander fasziniert, aber die Realität holt ihre Träume schneller ein als ihnen bewusst ist. Aus der fröhlich-verliebten Beziehung wird eine verbitterte Ehe und obwohl das mit der Zeit beiden bewusst wird, scheinen sie auch trotz aller Bemühungen nichts an ihrem Schicksal ändern zu können. Die zentrale Frage hierbei: Hat man sein Schicksal nicht selbst in der Hand? Wie viel ist man bereit zu geben und zu riskieren, um sein eigenes Glück zu schmieden?
Das traurige und sehr schmerzhafte daran ist, dass die beiden sich wirklich lieben. Keiner will den anderen verletzen, leiden lassen oder sehen, doch findet keiner einen Weg, die Bedürfnisse des anderen gleichsam mit den eigenen zu befriedigen. Wenn überhaupt, gelingt es nur kurzfristig, vor der Wirklichkeit zu fliehen und mit jedes Mal, wenn ihre wieder erblühte Euphorie und Verliebtheit aufs Neue von diesen dunklen Schatten eingeholt wird, werden die Streits und Schuldzuweisungen schlimmer. Beide fühlen sich unverstanden und missachtet, beide handeln von ihrem Standpunkt aus “richtig”, tun alles um für die Familie da zu sein. Wieso nur ist der Partner also so unglücklich und unzufrieden, ich gebe doch mein Bestes?
Zu dieser Frage und Problematik habe ich, leider, auch einen starken persönlichen Bezug und sicherlich haben der Film und dessen akkurate Exposition dieser zum Scheitern verurteilten Liebe mich auch deshalb bis ins Mark getroffen. Kate Winslet und Leonardo DiCaprio spielen ihre Rollen absolut grandios: in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug kann man nachfühlen, wie es den Charakteren geht und was sie antreibt/bewegt und die Intensität der Beziehung ist greifbar. Den Schmerz, den sie sich zufügen, spürt man in der eigenen Magengrube und im ersten Moment würde man am liebsten aufspringen, die beiden packen und kräftig durchschütteln. Aber dann sieht man die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens – es ist wie mit einer Sucht: Wenn man selbst nicht den Willen und vor allem die Einsicht hat, wird man sie nicht bezwingen können. So ist es ironischerweise auch ausgerechnet der in psychiatrischer Behandlung befindliche Sohn des befreundeten Vermieter-Ehepaares, der den beiden unverblümt an den Kopf wirft, was sie sich selbst nicht zu sagen in der Lage sind. Eine geniale Szene, und Michael Shannon ist zu Recht für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

Wer American Beauty gesehen hat, weiß über die Fähigkeiten von Sam Mendes Bescheid und auch in “Revolutionary Road” zeigt er sein Können. Der Film zeigt das Geschehen auf eine sehr emotionslose und kühle Art und Weise, er ist still und lässt dadurch den Darstellern mehr Raum. Gleichzeitig spiegeln die ruhigen und sterilen Bilder die vor lauter Schein und Trug permanent angespannte Vorstadt-Atmosphäre, die das Paar ins Unglück stürzt, wunderbar wieder. Die melancholische Musik sorgt dabei für einen nahezu dauerhaften Kloß im Hals, insgesamt ist der Streifen in seiner Gesamtkomposition so stimmig wie schon lange zuvor keiner mehr.

In den Kritiken zu dem Film habe ich ein Statement sehr interessant gefunden: “Finally, this is a movie that can and should be seen more than once. Watch it one time through her eyes. Watch it again through his eyes. It works both ways. It works in every way.” 1 Das werde ich auch tun. Aber der Film schafft noch etwas viel, viel Außergewöhnlicheres als mich nur zum nochmaligen Schauen zu bewegen: Ich werde das Buch lesen. :eek:
Da ich gehört habe, dass das Buch noch viel tiefere Einblicke in die Gedankenwelt der beiden Protagonisten gewährt und mich der Film schon beinahe zu Tränen gerührt hat, muss ich das Buch einfach lesen. Und dieses Bedürfnis habe ich nur sehr, sehr selten. ;)


Footnotes:
  1. http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2009/01/01/DDG0152444.DTL