WALL-E

Andrew Stanton – USA, 2008

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Weiter geht’s bei der Aufholjagd interessanter Filme, die ich im Kino verpasst habe. Diesmal war das neueste und jüngst Oscar-prämierte Kunstwerk aus der Pixar-Schmiede dran. Ich bin schon immer ein großer Fan der Animationsfilme gewesen und als ich von vielen, vielen Freunden und Bekannten vernommen habe, dass sie “WALL-E” als bislang besten Vertreter dieses Sparte empfanden, stieg meine Vorfreude noch weiter. Um es gleich vorweg zu nehmen: Diesem drastischen Urteil kann ich persönlich mich nicht anschließen, “The Incredibles” bleibt nach wie vor an der Spitze meiner persönlichen Charts. Dennoch ist es in der Tat ein wunderschöner Film; auch weiterhin bleibt somit der Anteil an guten und sehenswerten Filmen im Animationsbereich deutlich über selbigem Quotienten des gesamten Neuerscheinungsmarkts.

Ich liebe die computeranimierten Trickfilme besonders für ihren unvergleichlichen Humor. Dieser ist häufig in Situationskomik begründet, aber zu einem großen Teil auch in enorm ausgefeilten Dialogen. Somit ist auch schon klar, weshalb “WALL-E” bei mir keine Chance hatte, den bisherigen Champion vom Thron zu stoßen: Er spricht nicht. ;)
Das Konzept, dass bis auf wenige Ausnahmen komplett auf Sprache verzichtet wird, ist durchaus interessant und reizvoll; es verleiht dem Streifen auch einen ganz besonderen Charme, wie leicht es auch ohne viele Worte möglich ist, Gefühle darzustellen und auszudrücken. 1 Dennoch verliert der Film damit eine Komponente, die für mich bislang ein sehr essentieller Bestandteil dieses Genres war – zum Glück gibt es genügend dialogbefreiten Humor und der Film ist ansonsten nahezu perfekt, so dass der Verlust kaum schmerzt.
Gleich in den ersten Minuten hatte der Kleine mein Herz ohnehin gewonnen: die zwei Katzen bei mir zu Hause lieben es, stundenlang ohne Ermüdungserscheinungen 2 dem grünen Laserpointer hinterherzujagen. Daher war es schon um mich geschehen, als der süße Roboter eifrig dem roten Laserpunkt nacheilte. :)
Der nächste große Moment war natürlich der Mac-Startgong als Signalton beim Solarzellen-Aufladen, eine der vielen Verbindungen des Films zu Apple. Neben Hinweisen auf die Welt des besseren Betriebssystem werden aber vor allem mal wieder endlos viele Film-Klassiker zitiert – ein regelrechtes Feuerwerk von Anleihen an Star Wars, Star Trek, Alien, The Fifth Element, 2001 und viele, viele mehr wird da abgefeuert.
Ganz herrlich war das Bild, welches von der Zukunft der Menschheit gezeichnet wurde, wenngleich da der bittere Beigeschmack der Tatsache, dass das so fern von der Realität gar nicht sein dürfte, kaum von der Hand zu weisen ist. Trotzdem kann man toll darüber lachen, wenn die versammelten Schwabbel über das Deck rutschen.
Faszinierend fand ich als ehemaliges THW-Mitglied hingegen, wie viel Löschmittel nach Ansicht der Filmemacher in so einen windigen, kleinen Hand-Feuerlöscher hineinzupassen scheint. :D

“Presto”, Titel des diesmaligen Kurz-Vorfilms, war meiner Meinung nach der Beste seit “For the birds” und ist natürlich auf der DVD enthalten. 3 Dort findet sich außerdem noch “BURN-E”, ein acht Minuten kurzer Film über die erweiterten Erlebnisse des Reparatur-Roboters, den Eve und WALL-E im Film unabsichtlich aussperren. Große Klasse, die beiden Clips muss man unbedingt auch gesehen haben!

Fazit: Toller Film mit viel Gelegenheit zu Lachen, etwas nachdenklicherer Inhalt bisher üblich, vor allem aber faszinierend viel Romantik und Herz für eine Love-Story zweier “sprachloser” Roboter. Übrigens: wusstet ihr, dass WALL-E waschechter Münchner ist? 4 ;)


Footnotes:
  1. Das erinnert mich an einen lustigen Versuch, den mein damaliger Ethik-Lehrer einst mit uns gemacht hat: Man spicht nur die Silben “mü”, “bü”, “dü” und “sü” und darf ansonsten nur die verschiedenen Möglichkeiten der Betonung, Sprechgeschwindigkeit, etc. nutzen, um seinem Gegenüber etwas zu vermitteln. Der- oder diejenige muss dann erraten, was man gemeint war. Das ist einerseits königlich amüsant, wenn versucht wird, den Satz “Mübüdü mümüsü” möglichst böse, fröhlich oder gar verliebt klingen zu lassen, andererseits ist es verblüffend, wie hoch die Trefferquote der Ratenden war.
  2. Zugegeben, mir fällt irgendwann der Arm ab..
  3. Wer noch nicht alle kennt, dem sei diese DVD empfohlen!
  4. Bilder von Smooky, vielen Dank!