Doubt

John Patrick Shanley – USA, 2008

IMDBde.wikipediaen.wikipediaAmazon

Ich bin gespannt, ob es mir in absehbarer Zeit nochmal gelingen wird, zweimal hintereinander einen Film anzuschauen, der eine Theater-Adaption darstellt. Vielleicht sollte ich mir noch einen dritten, derartigen Film suchen, den ich als nächstes anschaue. Irgendwelche Tipps? ;)
Es war allerdings keine Absicht, mir war gestern einfach nur am Ehesten nach “Doubt”, da ich schon lange auf die Darstellung von Meryl Streep und vor allem Philip Seymour Hoffman gespannt war. Ich bin nicht mehr ganz sicher vor welchem Film, aber ich glaube, dass es bei “Revolutionary Road” war, als ich zum ersten Mal – in Form des Trailers – von “Doubt” erfuhr. Leider ist es einer der Trailer, die im Grunde die komplette Handlung vorwegnehmen und dem eigentlichen Film dadurch viel Spannung rauben. Ich bin immer noch der Ansicht, dass so etwas verboten gehört. Es ist mehr als nur traurig, dass die Verantwortlichen den Projekten nicht zutrauen, erfolgreich zu sein und Publikum anzusprechen, ohne im Trailer lauthals zu schreien: Juhuuu, in unserem Film gibt’s nen supertollen Twist im Plot, und zwar: Der Gärtner war es! :eek: Herrje, wie mich das ankotzt.. :mad:
Ich schalte deshalb auch mittlerweile selbst bei Trailern sicherheitshalber oft schon nach der Hälfte ab, wenn diese mich bis dahin einigermaßen angesprochen haben – “true story”! 1
Aber genug gemeckert und intertextualisiert, zurück zum Film: “Doubt”. Wie nicht anders zu erwarten, überzeugten die beiden Hauptdarsteller vollends. Insgesamt ein guter Film, aber kein Meilenstein. Die Theaterherkunft merkt man ihm teilweise deutlich an.

Die Story ist nicht besonders lang oder umfangreich, weshalb ich dazu auch nichts erzählen möchte. Wenigstens von dem, was da ist, sollte man noch so gut wie möglich “überrascht” werden, beziehungsweise selbst erfahren können. Die Handlung findet in einer streng katholischen, kirchlich geführten Privatschule statt und konzentriert sich auf die zentralen Figuren Pater Brendan Flynn (Philip Seymour Hoffman) und Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep).
Neben den beiden – völlig verdient – Oscar-nominierten Schwergewichten glänzte auch Amy Adams in der Rolle der Schwester James.
Allen Darstellern gelingt es hervorragend, die von Angst und Unterdrückung dominierten Machtverhältnisse innerhalb der Schule lebhaft auf die Leinwand zu bringen, die dicke Luft breitet sich bis in den Kinosaal hinein aus, wenn die erstaunlich “natürliche” Rangordnung und das Fahrrad-Prinzip ihre Anwendung finden. 2
Zu dieser einnehmenden Atmosphäre tragen natürlich auch die restlichen Faktoren wie unter anderen die Kulisse, die Kostüme und die musikalische Untermalung auf hohem Niveau bei.
Das einzige was mich minimal gestört hat, war der Schluss, darum jetzt eine Spoilerwarnung! Inhaltlich habe ich gar nichts daran zu bemängeln, immerhin wird ja so auch der Kreis zum Titel des Werks erst geschlossen. Ich empfand die Umsetzung aber als zu “theaterhaft”; an keiner anderen Stelle fand ich so überdeutlich bemerkbar, dass Regisseur und Drehbuchautor Shanley hier keinen Film geschrieben, sondern sein (!) Theaterstück zum Film gemacht hat. Ich bin nicht ganz sicher, aber im Wesentlichen liegt das wohl an der gewählten “Musik” zur Szene. Dies ist aber wirklich nur ein kleines Detail, das ich als etwas unpassend zum Rest empfand. Spoiler vorbei!

Es war der Produzent 3 Scott Rudin, der wollte, dass der Autor des Theaterstücks selbst das Drehbuch entwirft und als Regisseur umsetzt. Shanley, hatte bis dahin nur beim exzellenten “Joe Versus the Volcano” die Regie (und ebenfalls zugleich das Schreiben des Drehbuchs) übernommen. Ich halte das grundsätzlich für eine gute Entscheidung, wer kennt seinen Stoff schließlich besser als der Autor selbst; und wer weiß besser, was er mit bestimmten Sätzen genau zum Ausdruck bringen und mit welchen Szenen er welche Botschaft transportieren möchte. Diese Klarheit macht sich, soweit es ohne vergleichbare Umsetzung eines anderen Regisseurs beurteilbar ist, auch positiv bemerkbar.

Ich wurde jedenfalls gut unterhalten, obwohl (oder gerade weil?) ich nicht unbedingt viel von Kirche und Katholizismus halte. Ich könnte mir vermutlich aber auch einen zweistündigen Film mit keinem weiteren Darsteller außer Philip Seymour Hoffman ansehen, in welchem er nur mit seinem Spiegelbild streitet. Der Mann ist wirklich eine Wucht und kann Boshaftigkeit in einer so unnachahmlichen Härte und Gnadenlosigkeit ausdrücken, dass man sogar selbst auf seinem Stuhl ein wenig weiter nach hinten rückt.

Insgesamt definitiv sehenswert, wobei auch hier wie schon bei “Frost/Nixon” die DVD reicht und es nicht unbedingt ein Film ist, der durch einen Kinobesuch massiv aufgewertet wird.


Footnotes:
  1. Na, wer weiß, von welchem awesome bro dieser legendary Ausspruch ist? :D
  2. Fahrrad-Prinzip: Nach oben Buckeln und nach unten Treten. Ein Merksprüchlein meiner damaligen Biologie-Lehrerin, als es um gegenseitiges, durch Kräfteunterschied bedingtes Verhalten im Tierreich ging.
  3. Der übrigens noch eine Menge anderer grandioser Filme produziert hat.