duel_1971

Steven Spielberg – USA, 1971

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Ja, richtig gelesen: Steven Spielberg. Zufällig bin ich Ende letzter Woche beim Wikipedia-Stöbern über seinen ersten Spielfilm, “Duel”, gestolpert. Alleine die Beschreibung klang schon so herrlich trashig, dass ich ihn mir gleich letzte Nacht direkt angesehen habe:

Der Geschäftsmann David Mann befindet sich in seinem Wagen [...] auf einer längeren Autofahrt quer durch Kalifornien, weit abseits von irgendwelchen größeren Ortschaften, [...] [als] vor ihm plötzlich ein Tanklastzug [...] auftaucht. Der LKW verlangsamt seine Fahrt immer mehr und hindert Mann zunächst am Überholen. Als ihm dann doch das Überholmanöver gelingt, scheint die Geschäftsreise genauso langweilig wie vor diesem kleinen “Zwischenfall” weiterzugehen. Doch der LKW hat ohne ersichtlichen Grund beschlossen, Jagd auf David Mann zu machen. Er überholt ihn, bremst ihn aus, lässt sich wieder überholen und versucht sogar, ihn von der Straße abzudrängen.

Als ich mir das durchlas, hörte ich es mit dramatischer, tiefer Trailer-Stimme im inneren Ohr und nach dem letzten Satz musste ich unfreiwillig den klassischen “Dadadaa”-Schock-Effekt dazudenken. Höchst amüsiert war mir klar, dass ich diesen Film sehen müsse. :D

Um nochmal kurz auf den Inhalt zurückzukommen: Ja, das ist wirklich alles. Großer, böser Truck gegen armen, kleinen “Mann”. In beinahe epische Länge gestreckt und mit nahezu keinerlei Dialog.
Hierzu muss ich aber etwas weiter ausholen: Der Film wurde ursprünglich von Spielberg für “ABC” 1 als Fernsehfilm produziert und in 13 Tagen abgedreht, drei Tage mehr als ursprünglich genehmigt waren. Der Film war jedoch derart erfolgreich, dass er hurtig auch auf Kinoformat aufgebläht, und zwar sowohl wortwörtlich als auch von der Länge her – ein Fernsehfilm dauert natürlich wegen der Werbepausen nicht so lang. Aus den ursprünglichen 74 Minuten wurden mit zwei zusätzlichen Nachdreh-Tagen die endgültigen 90 Minuten, welche dann auch in Europa die Lichtspieltheater erreichten.
Der meiste Dialog findet in diesen nachgedrehten Szenen statt, in der ursprünglichen Fassung wollte Spielberg eigentlich nahezu komplett auf Dialog verzichten, aber das war den Verantwortlichen leider zu riskant. Trotzdem wird auch in der erweiterten Fassung nur sehr wenig gesprochen.
Insgesamt muss ich sagen: Guter Film, zurecht das Karrieresprungbrett für einen der erfolgreichsten Regisseure aller Zeiten. Ich kann nicht genau sagen, woran ich es festmachen würde, aber ich fand, dass teilweise durchaus Spielbergs Handschrift zu bemerken war.
So banal die Handlung erscheinen mag, aber der Film funktioniert. Der Fahrer des mysteriösen Trucks wird nie gezeigt, stets wartet man darauf, ob die Konfrontation vielleicht jetzt endlich auf eine andere Ebene verlagert wird und sich die Fahrer persönlich gegenüberstehen werden.
Natürlich muss man sich auf ein gewisses Trash-Niveau einlassen, immerhin hat der Film auch schon bald 40 Jahre auf dem Buckel – trotzdem, ich konnte mit Mann mitfiebern, dessen Horror von Dennis Weaver auch wirklich glaubhaft vermittelt wurde.

Ich denke, dass mir die ursprüngliche Version noch besser gefallen hätte – zwei wesentliche Szenen, die im Nachdreh entstanden: 1) David Mann telefoniert relativ zu Beginn des Films nochmal mit seiner Frau, entschuldigt sich bei ihr für “letzte Nacht”. Ein Gespräch ohne Zusammenhang, bestenfalls fühlt man ein wenig mehr mit Mann mit, nachdem man seine Frau und zwei Kinder zu sehen bekommen hat. 2) In einer Phase, in der Mann sich vor dem Truck sicher wähnt, trifft er auf einen abgestorbenen Schulbus (mitten im Nirgendwo), während er dort Starthilfe leistet, kommt natürlich der Truck wieder ins Spiel. Hätte es auch nicht gebraucht.
Ohne die Szenen wäre der Film noch wesentlich deutlicher auf den Kern der Handlung konzentriert gewesen, ein wenig kompromissloser und noch ein Eck ungewöhnlicher.

Es stellt sich sicherlich die Frage: Würde heute noch irgendein Hahn nach diesem Film krähen, wenn es nicht Spielbergs Erstling wär? Vermutlich nicht in dem Ausmaß – aber ich finde nichts Verwerfliches daran, sich von großen Namen ein wenig lenken zu lassen. Lenken, nicht blenden. Zumal hier ja auch eher die Geschichtsstunde mein Motiv war, mich mit diesem Streifen auseinanderzusetzen.

“82% fresh” ist der Streifen laut “Rotten Tomatoes” und bei der IMDB gibt es eine respektable 7.7er-Wertung bei über 18.000 Stimmen. Ich denke, man kann sich den Film ruhig mal ansehen – gerade in der heutigen Zeit ist der unverschnörkelte und konzentrierte “Thriller” doch eine Abwechslung, die überraschend gut tut.


Footnotes:
  1. Das ist der Sender, auf welchem mittlerweile “LOST” läuft! :D