Duplicity

Tony Gilroy – USA, 2009

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Die aktuelle Sneak-Prognose hatte eigentlich nichts Gutes verheißen, lag aber glücklicherweise völlig daneben. “Duplicity” kam nicht einmal in der Prognose vor, startet in Deutschland auch erst am 30.04. und wurde anscheinend in München als erstes gesneakt. Es ist die zweite Regiearbeit Tony Gilroy, zuvor unter anderem Drehbuchautor von “Armageddon”, “The Devil’s Advocate” und der Bourne-Trilogie. Sein letztes Werk, bei welchem er wie im aktuellen Fall sowohl Autor als auch Regisseur war, hat mich Ende 2007 schwer beeindruckt: “Michael Clayton”.
Mit “Duplicity”, einer romantischen Komödie über Industriespionage, überzeugt er auch in einem anderen Genre, so gut wie am Freitag hat mich schon lange kein Film mehr unterhalten.

Sicherlich haben dazu auch der absolut großartige Clive “Mr. Smith” Owen und die mit dem Alter immer bessere Julia Roberts beigetragen, doch der Stil von Gilroy ist unverkennbar und macht wirklich Laune. Schon in einer der ersten Szenen ist sehr skurril und auch unweigerlich komisch: ein in Zeitlupe gefilmter, absolut erbitterter Streit zwischen zwei Firmenbossen der mindestens eine Minute lang andauert und letztendlich in ein Handgemenge übergeht; alles nur in Zeitlupe – grandiose Bilder. Allerdings müssen hier auch die Darsteller Tom Wilkinson und Paul Giamatti 1 gelobt werden, die beide wie für ihre Rolle als CEO geschaffen sind.

Ich möchte ungern etwas zur Story sagen – je ahnungsloser man in den Film geht, desto besser. Ich rate sogar vom Trailer ab, denn nach dessen Genuss weiß man die erste Stunde des Films über eigentlich schon über Zusammenhänge Bescheid, die der Film nicht sofort enthüllt. Wie schon gesagt, es geht um Industriespionage – Clive Owen und Julia Roberts sind beide in dieser Branche tätig, jedoch für konkurrierende Unternehmen. Allerlei Verstrickungen machen den Beiden dann im Film das Leben schwer. Ich fand die Story wirklich klasse – es ist freilich kein Meilenstein oder etwas völlig Neues. Aber es ist erfrischend umgesetzt und war für mich auch nur selten besonders vorhersehbar.
Der Film dauert mit seinen 125 Minuten recht lange und fordert durchaus etwas Aufmerksamkeit, um der Story folgen zu können – sehr bezeichnend fand ich, dass bei den Userkommentaren in der IMDB aus fast jeder negativen Meinung ziemlich deutlich hervorging, dass da jemand einfach der Handlung nicht folgen konnte und einfach nicht begriffen hat, was zum Schluss abgelaufen ist. Natürlich mag es Leute geben, denen der Film wirklich nicht gefallen hat, aber wenn man einfach nur zu doof, faul oder unaufmerksam ist, sollte man sich vielleicht etwas zurückhalten – und so anspruchsvoll war der Film nun auch wieder nicht. Kollege @ftf ist aufgrund akuter Müdigkeit zwischendurch kurz weggenickt und hat am Schluss dennoch verstanden, worum es ging. :P

Die Dialoge im Film sind ebenso großartig wie Mimik und Gestik derjenigen, die sie vortragen. So laut und herzhaft gelacht wie wegen eines einzigen Gesichtsausdrucks von Clive Owen nach dem passenden Dialog habe ich im Kino schon lange nicht mehr. Manchmal habe ich beinahe den nächsten Lacher gar nicht mitbekommen, weil ich noch mit dem vorhergehenden Gag beschäftigt war. :D Allerdings ist “Duplicity” beileibe kein Slapstick-artiges Klamauk-Spektakel, zwischendurch geht es auch mehr oder weniger ernst zur Sache – dennoch ist auch bereits der “normalen” Handlung eine gewisse Komik nicht abzusprechen. Höchstaufwendige Industriespionage im Tiefkühlpizzabereich – “Oh Nein, sie haben die doppelt-käsige Extra-Krusten-Pizza an der wir Jahre geforscht haben vor uns auf den Markt gebracht!” – ist zwar vermutlich sogar näher an der Realität als einem lieb ist, aber dennoch so absurd, dass ich zwischendurch einige Male belustigt den Kopf schütteln musste.

Fazit: Enorm sehenswert – der Film lebt zwar sicherlich von seinen hervorragenden Schauspielern, doch mir hat auch die verwobene Story gefallen. Besonders schön fand ich darüber hinaus die Bilder und Kamera-Einstellungen von Gilroy, welche immer wieder markant durchblitzen und dazu beitragen, dass “Duplicity” ein zwar nicht revolutionäres, aber wie schon gesagt sehr erfrischendes Vergnügen geworden ist.


Footnotes:
  1. Stand schonmal mit Clive Owen vor der Kamera, als Bösewicht in “Shoot ‘Em Up”