Zusammen mit etwa 5000 anderen Stadtaffen war ich gestern mal wieder im Zenith, um mir Peter Fox (feat. Cold Steel) anzusehen. Ich war ja mittlerweile schon auf einigen Konzerten und dabei in verschiedensten Hallen. Im Zenith allein letztes Jahr dreimal: Bei “The Kooks”, “FURT” und den “Wise Guys”. Und mit jedem Besuch dort wächst mein Hass gegenüber dieser akustischen Katastrophe. Der Sound dort ist noch bescheidener 1 als im Olympiastadion. Aber bevor ich mich da nun reinsteigere, fang ich lieber ganz von vorne an.
Einlass 18:30 – das Wetter war nicht besonders, daher hatte ich keine Lust darauf, Stunden vorher dort aufzuschlagen, um in die erste Reihe zu kommen. Da ich allein hinging, bin ich davon ausgegangen, dass 30 Minuten vor Einlassbeginn reichen sollten, um einen gemütlichen Platz am Mischpult oder beim Wellenbrecher zu bekommen. Doch ich hatte meine Rechnung ohne Peter Fox gemacht, dessen Popularitätsgrad scheinbar dem von Tokio Hotel ähnelt. Als ich ankam, war die Schlange bereits länger als bei allen drei Konzerten des letzten Jahres zusammen – bei zwei von diesen Konzerten hat eine halbe Stunde vor Einlass noch nichtmal eine Schlange existiert! Ein paar Minuten nachdem ich mich 100 Meter vom Einlass entfernt eingereiht hatte, mussten die Leute nach mir eine Kurve in der Schlange formen, da nach hinten kein Platz mehr war. 2 Am Kassenhäuschen war dick und fett angeschrieben, dass das Konzert ausverkauft sei – hätte ich sonst gar nicht bemerkt. :P

Allerdings war das Ganze erstaunlich gut organisiert, die Security hat einzelne abgegrenzte Bereiche innerhalb der Schlange erzeugt und die Leute immer stoßweise durchgelassen. Eine der besten “Anzahl der Leute / Chaos”-Relationen, die ich bislang erlebt habe. So war ich dann auch tatsächlich bereits um kurz nach halb sieben in der Halle. Der Wellenbrecher war bereits voll, auch hatte man keine Chancen mehr auf einen Platz vorm Wellenbrecher oder am Mischpult. Ich hab es mir dann einfach vor einem der tollen Eisenpfeiler bequem gemacht.

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Zehn Minuten nach dem offiziellen Beginn um 20:00 fing dann die Vorgruppe – Oceana – mit ihrem etwa 40-minütigen Programm an. Insgesamt eher stressige Musik, auch wenn sie gute Stimmung verbreitet hat. Nicht ganz mein Ding, zumal ich gehofft hatte, das es vielleicht gar keine Vorband gibt. Dann wären es auch nicht knapp 3 Stunden gewesen, bis der Grund für den Kauf der Karte um 21:15 endlich die Bühne betreten hat – deutlich zu lang für meinen Geschmack. Wenn man zwischen Einlass und Beginn schon unbedingt länger als eine Stunde legen will, soll doch wenigstens die Vorband in der Zeit schon abgewickelt werden. “Beginn” sollte meiner Meinung nach nicht bedeuten, dass es noch fast 1,5 Stunden dauert, bis der spannende Teil wirklich losgeht.

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Aber schon nach dem Opener war die lange (und dank iPhone + Fieldrunners auch einigermaßen erträgliche) Warterei vergessen. Ein gigantisches Affenantlitz blickte von der Leinwand hinter der Bühne über die Halle, musterte mit seinen giftgrünen Augen das Publikum. Selbiges gab dem Affen Zucker 3 und antwortete mehr als nur adäquat auf die aggressive und energiegeladene Show, die Peter Fox ablieferte. Die Musik hat mich ja schon auf der Silberscheibe begeistert, aber den Enthusiasmus und die Kraft dahinter live zu erleben, war nochmal ein ganz anderes Kaliber.
Sehr wortkarg, vor allem für einen deutschen Act, peitschte der Künstler mit seinem Ensemble durch die ersten 60 Minuten des Abends. Dabei spielte er aber nicht nur Songs von seinem eigenen Album, sondern präsentierte mit “Großhirn” und “Schwinger” auch zwei Seeed-Songs. Fand ich absolut genial, hätte ich allerdings nie erwartet. Die Einstellung 4 mit der da etwa “Die Ärzte” und Farin Urlaub rangehen, finde ich da viel “logischer”, beziehungsweise nachvollziehbarer. Aber ich werde sicher nicht meckern, wenn ich für Peter Fox zahle und dafür noch ein wenig Seeed bekomme. Der absolute Knaller war in dieser ersten Hälfte allerdings der “Kashmir”-Remix – wirklich bombastisch, wie der reingehauen hat, und das trotz Zenith. In diesem dumpfen Video kommt es auch nicht ansatzweise so gut rüber, wie es eigentlich geklungen hat, aber die anderen waren alle gnadenlos übersteuert. Während auf der Videoleinwand eine gigantische “King Kong”-Hand (mit Frau ;) ) hin- und her wippte, hat Peter Fox ein weiteres Mal bewiesen, dass dieser “Led Zeppelin”-Klassiker zeitlos gut ist.

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Nach einer gerade Mal fünf Minuten kurzen “Pause” ging es gegen 22:25 erstmal mit einer absolut grandiosen, minutenlangen Trommeleinlage weiter – ich fühlte mich ein wenig an das Konzert vom FURT erinnert, wo der letzte Zugabenblock ebenso eingeläutet wurde. Im Musikvideo zu “Alles Neu” durften die Drummer ja am Ende schon ein wenig von ihrem Können zeigen – ich könnte mir das glaub ich auch ein ganzes Konzert lang anschauen und -hören. Mit “Alles Neu” wurde dann – gegen 22:40 – selbstverständlich auch das “offizielle” Ende begangen, und wenn bei “Schwarz zu Blau” die Halle schon kochte, waren jetzt wirklich alle am Springen, Schreien, Hüpfen, Toben. Ansonsten gab es im zweiten Teil neben den restlichen Liedern von “Stadtaffe”, welches natürlich komplett gespielt wurde, auch noch eine 1,5 Lieder andauernde Gesangs-Einlage von “Miss Platnum”, auf die ich gerne verzichtet hätte. Das einzig Gute daran war die andere Hälfte des halben Liedes, denn das war ein Rap-Part von Peter. :D
Als Zugabe gab es dann ganz zuletzt noch einen “Dickes B”-Remix, während dem aber bereits die seitlichen Ausgänge geöffnet wurden, so dass danach endgültig Schicht im Schacht war. Insgesamt ziemlich genau 90 Minuten Action, abzüglich fünf Minuten Pause. Doppelt so lang Show wie das Album dauert – und das mit so gut wie keinem Gelaber, gar keine schlechte Leistung. Umso beeindruckender bei der enormen Power, die während der gesamten Zeit ins Publikum geschleudert wurde. Aber das Publikum hat auch gut mitgemacht – übrigens ein toller Nebeneffekt von so einem ausverkauften Konzert mit Reggae-Anteilen: free personal lap dance! :boogie:

Der Abend war also insgesamt großartig – trotz Zenith, trotz ewiger Wartezeit. Trotz dank Fußballspiels gnadenlos überfüllter U-Bahnen bei der Heimfahrt. Das Konzert war einfach so genial, dass all das andere nicht wirklich zählt. Alles glänzt, so schön neu!

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Footnotes:
  1. Weitere Stimmen zur Akustik im Zenith: Einmal “Pro”, einmal Kontra. ;)
  2. Wer’s wissen will: Außenansicht – der Einlass ist bei den vier Metalltüren vorne am Gebäude – “normalerweise” sind zu dem Zeitpunkt nur im hellen Bereich Leute, gestern war die Schlange da bereits weit über den hinteren Bildrand hinaus gewachsen.
  3. Es geht einfach nichts über schlechte Witze/Sprüche..
  4. Niemals wird es bei einem DÄ-Konzert FURT-Songs geben und umgekehrt.
  5. Weitere Stimmen zur Akustik im Zenith: Einmal \"Pro\", einmal Kontra. ;)