25.03.2009
Vicky Cristina Barcelona
Woody Allen – USA/Spanien, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Wie ich immer wieder feststelle, ist die Rezeption von Filmen stark von der eigenen Stimmung/Verfassung abhängig. Man hat ja von jedem ungesehen Film eine gewisse Vorstellung, je nach Anzahl gesehener Trailer und anderen Kriterien ist diese natürlich mehr oder weniger konkret. Teilweise habe ich einfach niemals das Gefühl, jetzt in der richtigen Stimmung dafür zu sein, was ich mir von einem bestimmten Film erwarte. Aus diesem Grund habe ich manche Filme monatelang hier rumliegen, von denen ich absolut überzeugt bin, dass sie mir gut gefallen – sei es wegen der Darsteller oder wegen Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Vicky Cristina Barcelona, im Folgenen mit VCB abgekürzt, ist einer davon, schon seit Januar wartet die DVD auf mich – der Vorfilm hatte mir gefallen, mehrere Empfehlungen waren vorhanden. Doch anhand des Trailers hatte ich mir den Film deutlich kitschiger und oberflächlicher vorgestellt, als er eigentlich ist.
Auch gestern Abend war meine Reaktion zunächst “Mhm.. ne. Heute nicht.”, doch ich wurde überstimmt und war dann auch nach wenigen Minuten von meinem (Vor-)Urteil abgewichen.
Woody Allen ist ja eine Legende – ich habe gerade seine Filmographie überflogen und stellte erstaunt fest, dass ich da scheinbar wirklich noch keinen Einzigen kenne. Ich werde wohl nie einen Punkt erreichen, ab welchem ich nur noch Neuerscheinungen sehen möchte, es gibt einfach schon zu viel. ![]()
Aber zurück zu VCB – es ist, anders als ich ursprünglich angenommen hatte, die amüsierende Erzählung einer Beziehung mit weit mehr als nur drei Ecken. Vicky und Cristina, zwei amerikanische Freundinnen, besuchen für einen Sommer Barcelona und lernen dort den Maler Juan Antonio kennen. Er, von seiner Ex-Frau geschieden, baggert die beiden sehr unverblümt und direkt an, was bei Cristina gut ankommt und Vicky eher anwidert. Die beiden Freundinnen könnten nämlich gar nicht unterschiedlicher sein, was ihre Einstellung zur Liebe betrifft: Vicky ist rational und bedacht, ihre Beziehung zum daheim in Amerika gebliebenen Doug ist voller Berechnung statt voller Begierde. Cristina hingegen denkt nicht viel nach, nimmt für ein leidenschaftliches Abenteuer auch das Risiko großer Enttäuschung in Kauf. Im Endeffekt schafft der Künstler es aber doch, die Beiden zu überreden, sich von ihm auf ein gemeinsames Wochenende auf seinem Landsitz einladen zu lassen. Ab diesem anders als geplant verlaufendem Wochenende wird es interessant, und das nicht nur weil im weiteren Verlauf der Handlung (Satzende = Spoiler!) auch Juan Antonios Ex-Frau und Vickys Verlobter Doug mit der Absicht in Barcelona zu heiraten ins Spiel kommen.
Für ihre Rolle als María Elena, die Ex-Frau, hat Penélope Cruz übrigens den Oscar als beste Nebendarstellerin bekommen. Tatsächlich spielt sie ganz hervorragend, es ist ein Genuss, ihr dabei zuzusehen und vor allem auch zuzuhören, wie sie auf Spanisch mit ihrem Ex-Mann schimpft. Man bekommt direkt Lust, Spanisch zu lernen, nur um auch so herrlich fluchen zu können.
Scarlett Johannsson ist nach wie vor ein Augenschmaus, hat mir aber beispielsweise in “Lost in Translation” deutlich besser gefallen. Allerdings mag das auch an der Rolle liegen, spielt sie doch diesmal gewissermaßen ein blondes Dummchen.
Die übrigen Darsteller sind mir weder besonders positiv noch negativ aufgefallen, doch zu “Javier Bardem”, der Juan Antonio spielt, muss noch etwas gesagt werden: Nachdem ich den Trailer zu VCB gesehen hatte, war ich felsenfest davon überzeugt zu wissen, wer dieser Schauspieler ist. Auf dem Plakat ist er leider abgeschnitten, daher kurz dieses Bild betrachten oder den Trailer anschauen. Nun hier klicken und staunen.
Es handelt sich um zwei verschiedene Personen, einer Amerikaner, einer Spanier. Es kommt vermutlich auf den Bildern nicht so verblüffend rüber – der Amerikaner, “Jeffrey Dean Morgan”, ist mir auch von bewegten Bildern relativ gut bekannt, er ist in seiner Rolle als Geist von “Denny Duquette” der endgültige Sargnagel für die Serie “Grey’s Anatomy”. 1 Ich habe wirklich erst nach dem Film beim Recherchieren festgestellt, dass es sich bei Juan Antonios Darsteller nicht um ihn handelt – meine erste Reaktion auf Javier Bardems Wiki-Seite war: “Das kann doch wohl nicht sein, dass sie die Serie hier nicht erwähnen.. mal auf die englische Seite gucken.”
Aber damit genug des kleinen Exkurses in mein getäuschtes Empfinden. VCB hat mich oft herzhaft lachen lassen, denn nur zu oft erkennt man sich selbst in einer kleinen Nuance wieder. Allen baut zwar durchaus auf Stereotypen, aber niemals zu übertrieben. Die Charaktere bleiben relativ gesehen absolut nachvollziehbar und bieten genügend Fläche zur Identifikation. Das ermöglicht einem, wie schon angesprochen, auch ohne allzu tragische Tiefgründigkeit in das Beziehungsgeflecht und die Gedanken der Beteiligten einzutauchen und ein wenig mitzufühlen.
Sehenswert ist der Streifen allemal, nicht zuletzt auch wegen bezaubernder Bilder von Barcelona und Umgebung – und natürlich wegen der spanischen Gitarrenmusik.
Footnotes:
- Ich habe ja meiner Ex zuliebe wirklich lange versucht, mit der Serie richtig warm zu werden, und die ersten Staffeln waren auch nicht übel. Zwar waren zuvor schon einige Episoden zum Davonlaufen dabei (Mann mit Baum im Bauch..) und nach dem zweitausendsiebenunddreißigsten “Schäferstündchen” von Meredith und ihrem Shepherd nach vorheriger tragischer Trennung war einfach sowas von die Luft raus. Aber die Idee der Autoren, Denny auch nach seinem Tod als regelmäßigen Charakter in Form eines Geists in Izzys Visionen beizubehalten, hat mir dann wirklich endgültig den Rest gegeben. Wenn ich Visionen von Toten sehen will, gucke ich LOST. ↩


Mich hat VCB neulich auch ähnlich positiv überrascht wie dich, allerdings mit einem Unterschied: Für mich war ja Rebecca Hall (Vicky) tatsächlich der heimliche Star, da sie (wie ich finde) hier eine unglaublich präsente und glaubwürdige Vicky gegeben hat.
Und noch ein bißchen Trivia: Woody Allen wollte mit diesem Film einen Film machen, in dem die Stadt Barcelona ebenfalls eine “Hauptrolle” hat.
Das mit Rebecca Hall habe ich vielerorts ebenso gelesen, ist mir gestern aber selbst irgendwie nicht so aufgefallen. Ich werde jedenfalls genauer auf sie achten, falls ich den Film irgendwann nochmal ansehe.
Zum Trivia: Die Stadt Barcelona hatte wohl auch nichts gegen ihre Hauptrolle, gab ja lustige Kontroversen wegen Fördergeldern und so..
danke für dein “review”. habe den film vor einiger zeit schon geschaut und fand ihn sehr gut. schöne landschaft, tolle schauspieler (penelope cruz, yummy! ) und eine unterhaltsame handlung
lg, dewey
Bezug auf die Fußnote:
Ja, das war nicht die beste Idee der Autoren, aber in den letzten Folgen wurde der Grund für diese “Visionen” endlich aufgeklärt und damit haben sie die Kurve grad wieder bekommen. Nach dem sehr schwachen Staffelstart, haben es die letzten Folgen echt rausgerissen.
Von dem “Grund” hab ich schon gelesen, als ich die richtige Schreibweise seines Namens gesucht habe – naja, billiger Trick, aber anders wäre man ja gar nicht mehr rausgekommen. Der Platz für (Obacht, Spoiler!) “Gute Serie mit Hirntumor-bedingten Visionen” ist nun mal schon besetzt.
Ich denke mal, dass ich einfach wenn die Serie zu Ende ist nochmal alles am Stück wegschau, um mir ein abschließendes Urteil zu bilden.
Ich würde ihn mir nur ansehen wegen Scarlett J.