24, Season 2

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Überraschung, Überraschung – natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe innerhalb kürzester Zeit auch die zweite Staffel in mich aufgesogen. Und ich vermute mal, dass ich in dem Tempo dranbleiben werde. Zwar fand ich in der Tat, dass es qualitativ stellenweise nachgelassen hat, aber wie gesagt nur stellenweise: insgesamt ist 24 immer noch unterhaltsamer und fesselnder als der meiste andere Kram im TV.
Zweite Staffel also, und mit Sicherheit musste man damals wegen des Erfolgs von Season 1 in große Fußstapfen treten. Interessanterweise wollte Joel Surnow, einer der Produzenten/Autoren der Serie, diesmal lieber in jeder Folge 24 Stunden abhandeln; zum Glück wurde diese Idee verworfen. :gaga:
Naturgemäß ergibt der Rest des Postings wenig Sinn für jemanden, der die Serie und Staffel noch nicht kennt, da ich vom Fazit am Schluß abgesehen fast nur auf aktuelle Handlungsstränge eingehe und dabei auch nicht alles ausführlich herbeiführe, sondern einfach konkrete Bezüge aufliste. Deshalb natürlich auch eine Spoiler-Warnung bis zum letzten Absatz.

Um gleich mit dem Meckern zu beginnen: man hat wohl Teile der Handlung entworfen, als die “24-Stunden-pro-Folge”-Idee noch aktuell war und diese dann leider nicht direkt mit eingestampft.
Ist ja in Ordnung, wenn man alles noch dramatischer gestalten will, indem Jacks Tochter nicht völlig unbehelligt bleibt, aber dass, was ihr innerhalb von diesen 24 Stunden(!) alles passiert ist einfach way too much. Sie rettet die Tochter ihres psychopathischen “Au pair”-Familienvaters vor eben jenem, nachdem dieser seine Frau abmetzelt; sie gerät in eine Puma-Falle, nachdem sie einen Unfall des Polizeiwagens provoziert hat, in dem sie als (unschuldige) Gefangene saß; sie wird aus der Falle gerettet von einem Spinner, der allein in der Wildnis lebt, zufällig einen Bombenbunker hat und sie natürlich dort festhalten möchte, aber wie sollte es anders sein: sie schafft es, an seine gute Seite zu appellieren und darf gehen; all das hab ich noch relativ schmerzfrei ertragen.
Too much, aber es ist eben eine übertriebene Serie, soweit, so gut. Dass danach jedoch noch einer draufgesetzt werden musste, war echt zu viel des Guten. Und nicht nur, dass der Schnapsladenbesitzer gleich hinter ihr absperrt, damit man als Zuschauer ahnt, dass hier der nächste potentielle Vergewaltiger lauert, Nein, es folgt sogar ein waschechtes Geiseldrama. Heissa, so macht Verzögerungstaktik Laune. Nicht.

Abgesehen davon frage ich mich ja schon, wer auf die Schnapsidee gekommen ist, den Part mit der Bombe früher zu beenden als das politische Bürokratie-Zeugs, das über die letzten Folgen hingequält wurde. Das hatte durchaus seine großen Momente und war spannend, aber bei Weitem nicht in der Form wie die Bedrohung durch den nuklearen Sprengsatz. Ich finde Obama Palmer große Klasse, sowohl die Rolle als auch Darsteller Dennis Haysbert, aber trotzdem hätte man hier die Storylines anders herum aufziehen sollen. Ja, ich geb’s zu: Mich fesselt die Jagd nach einer Atombombe in L.A. mehr als der politische Konflikt zum bevorstehenden Stealth-Bomber-Angriff auf drei Länder im Osten – so what? Wenn ich 24 schaue, bin ich alles, aber doch nicht politisch korrekt. :P

Ansonsten hat mich nur eine Sache wirklich massiv gestört – als Jack mit der Bombe im Flugzeug zum Zielpunkt unterwegs ist, habe ich meinen iPhone-Countdown-Timer spaßeshalber einfach mal mit dem Countdown der Bombe abgeglichen, als dieser im Bild war. 12 Minuten Restzeit, also störte auch keine Werbeunterbrechung mehr, bis der Timer der Bombe das nächste Mal im Bild war und dabei noch etwa 1,5 Minuten Restzeit verkündete. Und nun darf dreimal geraten werden, ob der Timer im iPhone auch nur annähernd damit übereinstimmte. ;)
Aber wie ich schon sagte – zuviel darf man eben auch trotz eines solch interessant klingenden Konzepts nicht erwarten.

Außer diesen drei Punkten gab es natürlich noch einige Kleinigkeiten, aber wo gibt es diese nicht – ich würde daher zwar schon sagen, dass die Qualität etwas nachgelassen hat, aber nicht massiv. Vor allem aber bleibt auch trotzdessen das Niveau insgesamt – und relativ betrachtet, versteht sich – ziemlich hoch. Nach wie vor ist es äußerst spannend, mit dem Übermensch Jack Bauer gemeinsam zu hoffen, zu leiden und “unter Strom zu stehen”. 1

Immerhin schaffen die Autoren es bei all der Übertreibung dennoch, Szenen in die Geschichten einzuflechten, die man absolut ernst nehmen kann und die berühren – das Gespräch zwischen Kim und Jack kurz vor der Detonation war sehr bewegend. Auch der Abschied von Mason wurde, nicht zuletzt dank der schauspielerischen Leistungen, (denk-)würdig inszeniert, da hat im Gesamtbild auch der gar so typische Vater/Sohn-Konflikt nicht wesentlich dazuwischengefunkt.

Große Klasse fand ich auch diesmal, so viele Darsteller wiederzusehen, die ich schon in anderen Serien liebgewonnen habe.

  • Alan Dale, (mir) bekannt als “Caleb Nichol” im großartigen “The O.C.” und natürlich als “Charles Widmore” in “LOST”. Gibt hier einen hervorragenden “Vice president”.
  • John Terry, ebenfalls aus “LOST”: Dr. Christian Shephard. Muss in 24 den ahnungslosen Vater einer irren Terror-Tochter spielen. Ob da eine Paralle zu Clair besteht? ;)
  • Daniel Dae Kim, nochmal “LOST”: Jin-Soo Kwon. Hier “nur” in einer Nebenrolle als Tom Baker.

Wie klein doch die Seriendarstellerwelt ist.. :)

Aber auch die Beteiligten, die ich jetzt zum ersten Mal wahrnehme, überzeugen durchweg. Die Professionalität was Cast, Crew und Produktion angeht, lassen 24 eher zu einem wunderbar langen Action-Film als zu einer gewöhnlichen Serie werden.

Den Cliffhanger am Ende der letzten Folge fand ich richtig gut – ich bin ja durch LOST etwas geschädigt, insofern tut es sehr gut, dass es sich zumindest danach anfühlt, als würde die Handlung innerhalb der aktuellen Staffel sauber zu einem Ende gebracht. Auch wenn natürlich jetzt in der zweiten Season logischerweise Nina Meyers nochmal ausgebuddelt wurde 2 und es in der Dritten mit dem Drahtzieher hinter dem Attentat weitergehen dürfte. Ich hoffe sehr, dass Mr. President 3 auch “am nächsten Tag” wieder zur Verfügung stehen wird, da ich ihn für einen wichtigen Pfeiler der Serie halte.

Mein Fazit ist also nach wie vor eindeutig ein Daumen nach oben. Mit dem bösen Foltern ging es ja im Grunde erst in dieser Staffel so richtig los; ich bin gespannt, ob mich da noch Schlimmeres erwartet – zu der Thematik gab/gibt es ja immer wieder Kontroversen.
Ich für meinen Teil wünsche mir einfach, dass sich die Autoren nicht von Staffel zu Staffel mit “immer schlimmeren/katastrophaleren” Handlungsteilen überbieten wollen und dabei noch mehr Debakel wie der völlig übertriebene Kim-Part aus S02 herauskommen. Das Rezept aus S01 war einfach zu gut, um es derart zu verheizen.


Footnotes:
  1. Pun intended. :D
  2. Mal im Ernst, das hat doch wirklich niemanden überrascht.. :P
  3. Wer hat hier “Coco Jambo” gesagt? Raus!