24, Seaon 5

TV.comde.wikipediaen.wikipediaAmazon

Nachdem ich Nummer vier bislang am Schwächsten fand, war ich sehr gespannt, ob mir Season 5 wieder besser gefallen und wie man wohl den Cliffhanger der letzten Staffel lösen würde. Tatsächlich konnte man sich meiner Meinung nach, trotz abermals vieler, vieler störender Punkte, wieder etwas steigern. Da ich mittlerweile schon auf dem aktuellen US-Stand bin, muss ich leider sagen, dass das offenbar nur ein letztes Aufbäumen war, aber dazu mehr in den nächsten beiden Einträgen. Was man der fünften Staffel auf jeden Fall lassen muss: nie zuvor ging es zum Start schon so derart heftig ab. Spoiler ahead!

David Palmer wird erschossen, Tony und Michelle werden in die Luft gejagt. Wow. Da ist mir wortwörtlich kurz die Luft weggeblieben. Unmittelbar darauf habe ich ungläubig gefleht: bitte nicht, bitte nicht! Nicht Palmer, beinahe mein Lieblingscharakter der gesamten Serie. Aber gnadenlos und unmissverständlich wurde er nach nicht einmal zwei Minuten Screentime schon endgültig aus der Serie gestrichen. Heftig, aber wirkungsvoll: meine Aufmerksamkeit und Aufregung waren auf 110%. Sicherlich hätte es auch viele andere Wege gegeben, Jacks Rückkehr “zu erzwingen”, aber ich finde die hier gewählte Variante durchaus clever.

Der nächste Schock, wenn auch eigentlich abzusehen: dieser schmierige und total unfähige sowie unsympathische Logan ist der Präsident. Oh no! :( Ich habe im Netz viel Lob für dessen schauspielerische Leistung gelesen – ja, er hat in einigen Momenten seine Rolle gut gespielt, keine Frage. Allein: es hat für gerade mal drei oder vier Folgen gereicht, danach war sein Repertoire erschöpft und es wurde sehr eintönig, immer und immer wieder dieselben Gesichtszüge in immer denselben Situationen zu sehen. Jack darf das, der ist die Titelfigur, aber bei Logan hat es auf Dauer doch arg genervt. Letztendlich konnte ich mich irgendwann nicht mehr entscheiden, ob ich Logan selbst oder seine absolut fertige Frau dämlicher finden sollte. Bezogen sowohl auf die Figur als auch die Darsteller. Ich mach kein Geheimnis daraus, ich bin absoluter “David Palmer”-Fanboy. Schon in der letzten Staffel zeigte sich deutlich: Weiße Jungs bringen’s nicht. 1
Insofern hat mir auch in dieser Staffel wieder der Bösewicht nicht allzu gut gefallen, wenn er auch um Längen besser als der austauschbare Marwan war.

Ich hatte mich nach S04 gefragt: Wie will man da noch einen draufsetzen? Wie soll der vorgetäuschte Tod von Jack getoppt werden?
Den Präsidenten als Bösewicht zu positionieren war eine durchaus geschickte Wendung, vor allem mit Bezug auf den Aufbau des Charakters Charles Logan, dem man das nie zugetraut hätte.

Weitere Stör-Faktoren: Audrey finde ich nicht unbedingt den spannendsten Charakter, lieber hätte ich mehr von Kim gesehen. Außerdem verzeihe ich den Autoren immer noch nicht, dass sie mit Chase erst so eine coole Sau positionieren und dann vollkommen unnötigerweise verheizen.
Etwas merkwürdig war auch, dass nichtmal bei dem offiziellen Anlass in der letzten Folge einmal kurz die Kinder der Palmers zu sehen waren – nachdem ihre Mutter schon gestorben ist, hätte ich doch erwartet, dass Wayne einmal mit den beiden über den Tod ihres Vaters spricht.

Der absolute Brainfuck war diesmal allerdings eins der immer größer werdenden Plotholes. Warum zum Teufel hat Jack dieses dämliche Tape, das alle Probleme löst, alles beweist und sofort die Story enden lässt, nicht ein einziges Mal einfach über Funk abgespielt, dass man wenigstens eine irgendwie geartete Kopie gehabt hätte? Oder damit es mehr Leute als er gehört hätten? Es war wirklich genügend Zeit, um irgendwas mit dem Tape anzustellen, außer es ständig alleine an einer fucking Armee vorbeischmuggeln zu wollen. Tja, ein klassisches Hollywood-Problem eben. Wieso xyz? Weil sonst nix Film/Serie. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass 24 in der Hinsicht schonmal besser dabei war.

Zunächst auch eher störend fand ich Bill Buchanan, den neuen CTU-Leiter. In typischer 24-Manier wurde er natürlich zum Ende hin immer sympathischer, trotzdem nach wie vor kein Vergleich zu Chappelle oder Mason. Hingegen von Anfang an interessant fand ich die Figur des Lynn McGill, verkörpert von Sean Astin und besser bekannt als Samwise “der dicke Hobbit” Gamgee, dessen Tod wirklich äußerst tragisch inszeniert wurde. Hat mir schauspielerisch enorm gut gefallen, wieso macht der nicht mehr “normale” Sachen?
Außerdem frage mich ja, ob es überhaupt mal eine 24-Staffel ohne LOST-Darsteller geben wird. Diesmal: Desmond. Als Deutscher BND-Agent. Very lustig, wie eigentlich immer, wenn Deutsche in US-Serien vorkommen. :boogie:

Nochmal zum Stichwort “tragischer Tod”: Neiiiiiiiin!!! :( Palmer war schon schlimm genug, aber NICHT TONY!! NICHT DOCH TONY! :glotz: Warum?? Warum nur darf Jack niemanden haben.. ich gebe offen zu: als Tony in Jacks Armen das Zeitliche gesegnet hat, ist mir eine Träne über die Wange gekullert. So sehr ich in Staffel 4 noch frohlockte, als er endlich zurückkam, so niedergeschmettert wurde meine Stimmung durch Tonys in höchstem Maße unfairen Tod.

Immerhin, es gab auch eindeutig positive Aspekte: die Idee, Jacks Mentor einzuführen, fand ich sehr gut. Auch wenn dessen Rolle sehr durchschaubar war, hat es wie auch das schwerverdauliche Einstiegsgemetzel etwas frischen Wind in das Franchise gebracht. Hätte er doch nur Tony nicht umgebracht. :hmpf:
Das Highlight der Staffel aber war ganz eindeutig: Aaron Pierce. Halleluja, endlich bekommt er mal etwas mehr Spielzeit, und dann auch noch mit einer solch großartigen Rolle. Ganz ehrlich, gegen diesen bad ass motherfucker sieht sogar Jack alt aus. Wirklich genial – schon seit Staffel 2 war klar, was für ein toller Kerl er ist, aber in dieser Staffel erreicht er ungeahnte Höhen.

Ganz schlimm, um ja nicht zu viel Lob auszusprechen, war allerdings die Idee, Chloes plötzlich einen Ex-Mann anzudichten. Und was für einen.. urks. Es war schon dämlich, als über Chloe damals in S03 ein Baby eingebaut wurde, dieser schwule (?) Schuhverkäufer schießt aber echt den Vogel ab.

Noch ein bisschen Meta-Kram: ich musste sofort an Taken denken, als Jack unverblümt auf Hendersons Frau schießt. Manch einer 2 fand das ja im Film äußerst gewaltverherrlichend. Weil es dort schließlich nicht um eine große Verschwörung ging, sondern nur die eigene Tochter. Pah, als ob Jack dasselbe nicht auch “nur” für Kim getan hätte.. aber Schwamm drüber.

Tja, und zuletzt stellte ich mir während der letzten Folge schon wieder dieselbe Frage: Wie will man das noch steigern? Was soll jetzt noch kommen? Aber da habe ich die Rechnung ohne die Autoren gemacht.
Ja, es war absolut lächerlich, dass die Chinesen es so locker-flockig schaffen, Jack von diesem Militärflugplatz zu entführen, aber egal. Das war trotz der Absurdität mal ganz locker der derbste Cliffhanger der ganzen Serie. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, diesem Cliffhanger einen Platz in meiner absoluten Top 5 einzuräumen – ich war jedenfalls heilfroh, dass ich nicht noch ein Jahr Pause hatte, bis ich mir Jacks Feldzug gegen die bösen Schlitzaugen ansehen konnte. Dachte ich jedenfalls. Aber dazu wie schon gesagt dann nächstes Mal ausführliches Gemecker.. :P


Footnotes:
  1. Kennt den jemand? :D
  2. Kommentare lesen – großes Kino!