21.04.2009
Gran Torino
Clint Eastwood – USA, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Eine angenehme Möglichkeit, sein Kinobudget nicht zu belasten: Man lässt sich einladen.
So bin ich doch früher als gedacht dazu gekommen, mir Dirty Harrys letzten Auftritt auf der großen Leinwand anzusehen. Was mir dabei vor allem auffiel: Ich bin doch immer wieder mal erstaunt, wie wenig Ahnung ich von Autos habe – oder andersrum: Wie viel Ahnung andere davon anscheinend haben. Mir war jedenfalls nicht bewusst, dass ein Auto der Namensgeber von “Gran Torino” ist. Und das, obwohl ich einen populären Vertreter der Baureihe gut kenne..
Der Film jedenfalls wurde ja überall hochgelobt, bei Kritikern wie auch vom Pöbel.
Mich selbst hatte die Vorschau eher verwirrt zurückgelassen, aber anhand der Einschätzung von Freunden und Bekannten war ich dann doch guter Dinge. Die Erwartung an einen guten Film wurden auch erfüllt, manche Einschätzung fände ich persönlich etwas zu jubelnd, aber der Film gehört zu den besseren Streifen des letzten Jahres.
Clint Eastwood spielt Walt Kowalski, einen alten Kriegsveteran und frischgebackenen Witwer. Er istso verbittert, dass selbst wohlwollenden Familienmitgliedern schwerfällt, noch Verständnis für ihn aufzubringen. Als die koreanische Familie Vang Lor im Nachbarhaus einzieht, kommt es zwangsläufig und unfreiwillig zu Berührungspunkten. Mit der Zeit entwickelt Kowalski 1 ein gewisses Verhältnis zu Thao, dem Sohn der Familie, und beginnt, die Problematik seines jungen Lebens zu verstehen. Eine Art Ersatz-Vater/Sohn-Beziehung und sehr ungewöhnliche Freundschaft, auch zur Familie Vang Lor, entsteht, wird aber natürlich früher oder später vor verschiedene Herausforderungen gestellt.
Was den Film kennzeichnet und auch sehr angenehm aus der Masse herausstechen lässt, ist die ruhige Gangart. Ich bin versucht, “klassische Art und Weise” als Attribut dafür zu gebrauchen, wie Eastwood den Film aufbaut und wirken lässt.
Der Film ist nicht hektisch: er lässt mir ganz bewusst viel Zeit und Ruhe zum Atmen, zum Erfassen des Gezeigten und zur Reflektion. Der Film hat weder schockierende Enthüllungen kurz vor einem Handlungshöhepunkt, noch atemberaubende Landschaftsaufnahmen. Keine Kinnlade-strapazierenden Effekte, keinen Sex, keine Tabu-Brüche. Es ist in jeder Hinsicht ein konservativer und “gewöhnlicher” Film. Diese Art von Film ist selten geworden seit den 90ern. Mit immer mehr Beiwerk überbietet man sich regelmäßig selbst, und sicher kommen auch dabei viele gute Filme heraus. Dennoch werden immer nur diejenigen besonders auffallen, die eine interessante Geschichte erzählen.
Es ist mutig, sich schon beinahe gegen die aktuelle Entwicklung in der Traumfabrik zu stellen und vermutlich würden auch nicht viele ein solches Konzept so weit durchbekommen wie Clint Eastwood – bis zum fertigen Film. Aber ich will gar nicht erst in Gejammer über Hollywood verfallen, dafür gefällt mir viel zu viel von dem angeblichen “Mainstream”-Zeug eindeutig zu gut. ![]()
Interessant fand ich, dass Eastwood ursprünglich auch in diesem Film schon nicht mehr spielen wollte, sondern vorhatte, nur hinter der Kamera zu stehen. Nach einem Film sagt es sich freilich immer leicht, aber in der Tat wüsste ich spontan niemanden, der die Rolle passender füllen hätte können.
Alles in allem ein äußerst sehenswerter Film, trotz des teils konservativen Inhalts aus heutiger Sicht unkonventionell bis zur letzten Minute. Eine willkommene Abwechslung – ich kann nicht “angenehm” schreiben, da die Thematik des Films dafür zu ernst ist. Trotzdem hinterlässt der Film einen wesentlich weniger aufgewühlt als viele andere Werke, die ähnliche Themen aufgreifen. Ein gelunger und würdevoller Abschluss für Clint Eastwood, der hier gewissermaßen im kleinen Rahmen seinen Hauptcharakter einen ähnlichen Wandel durchmachen lässt, wie es die Gesamtheit seiner Rollen über viele, viele Jahre auch getan haben. “Never Say Goodbye” hieß einer seiner ersten Filme, aber irgendwann ist es eben doch so weit.
Footnotes:
- Wer weiß noch, welches das coolste Landwirbeltier unter der Sonne ist, das diesen Namen trägt?
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mal zur Footnote: Das ist natürlich ein Pinguin – wenn auch Pinguine zu den Vögeln zählen und nur über den Oberbegriff “Landwirbeltiere” den Säugetieren nahestehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Landwirbeltiere
Unabhängig davon hätte es mich aber auch stark gewundert, wenn Mrs. Kowalski ihren Kowalski Junior gebären würde – statt ihn ordnungsgemäß in ein Ei zu verpacken
Argh, und ich denk mir beim Tippen noch “Da guckste nachher fix genauer nach!”, aber im CIP-Pool ist einfach nicht so viel Zeit und Ruhe wie zu Hause. Internet zu Hause tut Not. Aber Danke für den Link, man lernt nie aus.
Toller Film!
Ich bin aber auch Clint Eastwood Fanboy.
So muss das sein!