Madagascar: Escape 2 Africa

Eric Darnell, Tom McGrath – USA, 2008

IMDBde.wikipediaen.wikipediaAmazon

Ich werde mir sehr bald den ersten Teil nochmal ansehen müssen. Während der ersten 15 Minuten von “Escape 2 Africa” (E2A) habe ich in einer Mischung aus Schock und Ungläubigkeit versucht, mich daran zu erinnern, ob der Vorgänger auch schon so platt und dümmlich war und ich ihn nur falsch in Erinnerung hatte. Letztendlich ist zwar auch das neue Abenteuer der tierischen Truppe noch zu einem ansehnlichen Film geworden, aber trotzdem hatte ich das irgendwie ganz anders in Erinnerung.
Umso erstaunter war ich, als es vielerorts Aussagen wie “E2A schafft es, auch dort zu punkten, wo der erste Teil seine Schwächen hatte” (sinngemäß) zu lesen gab. Hä? Teil 1 hatte (nennenswerte) Schwächen und dieser nicht gerade perfekte zweite Teil soll besser sein? Hmm. :glotz: Spielt mir mein Gedächtnis wirklich einen solchen Streich? Liegt es dran, dass ich vom ersten Teil alle Stimmen noch in der Synchronfassung gewohnt war? Oder hat der geilste Remix 2006 etwa meine Wahrnehmung getrübt?

Wie dem auch sei, eine wirkliche Chance, bei mir nicht gut anzukommen, hatte E2A ohnehin nicht – es spielen schließlich die Pinguine mit. Private, Skipper, Kowalski und Rico sind die wohl coolsten 1 Charaktere sämtlicher Animationsfilme, wobei Ri-“Kaboom?”-co eindeutig mein Favorit ist. Ein kleiner Feuerteufel, ein Pyromane, genau wie ich. :D

Besonders viel gibt es im Grunde gar nicht zu sagen – die vier Helden stranden mit einigen der Nebencharaktere in Afrika, erleben dort die eine oder andere Überraschung und am Schluss wird alles gut. Kinderfilm eben, allerdings deutlich stärker so angelegt als viele andere Animationsfilme es sind. Zuviel Slapstick, zu wenig Witz mit Köpfchen, zu abstruse Story, wobei man das dem Film konzeptionell betrachtet natürlich nicht unbedingt als Nachteil auslegen kann. Freilich muss Humor nicht immer tiefgründig sein, aber die erste Szene mit der aus dem Bus hüpfenden Terror-Oma hat mir eigentlich schon den Rest gegeben, so derart bekloppt, over-the-top und nicht lustig, dass ich vor dem Bildschirm erstarrt bin und nicht sicher war, ob ich überhaupt weiterschauen soll. Aber ich will ja auch nicht über etwas urteilen, das ich nicht komplett gesehen habe. Darum also doch bis zum Happy End geguckt und gen Ende hin kann man den Film auch etwas ernster nehmen. Trotzdem wirklich einer der schlechteren Animationsfilme der letzten Jahre, auch die Pinguine reißen da nichts mehr raus. :(
Ganz am Ende kam wenigstens noch eine Szene, in der ich mich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten konnte:
(Spoiler!) Alex geht Zuba auf den Leim! :boogie:
Gigantisch, das könnte ich mir immer und immer wieder anschauen. Schade, dass der Film nicht häufiger im Stande ist, auf diesem Niveau, bzw. auch auf dieser Ebene zu unterhalten.

Letztlich hat mir das Ansehen des Films weniger Filmvergnügen gebracht, dafür aber mit seiner Besetzung umso mehr neuerliche Anlässe für eine ausführliche Wikipeda-Safari gegeben. Mal nachlesen, was Ross David Schwimmer in letzter Zeit so getrieben hat und dabei an die tolle Zeit mit Friends zurückdenken. Was treiben Ben Stiller und Chris Rock momentan? Wann hostet Alec Baldwin das nächste Mal SNL? Die freie Wissenssammlung ist ein böser, böser Zeitfresser. Auch ist mir dabei der äußerst bedauernswerte, viel zu frühe Tod von Bernie Mac wieder ins Gedächtnis gerufen worden. Und ich bin auf Sacha Baron Cohens (er spricht King Julien) neuestes Projekt aufmerksam geworden: Bruno. Oh. My. God. :mwahaha:

Zurück zum Thema: Wenngleich man meinen möchte, dass es bei einem Animationsfilm wenig ausmacht, ob man das Original oder die Synchronfassung guckt, so werden einerseits doch auch hier die Lippenbewegungen für den englischen Originaltext angepasst und andererseits sind die englischen Sprecher mindestens eine Klasse professioneller am Werk als die Deutschen. Offenbar war das deutsche Synchronstudio anhand der Originalsprecher der Meinung, dass man einfach möglichst viele Promis vors Mikro holen müsse. Dabei hat man nur leider übersehen, dass die englischsprachigen Promis richtige Schauspieler sind und keine Comedians oder zum Zeitpunkt des Films gerade (wieder) extrem angesagte Rapper.
Aber was soll’s, im Grunde ist jede Zeile und jeder Gedanke zum Niedergang der deutschen Synchronkultur ohnehin reine Zeitverschwendung – wer auf die deutsche Fassung angewiesen ist oder sie favorisiert, der wird auch weiterhin Dreck 2 fressen, der Rest hingegen hat mittlerweile zum Glück vielfältige Möglichkeiten, sich diesem Grauen zu entziehen.
In diesem Sinne: “The best sacrifice is the one made by others.” (Skipper)


Footnotes:
  1. So cool, dass sie jetzt sogar eine eigene TV-Serie bekommen haben.
  2. Jaja, es ist nicht alles “Dreck”, aber verdammt viel und der Rest ist meistens nicht wesentlich viel besser. Es gibt vereinzelt in der Tat gelungenge Synchronisationen, das gestehe ich gerne zu. Ich hab auch dann noch das Original lieber, aber jedem das Seine.