24, Season 6

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Die letzte Staffel, bevor ich endlich in die aktuell laufende einsteigen kann. Außerdem die Staffel nach dem übelsten 24-Cliffhanger überhaupt. Klingt nach einer ganzen Menge Spaß und so habe ich auch gerade einmal zwei Tage für die gesamte Staffel gebraucht. Nach wie vor hat 24 seine gewohnten Stärken, leider wachsen die Schwächen ohne ausgleichende Elemente von Staffel zu Staffel weiter an, so dass ich diesmal während des Schauens so oft wie noch nie eher genervt als entzückt war. Spoilerspoilerspoiler.

Aber ich will lieber mit den wenigen positiven Momenten anfangen, bevor die restlichen dreihundertsiebenundzwanzig Absätze voller Beschwerden und Kritik kommen.

Gefallen hat mir natürlich der “neue” Präsident. Ich staube offen gestanden selbst darüber, denn das Obama-Fieber hatte mich letztes Jahr vergleichsweise kalt gelassen. Hier habe ich hingegen fast den Eindruck, dass bewusst unsympathische weiße Präsidentendarsteller gewählt wurden, um Stimmung in Richtung “Pro-Schwarzer-Präsident” zu machen.

Außerdem gut: Morris, Chloes Ex-Mann. Hat mich zwar bei seiner Einführung genervt, machte sich aber als Vollzeit-CTUler sehe gut, gerade im “Zusammenspiel” mit dem aus S01 zurückgeholten Milo.
Unter den neuen Darstellern ist mir sonst nur Billy Christal Peter MacNicol besonders aufgefallen. ;)

Jacks Bruder Graem als Verbündeten, beziehungsweise fast schon Chef von Logan in Staffel 5, einzusetzen, fand ich ebenfalls einen interessanten Gedanken. Es hat einerseits die damaligen Geschehnisse teilweise in ein anderes Licht gerückt, vor allem aber natürlich eine Menge Zündstoff geliefert.

Gezündet hat davon aber nur wenig. Statt sich mit der Graem-Idee zufrieden zugeben und diese ordentlich auszubauen, muss natürlich darüber hinaus auch noch Jacks Vater ins Spiel kommen. Und mal eben seinen eigenen Sohn töten, für die gute Sache. Und gegen den anderen Sohn kämpfen, für die gute Sache. Und seinen Enkel kidnappen, für die gute Sache. Herrjemine, war es nicht genug, dass wir Jacks eigenen Bruder als den Bösen geschluckt haben? Muss da in der nächsten Stunde sofort Jacks Vater als noch viel schlimmerer Bösewicht positioniert werden? Drei Worte: over. the. top.
Erzeugt nicht mehr Spannung, sorgt nicht für zusätzliche Dramatik, sondern belastet nur mein Genick unnötig durch das induzierte Kopfschütteln. :gaga:

Abgesehen davon hatte ich während dieser Staffel viel zu häufig das Gefühl, dass das alles schonmal da war. “Nuclear threat” – ok, diesmal ging echt eine Bombe hoch, aber trotzdem.
“Ausgenutzte Frau geht undercover zurück und tötet die einzige heiße Spur aus Rachsucht” – war eins zu eins schonmal da.
“Präsident wird nach Amendment sowieso die Amtsfähigkeit entzogen” kommt bei 24 sowieso gefühlt jede zweite Staffel vor. Dabei ist mir egal, dass es immer unterschiedliche Umstände sind, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Regelung “in echt” auch bei quasi jedem Präsidenten mindestens einmal pro Amtszeit ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
“Botschaft eines anderen Landes wird unrechtmäßig angegriffen” kenn ich auch noch irgendwoher..
Ebenso auch das “Harmlose CTU-Mitarbeiterin wird fälschlicherweise für Maulwurf gehalten und unschuldig gefoltert”-Konzept.

Klar, Wiederholungen lassen sich kaum vermeiden, dagegen sage ich auch gar nichts. Aber diesmal wirkte es einfach, als hätte man aus den bisherigen Staffeln wahllos Teile gegriffen, das Ganze kräftig verrührt und einen Schuss “Jacks Familie hängt ganz tief drin” dazugegeben. Sehr schade.

Vielleicht bin ich gerade deshalb so enttäuscht davon, weil ich nach der eher stärkeren fünften Staffel und insbesondere deren Cliffhanger doch etwas anderes erwartet hatte. Denn mal ehrlich: wie absolut lahmarschig war es denn bitte, Jacks Zeit in China komplett auszublenden, von seinen Narben und dem Bart in Folge eins mal abgesehen? Ich hatte eigentlich erwartet, dass wenigstens die erste Hälfte der Staffel in China spielt.
Es war ja wohl wirklich lachhaft, wie einfach Cheng davongekommen ist. :hmpf:

Auf den DVD-Sets, die naturgemäss ja zwischen der Fernsehausstrahlung letzten und der neuen Staffel im Handel erscheinen, findet man immer ein kurzes Prequel, um zwischendurch den Appetit auf neuen Stoff anzuheizen. Im Prequel zu S06 ist ein kurzer Ausschnitt aus Jacks Gefangenschaft dargestellt: er hält heroisch monatelanger Folter stand, so dass die Chinesen eine Befreiungsaktion inszenieren. Als Jack sich dann sicher fühlt, gibt er die gewünschte Information seinen vermeintlich befreundeten Rettern, und schwupps, landet er wieder im Knast.
Die Handlung tut aber gar nicht so viel zur Sache, es geht mir eher darum, wer in dem Prequel die Hauptfigur ist. Nein, nicht Jack. Sondern ein Auto. Vor dem kurzen Clip weist auch ein “Presented by”-Hinweis überdeutlich darauf hin, was man zu erwarten hat: einen Werbefilm für ein Modell dieses Herstellers. Während der Flucht wird selbiges dann derart übertrieben in Szene gesetzt, dass es nicht mehr feierlich ist.
So ein Prequel ist ein tolles Gimmick, keine Frage. Aber nicht so – wenn man das Geld dafür nicht selbst zahlen will, dann sollte man auch nicht so tun, als würden hier für die Fans gearbeitet. Natürlich geht es letztendlich überall in der Branche nur ums Geld, aber so deutlich brauch ich das nicht ins Gesicht gerieben zu bekommen.

In Verbindung mit der schwachen Story und weiterem, viel zu deutlichen “product placement” (CISCO, anyone?) bekomme ich da nämlich schnell den Eindruck, dass 24 für Herrn Sutherland mittlerweile eher zur Melkkuh geworden ist, statt das Steckenpferd zu sein, dass es in S01 zweifellos noch war.

Bei all diesen Bedauerlichkeiten möchte ich aber zum wiederholten Mal anmerken: es macht trotzdem noch relativ viel Spaß, seine Zeit damit totzuschlagen. Dennoch, ich muss nun leider denen rechtgeben, die mir im Vorfeld einen Qualitätsschwund prophezeiten.

Ich bin gespannt, womit die Autoren in der siebten Staffel noch toppen wollen, dass Jacks eigener Vater (und Bruder, aber das wurde ja schon in dieser Staffel zur Nebensache degradiert) der Bösewicht ist. Vielleicht darf er ja ganz alleine einen Krieg gegen Russland und China führen. Erst gegen Russland, aber dann stellt sich heraus, dass China der eigentliche Gegner ist. Und dass die Chinesen einen Klon von ihm gebaut haben. Dann hilft nur noch das Bündnis aus US- und Russenarmee samt Original-Jack gegen den Angliff del Klonkliegel. 1

Nebenbei: Diesen Eintrag hab ich, abgesehen vom vorbereiteten “Header”, vollständig am iPhone verfasst. Mittlerweile ist das Ganze ja eh in trockenen Tüchern, aber wenn ich nochmal von irgendjemandem dieses Scheinargument “Also ich vermisse Copy&Paste am iPhone überhaupt nicht.” höre, dann hau ich ihn windelweich. Wird Zeit, dass die Alice hier ihren Job erledigt. :P


Footnotes:
  1. Ich werde die “Schlechte Witze”-Kasse nachher dem Pizzaboten im Tausch gegen erhitztes Teig-Käse-Tomaten-Misch-Nahrungsmittel aushändigen.