11.05.2009
Dollhouse, Season 1
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Hachja, diese US-Networks.. eines schlimmer als das andere. Kaum hat man sich über den einen ausreichend aufgeregt, wird man schon wieder vom nächsten Sender in die Eier getreten. An diesem faulen Sonntag habe ich mir vorhin gerade gemütlich die Folge 12 der seit 13.02.2009 laufenden Serie “Dollhouse” angeschaut, in Erwartung eines bösen Cliffhangers als Vorspiel für das Staffelfinale. Die magische 13 1 ist ja bekanntlich die Zahl an Folgen, die bei neuen Serien gewöhnlich erst einmal geordert wird, je nach Erfolg wird dann noch während der laufenden Staffel verlängert oder eine zweite, meist wieder vorerst auf 13 Episoden beschränkte, Season bestellt. So war es auch mit FOX und Dollhouse. Was also ist passiert?
Der Macher der Serie hatte einen Piloten gedreht, den er aber selbst als unpassend einstufte, nachdem sich – zum wiederholten Male in seiner Karriere, wie er selbst sagt – im Nachhinein mal wieder herausgestellt hatte, dass er mit seinem Projekt eigentlich etwas anderes feilgeboten hatte, als der Sender kaufen wollte. Auch nachdem über die Hälfte der Szenen neu gedreht wurde, konnte er daraus nichts Brauchbares mehr machen, so dass ein komplett neuer Pilot hermusste und stattdessen einige Szenen aus dem ursprünglichen Werk in späteren Folgen als Rückblende genutzt wurden. 2
Tja, für FOX jedenfalls zählt der “unaired pilot” zu den 13 Folgen, die sie gekauft haben. Für den Macher hingegen war scheinbar klar: 13 ausgestrahlte Folgen müssen her. Darum gibt es nun eine dreizehnte Folge, welche FOX aber nicht abkauft und demnach auch nicht ausstrahlen darf/ausstrahlt. Grandiose Leistung bei der Kommunikation, meine Herren. Immerhin, die zwölfte Folge kann man als Finale werten, aber befriedigend ist sie nur im Falle einer zweiten Staffel, andernfalls würde die Serie viel zu viele offene Fragen mit ins Grab nehmen.
Nicht unbedingt ein guter Start also, was die Beziehung zwischen Kreativen und Sender angeht, aber damit nicht genug. Nachdem die ersten Quoten nicht so prickelnd waren, war seitens Joss Whedon zu hören, dass es erst ab Episode sechs wirklich gut würde. FOX hat darauf bestanden, die Reihenfolge der Ausstrahlung zu ändern, da es ihnen nicht schnell genug mit der Action losging. 3 WTF?
Whedon hat mit FOX nicht zum ersten Mal schlechte Erfahrung gemacht, schon bei Firefly gab es ähnliche Dramen. Er schreibt daher auch selbst, dass seine Lernkurve offenbar eine Gerade ist. Der gute Mann hat, was mir erst durch Dollhouse bekannt geworden ist, eine sehr solide und mitunter fanatische Fan-Basis. Eigentlich kein Wunder, steckt er doch hinter “Buffy” und “Angel”. Zwei Megakult-Serien, die ich bislang (fast) nur vom Namen kenne und daran habe ich auch nicht vor, in Zukunft etwas zu ändern.
Ich ging also relativ unvorbelastet in die Serie und hab eigentlich nur aus zwei Gründen einen Blick riskiert:
- Eine Menge Leute, die oft meinen Geschmack teilen, waren sehr begeistert/euphorisch.
- Dollhouse hab ich im Kopf erstmal in Richtung Freudenhaus “übersetzt” und mir gedacht: “Ja wunderbar, mal ne Serie mit ordentlich Sex drin, her damit.” Ein wenig übertrieben, aber mit wahrem Kern. Da nach wie vor massenhaft Leute über Google zu meinem “Pornorama”-Eintrag kommen, brauche ich mich hier ja eh nicht mehr zu genieren.
Da ich es gestern schon angesprochen hatte und gerade ein Statement von Whedon dazu gelesen habe: FOX bestand außerdem noch darauf, dass der Ärmste seine Story “episodischer” verpackt. Grah! Ihr Volltrottel. Guckt euch doch bitte mal um, welche Serien die seit längerer Zeit laufen nach wie vor richtig erfolgreich sind? Überraschung, die haben im Wesentlichen gemeinsam, dass jeweils die Staffeln halbwegs abgeschlossene Geschichten erzählen, wenn überhaupt. Zerstückelte Erzählweise ist sowas von 1980, das hat in bei Knight Rider (Hab ich jemanden Remake sagen hören? Raus!), MacGyver und dem A-Team funktioniert, aber diese Zeiten sind vorbei.
Aber damit erstmal genug gemeckert, worum geht es denn nun überhaupt. Leider nicht um ein Freudenhaus, das wurde mir schnell klar. Das “Dollhouse” ist gewissermaßen ein Dienstleister für Superreiche. Ganz im Matrix-Neuromancer-Stil werden den “Angestellten”, sogenannten “actives”, bestimmte Identitäten ins Gehirn geschrieben. Mitsamt komplett erfundenem Vorleben, neuen Charaktereigenschaften, Fähigkeiten – der Körper dient nur noch als Hülle für Menschen in Festplattenform. Auf Festplatten werden diese “imprints”, wie ein “Menschen-Abdruck” genannt wird, gespeichert.
Es versteht sich von selbst, dass die Existenz dieser Einrichtung nicht publik gemacht wird, da es sich im Grunde um moderne Sklaverei handelt. So gibt es in der “normalen” Bevölkerung der Serie zwar hartnäckige Gerüchte um das berüchtigte “Dollhouse”, aber selbst die Behörden haben dem Anschein nach die Suche mittlerweile aufgegeben, und das Ganze als “urban legend” abgeheftet.
Dem Anschein nach schließt man als potentieller Zombie völlig freiwillig einen Vertrag über fünf Jahre Lebenszeit ab. Wesentliche Bestandteile: das Dollhouse garantiert für absolute Sicherheit, dies wird durch einen persönlichen Aufpasser gewährleistet. Außerdem natürlich: eine Menge Asche, wenn die fünf Jahre rum sind. Am Besten aber: dieser Zeitraum wird einem selbst am Ende der Tätigkeit vorkommen wie ein Augenzwinkern, weil die eigene Persönlichkeit davon ja nichts mitbekommt.
Der erste Arbeitsgang führt darum auch zur Gehirn-Input-Output-Station, wo eine Kopie der aktuellen Persönlichkeit gezogen wird, die nach Ablauf des Vertrags zurückgespielt werden kann. Danach ist man ziemlich leer und wird dann je nach Auftrag mit der passenden, künstlich erzeugten Identität bespielt.
Die Aufträge sind dabei sehr unterschiedlich – haben aber, zumindest diejenigen, welche in den Episoden gezeigt werden, wesentlich weniger und seltener mit Sex zu tun, als man eigentlich glauben würde. Könnte man aber im Free-TV auch einfach nicht ordentlich umsetzen, wenn es anders wäre.
Über die Staffel hinweg geht es im Wesentlichen um die “Entwicklung” einer der “actives”, die in der ersten Folge noch als “normaler Mensch” beim Unterzeichnen des Vertrags mit der Puffmutter Leiterin des Dollhouse gezeigt wird. Außerdem gibt es da noch einen heldenhaften kleinen Polizisten, der einfach nicht akzeptieren kann, dass das Ganze nur ein Mythos sein soll.. and so it begins.
Die Serie ist durchaus unterhaltsam, aber vom Niveau her eindeutig nicht unter den Top-Playern. Gerade beim Storytelling wird oft deutlich, dass LOST oder etwa auch “Desperate Housewives” da ein ganz anderes Kaliber sind – viel zu konfus, viel zu abstrus und vor allem viel zu oft eine dramatische Wendung um der dramatischen Wendung Willen bleibt Dollhouse leider hinter dem Potential zurück, das die Idee meiner Meinung nach hat. Relativ bald bin ich an den Punkt gelangt, ab dem ich bei einer neuen Wendung nicht mehr wirklich schockiert oder überrascht war, sondern ein wenig in mich hinein geschmunzelt habe, weil es häufig einfach gar zu vorhersehbar war. Nicht, weil es die Story im Vorfeld angekündigt hätte, sondern weil das Muster so plump und repetitiv war. Oft wirkte es darum auch, als würde von Folge zu Folge neu überlegt, was wohl das Gesamtkonzept am Ende der Staffel sein sollte – es fühlte sich nicht an, als würde mir ein bestehendes Konzept nach und nach offenbart.
Insofern habe ich natürlich weitergeguckt, um zu sehen, was dabei herauskommt oder ob doch irgendwann mal mehr.. erm.. ich nenne es mal “doll action” zu sehen ist, aber so gefesselt wie manch andere Serie hat es mich nicht. Aber ein wenig Popcorn-Unterhaltung schadet ja auch nicht.
Der Cliffhanger nach Folge 12 war gut, allerdings ist er wie schon gesagt nur dann befriedigend, wenn noch eine zweite Staffel kommen wird, als Serienfinale absolut nicht tauglich. Auf die verschollene Folge 13, die es hoffentlich auf den DVDs gibt, bin ich auch schon gespannt, sie soll aber angeblich keine weiteren “abschließenden” Elemente beinhalten, was die Story angeht.
Ich hoffe also auf eine zweite Staffel, obwohl ich selbst nicht bis ins letzte Detail von der Serie überzeugt bin. And now it’s time for my treatment.
Footnotes:


Hmm, ich hab mir damals die erste Folge von Dollhouse angeschaut, weil ich Whedon’s Buffy nun mal toll fand (ja, ich gestehe
). Leider musste ich feststellen, dass ich die Hauptdarstellerin in dollhouse, die ich damals schon bei Buffy nicht aussehen konnte, inzwischen auch nicht besser leiden kann. Nenn mich oberflächlich, aber wenn ich mit den Schauspielern nichts anfangen kann, dann kann ich auch mit der Serie nicht.
Ich stimme mit deiner Analyse überein, dass die Serie weit hinter ihrem Potential zurückbleibt und das Eliza Dushku mit ihren mangelnden darstellerischen Fähigkeiten das alles erst recht nicht rausreißen kann.
Amüsiert habe ich aber zur Kenntnis genommen, dass Helo aus BSG (Tamoh Penikett) hier mitspielt und nach mehr oder weniger dezenten Hinweisen von Mark Sheppard während der letzten FedCon hab ich mir einige Folgen noch mal gezielt angeschaut und den Romo entdeckt!
Seine kleinen Szenen waren es wert, sich dafür 45 Minuten alles andere antun zu müssen.
Niemals würde ich dich oberflächlich schimpfen.
Ich habe mich etwa sechs Jahre lang von “24″ ferngehalten, weil ich Kiefer Sutherland unsympathisch fand.
Darüber, dass einer der Darsteller auch bei BSG mitspielt, habe ich andernorts auch begeisterte Vermerke vernommen – ich selbst habe das ja nie geschaut. *duck und weg*