Eli Stone, Season 2

TV.comde.wikipediaen.wikipediaAmazoniTunesiTunes (O-Ton)

Diesen Beitrag schreibe ich mit sehr gemischten Gefühlen: zum Einen bin ich nach wie vor von der “Schönheit” dieser Serie überwältigt, zum Anderen kämpfe ich innerlich gegen den Hass auf ABC und die Enttäuschung über die Absetzung an. Ich habe mich ja schon bei “Pushing Daisies” darüber ausgelassen, also spare ich mir das diesmal. Der Grund, weshalb diese Gefühle überhaupt noch einmal in mir hochgekocht sind: ich gehe beim Erstellen meiner Einträge nach sehr fixen Mustern vor, unter anderem gehört zu einem Film oder einer Serie stets das offizielle DVD-Cover. Tja, für die zweite Staffel ist noch nichtmal der Erscheinungstermin des Box-Sets verkündet worden. Als wäre also noch nicht schlimm genug, dass man es einstellt und die letzten drei Folgen monatelang auf Eis legt, auch die letzte Hoffnung der Fans wird mit Füßen getreten. Und ich musste nun überlegen, wie ich meine Prinzipien verbiege. Alles Idioten bei ABC – kein Wunder, dass die Produzenten von LOST schon während der dritten Staffel für klare Verhältnisse gesorgt haben. 1

Zur Gesamtstory der Staffel gibt es gar nicht besonders viel zu sagen. Ein klein wenig Liebeskriselei hier und da, natürlich die Trennung der Kanzlei-Partner und dann noch Chen-Vergangenheit mit Elis Dad. Aber Eli Stone habe ich gar nicht so sehr wegen “the big picture” geschaut, sondern weil die einzelnen Episoden so wundervolle, in sich geschlossene Wohlfühl-Pakete waren. Eigentlich bin ich kein großer Freund davon, wenn eine Serie allzu deutlich in Episoden aufgeteilt ist, aber hier hat mir das nie etwas ausgemacht, ganz im Gegenteil. Am Ende nahezu jeder Folge kam es zu einem meist enorm versöhnlichen und wohlwollenden Ende, manchmal mehr, manchmal weniger melancholisch angehaucht. Das Konzept hat meiner Meinung nach primär deshalb so wunderbar funktioniert, weil die Darsteller enorm gut miteinander harmonierten und jeder auf seine eigene Art und Weise sowohl nachvollziehbar als auch liebenswert war.
Die Autoren haben ihr übriges getan und für die richtige Mischung aus Genie und Wahnsinn, garniert mit einer wohldosierten Prise Kitsch, gesorgt.

Der “Gaststar” in der S02E01, Sigourney Weaver, war natürlich nichtmal ansatzweise ein Ersatz für den nach wie vor unerreicht grandiosen George Michael aus der ersten Staffel, aber dafür spielte Katie Holmes, die bei mir eigentlich schon längst in Ungnade gefallen ist, zwei Folgen später eine sehr sympathische Nebenrolle. Gegen Ende der Staffel war insbesondere der Auftritt von James Morrison eine erfreuliche Überraschung, nachdem (Spoiler!) dessen Charakter “Bill Buchanan” in der siebten 24-Staffel so unnütz gestrichen wurde. (Spoiler aus.)
Außerdem ist mir aufgefallen: der arme Steven Culp, in meinem Kopf für immer als Rex van de Kamp eingebrannt, muss schon wieder einen Psychopathen spielen. Ob der Mann überhaupt noch andere Rollen angeboten bekommt? ;)

Ich hätte es schön gefunden, wenn im Finale noch ein Auftritt von George Michael stattgefunden hätte – immerhin, mit Seal hat man wenigstens zwischendurch einmal versucht, Ersatz zu finden.
Aber den Mörder-Bono-Gag “Ah, happens all the time. I had the sun-glasses first!” konnte man einfach nicht mehr toppen. :D

In einem Forum, in dem sich primär über US-Serien ausgetauscht wird, habe ich nach der Bestätigung zur Einstellung der Serie schnell den Kommentar “Typisch Amis, kaum muss man mal bei was nachdenken, schalten sie ab..” gefunden und konnte mich damit gar nciht anfreunden. Denn zum Einen empfand ich Eli Stone nicht als Sendung zum Nachdenken, zum Anderen war selbst mir das ein wenig zu platt und vorurteilend. Interessanterweise zieht sich diese Ansicht aber scheinbar auch querbeet durch die amerikanische Blogosphere – ich habe gerade über zwanzig Beiträge zu dem Thema über die Blogsuche von Google durchforstet und von verschiedensten Leuten, mal mehr oder weniger Eli-Begeisterte, kam fast durchweg dasselbe Fazit: zu anspruchsvoll für die Masse. Wenn da was dran ist, dann gute Nacht.. :(

Eli Stone bleibt auch nach der zweiten Staffel eine wunderschöne und erfrischende Serie. Kurzweilig, sympathisch und durch die friedliche, ruhige Art enorm zufriedenstellend. In dieser Traumwelt hätte ich gerne noch viele Jahre mehr verbracht, aber es hat nicht sollen sein.
So war das einzige, was mich beim Schauen der letzten Folgen der Sendung immer mehr gestört hat, dass das Finale immer näher rückte und die Folgen zuletzt sogar noch von Mal zu Mal besser geworden sind.
Trotzdem hat die Eli Stone, sowohl die Serie als auch der Charakter, ein absolut würdiges Ende bekommen, das die Stimmung genau auf den Punkt bringt und mit dem man als Fan ein letztes Mal nach der Folge laut seufze kann, mit einer Mischung aus Wehmut und Glückseligkeit.

Danke für zwei wunderbare Staffeln an die Produzenten, die hervorragenden Darsteller und die tollen Autoren. Danke für Nichts, ABC.


Footnotes:
  1. Während Staffel 3 wurde vereinbart, dass danach noch drei weitere Staffeln zu je nur 16 Folgen produziert würden. Da Staffel 4 aber wegen des WGA-Streiks nur 14 Folgen hatte, wurden die zwei fehlenden zu gleichen Teilen auf S05 und S06 verteilt. Siehe zum Beispiel hier.