06.05.2009
Samy Deluxe, 05.05.2009 (München, Apple Store)
Endlich mal ein interessanter Interpret bei den deutschen “iTunes LIVE”-Sessions! Und auch wenn es bösartig aufwendig war, diese Woche schon wieder “nur” für ein Konzert von Passau nach München zu pilgern, konnte ich mir die Gelegenheit kaum entgehen lassen. Wann sonst hat man schonmal die Chance, einen seiner Lieblingsinterpreten in solch kleinem Rahmen live zu erleben? Dank meines Stundenplans (Dienstag frei und Mittwoch erst ab Mittag
) musste ich noch nichtmal eine der äußerst spannenden Vorlesungen schwänzen.
Also ab zum Bahnhof, Mittag in München noch schnell mit einer lang nicht mehr gesehenen Freundin was Essen gegangen – bei diesen Bahnpreisen (15€ einfach, mit Bahncard..) muss man so einen Besuch ja ausnutzen
– und danach im Apple Store rumgegammelt.
Im Gegensatz zur mehr als bescheidenen Informationsdichte auf der Website wurden mir dort auch fix ein paar Details mitgeteilt: etwa 30 bis 40 Karten gibts für “Ansteher”, natürlich “first come, first serve”. Der Rest wurde bei einem Radiosender verlost. Im Store abwarten bringt einem gar nichts, weil natürlich pünktlich um 20 Uhr der Laden schliesst und dann erst zum Beginn wieder die im Bauzaun gesammelte Menge eingelassen wird.
Also habe ich noch eine Weile im Store die Geräte beschnuppert und den Elfenstaub auf mich wirken lassen, bevor ich gegen 17 Uhr meinen Standpunkt vor die Tür, zum noch nicht zusammengesteckten Bauzaun verlegte und mich wieder meinem Buch widmete. Netterweise sagte mir der orange-beshirtete Wächter der Bühne nämlich noch, dass erfahrungsgemäß ab etwa 18 Uhr die ersten Wartenden vor der Tür stünden. Bei dem Aufwand wollte ich freilich nix anbrennen lassen.
Zwischendurch tauchten immer wieder mal kleinere Grüppchen auf, die nach potentiellen Mitwartern aussahen, aber sich dann doch immer in den Store begeben haben. Scheint mittlerweile ein beliebter Jugendtreff geworden zu sein, der Laden.
So weit, so gut, das also zum bisherigen Verlauf. Jetzt ist es etwa 17:30 und ich tippe am iPhone, vorhin kam gerade ein Caterer und zusätzliche Security-Leute. Vielleicht bauen sie jetzt mal den Zaun auf. Fände ich angenehm, weil irgendwie “sicherer”. So wirklich toll ist dieser Einlass-/Kartenvergabe-Modus ja nicht. Besser wäre zum Beispiel, wenn man die “freien” Tickets in der Früh oder zum Ladenschluss am Vorabend verteilen würde. So hätte man etwas mehr Planungssicherheit. Auch wenn ich dann eventuell gar nicht gekommen wäre – so bleibt mir auch jetzt noch ein Restrisiko, dass es in 3 Stunden heißt: “Pech gehabt!”
Aber ich bin zuversichtlich. Samy Deluxe also. Dessen neues Album war ja leider nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte. Hoffentlich ist der Satz “stellt Songs aus seinem neuen Album vor” mehr Textbaustein als alleinige Wahrheit. Nachdem ich letztes Jahr schon eine doppelte Portion Dynamite bekommen habe, kommt mir ein Solo-Auftritt gerade recht, insbesondere wo die Tour zum Album (zumindest der bisher bekannte Teil) nirgends in meiner Nähe Station macht.
Und da mir jetzt gleich der Akku vom iPhone schlappmacht, heißt es an dieser Stelle vorerst leider: Snip!
Zurück in Passau, eine viel zu kurze Nacht (nach einem viel zu kurzen Konzert
) und eine viel zu lange Zugfahrt später, sitze ich wieder im Rechnerraum und lasse den gestrigen Abend nochmal Revue passieren.
Wenige Minuten nachdem ich mit dem Tippen aufgehört hatte, kam es zu einem sehr sonderbaren Erlebnis. Wir waren mittlerweile fünf Wartende und standen uns gemeinsam die Beine in den Bauch, eher gelangweilt und genervt, ich ging auf und ab. Als ich mich dabei wieder einmal in Richtung Store drehe, marschiert Samy samt Crew gerade durch den ganz normalen Eingang in den Store, geht schnurstracks zur Tür des Mitarbeiterbereichs und ist so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war. Das ging so fix, dass ich es noch nicht ganz realisiert hatte, als die Tür hinter ihm wieder zugefallen war.
Ich dachte ja eher, dass er schon längst drin wäre und eine ruhige Kugel schiebt. Aber weit gefehlt. Etwa zwanzig Minuten später taucht er wieder auf, setzt beim Durchschreiten des Store-Eingangs noch fix eine Sonnenbrille auf und taucht ganz lässig in der Fußgängerzone unter. Da ich keinerlei Schreie oder ähnliches vernommen habe, nachdem er mein Sichtfeld verlassen hatte, kommt er offenbar relativ easy davon, wenn er unerkannt durch die Straßen ziehen will.
In der Zwischenzeit hatten die Securitys auch mit dem Bauzaunaufbau begonnen, als Samy den Store verlassen hat, waren wir bereits eingepfercht und hatten außerdem auch beruhigende Worte bezüglich unserer Chancen auf eine Karte erhalten.
Die Zeit verging aber immer noch nicht schneller, mittlerweile schmerzten die Füße doch arg. Zeit für etwas Abwechslung: nachdem ich die ganze Zeit über schon viele bekannte Gesichter von der Store-Eröffnung wiederentdeckt hatte, hab ich einen davon einfach mal angesprochen und nach seiner Position gefragt. Turned out, he was the “Head of all Security for Apple Europe”. Und es hat sich ein sehr nettes Gespräch ergeben, wir haben uns gut zehn Minuten unterhalten. Bevor er bei Apple angefangen hat, war er auch schon im Security-Bereich tätig, also fragte ich voller Naivität, ob es wegen der eher kleineren Konzerte wohl ein etwas weniger stressiger Job wäre. Mitnichten, dank der Penibilität von Apple wäre es noch wesentlich stressiger, antwortete er mir, und fing an von früheren Konzerten im restlichen Europa zu erzählen: R.E.M. in London zum Beispiel, oder als in Glasgow mal fast die Leute den Store überrannt haben. Außerdem ließ er sich nicht nehmen, kurz zu berichten, dass er schon mit Samy gesprochen hat und er “quite a nice guy” ist, er selbst kenne Jamaica auch ganz gut und so weiter und so fort..
Etwas gewundert hat mich, dass während des Gesprächs von allen Seiten Dinge wie “Frag ihn mal, ab wann wir rein dürfen..” kamen – von im Schnitt 16 Jahre alten Fans. Lernt man in der Schule kein Englisch mehr? Ich meine, ich fand das ganz nett, da den Dolmetscher zu spielen und schon in manchen Situationen vor unserem längeren Gespräch war er auch sichtlich froh, dass ich Aussagen von ihm gedolmetscht habe, aber trotzdem erstaunlich, dass zwar alle sehr gut “I only speak german!” rausbrachten, aber weiter nichts. Jedenfalls ein wirklich netter Kerl und ich habe damit gleich eine tolle Story für den Englisch-Konversationskurs am Freitag.
Etwa gegen 19:40 gab es dann endlich die Karten, daraufhin hab ich mich erstmal wieder in den Store verdrückt. Ein bisschen aufgewärmt, den iPhone-Akku aufgefrischt und ein wenig gechattet. Diese MBPs sind schon wirklich sündig sexy Geräte. An der iSight eines der Geräte hab ich dann noch folgendes Foto gemacht:
Viel Spannendes ist danach bis zum Beginn nicht mehr passiert. Details zu diesem Ablauf lassen sich auch im alten Gastbeitrag zum “Laith Al-Deen”-Konzert nachlesen. Ein paar Umschichtungen innerhalb der Umzäunung, irgendwann kamen dann die Bonzen geladenen Gäste und andere Wichtigkeiten. Nachdem diese ihren Vorzug erhalten hatten, wurden wir auch eingelassen.
Wieviel Interesse die vorgenannten Personen an dem Konzert hatten, hab ich endgültig gemerkt, als ich problemlos noch in die erste Reihe vorgekommen bin. Das war nichtmal ein Meter von der Bühne weg, würde ich schätzen. Genial. Nicht ganz so nah dran wie damals bei “Bette Frost”, aber dort war die Bühne auch etwas höher.
Wieder hieß es: Warten. Bei jedem weiteren beginnenden Vorgedudel-Lied spürte man den Schmerz in den Beinen aufs Neue, bis irgendwann nach 21:15 endlich eine blau-geshirteter Apple-Mitarbeiter eine kurze Begrüssung sprach und die Bühne für den Star des Abends freigab.
Samy war gut gelaunt – mich würden die Hintergründe zu diesen Konzerten ja schon sehr interessieren. Wer geht auf wen zu, wieviel Geld bekommen die Künstler, wie erfolgt die Auswahl der Künstler..
Nach dem ersten Song 1 fragte er kurz in die Runde, ob wir auch alle Apple-User wären. Die Mehrheit hatte zwar vermutlich einen iPod, aber das Resultat, dass nur ein kleiner Teil der Besucher einen Mac nutzt, hat ihn überrascht. “Achso. Ja, eigentlich wollte ich jetzt den ganzen Abend so Windows/Mac-Witze machen”, feixte er (sinngemäß). Mittlerweile sei er dazu übergegangen, bei einem Date als erste Frage nur noch “Mac?” zu stellen, weil es ihn nerve, wenn die Frauen dann mal schnell was an seinem Rechner machen wollen und nicht peilen, wie man am MB scrollt.
“Ich bekomm echt kein Geld von denen, aber für Apple Werbung machen, da wär ich sofort dabei..” setzte er fort, und dann in Richtung der Store-Angestellten: “Also wenn ihr mal Steve Jobs.. sagt ihm das mal, ich mach das sofort!”
Kam gut an und lockerte die Stimmung ein wenig auf. Normalerweise gehen die Leute in den ersten Reihen nämlich doch etwas mehr ab. War mir aber egal, ich hab meinen Spaß gehabt und die Sau raus gelassen, wofür geh ich denn schließlich auf ein Konzert? Aber die Spießer haben sich meinem Eindruck nach auch amüsiert, überall glückliche Gesichter und manchmal sogar vereinzelte, sich bewegende Körper zu sehen.
Neben den Späßchen über seine Apple-Leidenschaft hat er außerdem ein wenig darüber geplaudert, was er vom Musik-Downloaden hält und dabei ein paar sehr sympathische Aussagen getätigt. Natürlich freut er sich, wenn jemand seine Musik kauft, aber wenn jemand wenig Geld hat – was ist besser, jemand mit wenig Geld oder jemand mit wenig Geld, der coole Musik von Samy Deluxe hören kann? Sein Standpunkt in dieser Thematik war für mich nicht neu, aber trotzdem schön zu hören.
Bei Autogrammstunden gibt es dann aber auch einen Mehrwert für Original-CD-Vorzeiger: auf solche schreibt er “Samy Deluxe”, sonst unterschreibt er immer nur mit “Samy”.
Das für mich Beste an dem ganzen Ereignis waren die kurzen, aber sehr interessanten Anekdoten, die er zu den einzelnen Liedern erzählt hat. Leider war nach fünf oder sechs Tracks schon wieder Schluß und diese waren tatsächlich nur vom neuen Album. Aber durch die kurzen Einleitungen bekamen die Songs eine ungeheure, zusätzliche Intensität. Besonders bei “Stumm” war wirklich Gänsehaut-Feeling, aber auch die restlichen Titel haben mir wesentlich besser gefallen als erwartet.
Nach dem kurzen Konzert-Teil hat er noch Autogramme gegeben. Von meinem Standpunkt in der ersten Reihe aus hat mich die Masse sowieso in die richtige Richtung geschoben. Ich hatte nichts dabei, was ich unterschreiben lassen wollte, also hab ich mich spontan entschieden, dass bei einem Konzert im Apple Store eigentlich nichts passender wäre, als ihn auf dem iPhone-Rücken unterschreiben zu lassen. Hat er gemacht, so dass jetzt sowohl meine Eintrittskarte als auch mein Handy mit seinem Autogramm verziert sind. Ein SamyPhone, quasi.
Und so hab ich mich schon gegen zehn Uhr wieder in Richtung U-Bahn begeben. Zufrieden und erschöpft, aber rückblickend hat sich das Anstehen und Warten definitiv gelohnt – es sollte viel mehr Konzerte in diesem kleinen Rahmen geben.
Footnotes:
- Eine Setlist spar ich mir diesmal, da es das Konzert ohnehin Ende der Woche im iTunes Store geben wird. ↩








Schöne Story. Ich glaub beim nächsten Konzert sollt’ ich auch mal den Store besuchen. …komme schliesslich aus München.
Auf jeden Fall empfehlenswert, ja. Unvergleichliche Stimmung garantiert.
Mit dem Feed vom AppleStore kannst du sichergehen, dass du über künftige Konzerte informiert wirst: Klick!
Hey,
ich war natürlich als eingeschweister “Samy Deluxe” Fan auch dabei.
Ich war da leider nicht da wo Samy Deluxe den store wieder verlassen hat aba ich habs gesehn wie er rein ist und wir sind ihm gefolgt.
als er dann kurz vor der VIP Tür stand haben wir nur noch “saaaamyyyyy” gerufen…
Er hat sich dann kurz umgedreht und uns angelächelt.
War echt ein Hamma-cooler Abend, die tracks kann man ja alle mittlerweile bei iTunes runterladen =)
Freu mich schon wenn Samy Deluxe nächste Woche in der Muffathalle in München auftritt
LG Woodner