01.05.2009
What just happened (Inside Hollywood)
Barry Levinson – USA, 2008
IMDB – de.wikipedia – en.wikipedia – Amazon
Mal wieder ein großartiges Beispiel aus der beliebten Kategorie “Geniestreiche der Titel-Eindeutschung”. (“Übersetzung” kann man das ja nicht mehr nennen.) Ich komme mir da schon beinahe veralbert vor: denkt man etwa, das dumme, deutsche Publikum interessiere sich nur für den Film, wenn er schon im Titel brisante Inhalte aus Hollywood verspricht? De Niro auf dem Plakat reicht nicht? Bah! ![]()
Ich habe selbst durch einen Trailer, ich glaube er lief vor Duplicity, zum ersten Mal von dem Streifen Kenntnis genommen und war sofort begeistert. Meine Erwartungen wurden zwar letztendlich nicht ganz erfüllt, trotzdem hat mir der Film gefallen und ich würde ihn auch weiterempfehlen. Weshalb? Bruce Willis spielt sich selbst, mit Vollbart und Persönlichkeitskrise. Was will man mehr?
De Niro spielt Ben, einen Produzenten in Bedrängnis. Der Regisseur seines aktuellen Projekts bildet sich ein, unbedingt ein möglichst brutales Ende für den Film zu brauchen, fällt damit aber bei Testscreenings derart durch, dass das Studio auf eine Änderung besteht. Bei seinem kommenden Projekt hat zwar Bruce Willis schon unterschrieben, aber wie schon erwähnt urplötzlich eine Art Midlife-Crisis und droht dadurch, eine komplette Produktionseinstellung zu verursachen. Wer seinen Rauschebart auch nur schief anschaut, muss (mindestens) mit wüsten Beschimpfungen für den mangelnden Respekt gegenüber seiner künstlerischen Integrität rechnen.
Auch privat stimmt es hinten und vorne nicht mehr in Bens Leben. Er nimmt nur wiederwillig an der Partnertherapie zur erfolgreichen Bewältigung der Trennung mit seiner zweiten Ex-Frau teil, da er immer noch an ihr hängt. Trotzdem schafft er nicht, den beruflichen Streß, der letztendlich das Aus für ihre Beziehung war, loszulassen.
Der Film zeigt dem Zuschauer einen kurzen, aber intensiven Ausschnitt aus dem Leben eines Hollywood-Produzenten und vermittelt die Botschaft, dass diese Momentaufnahme representativ für die gesamte Karriere sei. Private Probleme, berufliche Probleme. Streß, Ärger, Hilflosigkeit. Das ist alles recht interessant, aber leider nicht unbedingt etwas Neues. Anders gesagt: der Film geht nicht besonders in die Tiefe. Ähnlich weitgehende Einblicke in diese Welt haben auch schon Filme wie “Mrs. Doubtfire” und “Get Shorty”/“Be Cool” oder Serien wie “Studio 60 on the Sunset Strip” gewährt.
Gerade im Hinblick auf den “deutschen” Titel fand ich darum schade, dass dieses Werk nicht etwas mehr an der Oberfläche gekratzt hat. Die Thematik fände ich nämlich äußerst spannend. Aber so war der Film für meinen Geschmack ein wenig zu viel von den Leiden des “armen” Ben geprägt und hat dabei stellenweise auf eine seltsam anmutende Art und Weise nach Mitleid und Verständnis des Zuschauers gefragt. Dieser Aspekt hat mir nicht besonders gefallen, was aber eine ganz andere Ebene berührt, als nur diesen Film. 1 Allerdings: Robert De Niro spielt seine Rolle ausgezeichnet, so dass man ihm dafür gar nicht böse sein kann.
Das Highlight ist aber ganz eindeutig Bruce Willis. Man merkt, mit welcher Leichtigkeit er diese “Rolle” spielt, aber dennoch sind die – leider nicht sehr zahlreichen – Szenen mit ihm einfach zum Totlachen. Meiner Meinung nach zeigt er hier sehr effektiv, dass er nach wie vor die coolste Sau überhaupt ist.
Ähnlich grandios war, als er damals bei “Ain’t It Cool” im “Die Hard 4″-Thread mitdiskutiert und seine Identität bewiesen hat.
Großartige Unterhaltung, ein beängstigend echt wirkender Bruce Willis und das alles von Barry Levinson durchaus hochwertig und ansprechend verpackt. Prädikat Empfehlenswert, auch wenn da noch mehr drin gewesen wäre. Ich spiele mit dem Gedanken, mir die Buchvorlage zu Gemüte zu führen, um zu sehen, wie viel von einem Erfahrungsbericht über das Filme-Machen in Hollywood noch überbleibt, wenn er selbst auf die große Leinwand kommt.
Footnotes:
- Klar, die “Schönen und Reichen” haben auch alle Probleme wie “wir normalen Menschen”. Mag auch sein, dass manche Leute erst durch den Verlust ihres oder Verzicht auf ihren Reichtum(s) richtig glücklich geworden sind. Dennoch kann mir keiner erzählen, dass es nicht von Vorteil und somit (in gewissen Aspekten!) erleichternd ist, einfach nicht an Geld denken zu müssen. ↩

