Fuck’s just a word and it’s all fucked up!
Thursday, December 18th, 2008Fuck! Fuck! Fuck! Nicht nur Kid Rock hat Spaß daran, dass im deutschen TV ungeniert geflucht werden darf, mir gefällt das auch. Ich nehme mal an, dass niemand ernsthaft bestreiten will, wie absurd die Praxis des “Überpiepsens” ist, wenn in der nächsten Szene munter geballert und geprügelt werden kann, ohne dass dabei das halbe Bild geschwärzt wird.
Aber gut, “drüben” ticken sie nunmal teilweise anders, man hat sich ja schon daran gewöhnt. Sehr traurige Folgen hatte das vor Kurzem beim besten “Running gag” der letzten Jahre, denn nach wie vor scheint es keine Version ohne Piepser zu geben. Wer sich noch ein wenig genauer über die Hintergründe des “Piepsens” informieren möchte, findet wie immer Rat bei der Wikipedia.
Ich bin ja nicht der Erste, der auf die Idee kommt, sich über diese Borniertheit zu ereifern: Seien es nun Lieder wie das schon im Titel zitierte “Hot Dog” von Limp Bizkit, “Family Reunion” von Blink-182 oder Fernsehserien wie die Simpsons, Southpark und sogar Spongebob.
Wieso also spiele ich jetzt das Rumpelstilzchen?
Nun, ich habe mir kürzlich ein paar DVDs gekauft. Tolle Musik-DVDs, zwei Live-Konzerte und eine DVD mit Musikvideos (auch eines meiner Lieblingsthemen). Limp Bizkit - Greatest Hitz heißt die Scheibe und sie beinhaltet auch in der Tat beinahe alle Videos meiner mittlerweile gefallenen Jugendhelden. Aber schon beim ersten Reinhören stocke ich auf einmal entsetzt: Habe ich da eben wirklich ein “fuck”, das rauseditiert wurde “gehört”?
Ja, in der Tat. Die Videos auf der DVD sind allesamt zensiert. Ich fasse es nicht, aber was will man von den Lichtgestalten bei Universal auch anderes erwarten? Die Scheibe wird beim nächsten Besuch des Händlers direkt wieder in Geld zurückverwandelt, verarschen kann ich mich nämlich auch alleine.
Das ist einfach zu viel des Guten - wieso kann man nicht für die gesamte “normale” Welt (Nein, keine Ami-Bashing-Diskussion anfangen - ich meine das jetzt nur auf die “seven dirty words” bezogen.), die zusammen genommen doch ganz locker einen mindestens gleichgroßen Absatzmarkt darstellen dürfte, eine Erwachsenen-Version herausbringen?
“Californication” beispielsweise kann in den USA nur unzensiert im Fernsehen laufen, weil es bei einem Pay-TV-Sender kommt. Hier in Deutschland läuft es problemlos im “normalen” Privatfernsehen.
Bei den Dreharbeiten [zu "Vier Hochzeiten und ein Todesfall"] musste jede Szene, in der das Wort “fuck” auftaucht, für den US-amerikanischen Markt ein zweites Mal gedreht werden. Dabei musste im Drehbuchtext das F-Wort durch die harmloseren Wörter “blimey” oder “crumbs” (deutsch etwa “Mist” oder “Herrje”) ersetzt werden. Eine Synchronisation des Tons hätte nicht ausgereicht, da man an den Lippen des Schauspielers Hugh Grant noch immer deutlich das F-Wort hätte ablesen können. Der Drehbuchautor Richard Curtis und der Regisseur Mike Newell schrieben später in ihrem Drehtagebuch, sie hätten aufgrund der Verpflichtung, diese Regel einzuhalten, noch nie so viel geflucht und das F-Wort verwendet wie während der Dreharbeiten zu diesem Film. Weil so viele Szenen ein zweites Mal gedreht werden mussten, nur um die seven dirty words zu umgehen, erhöhte sich der Film-Etat um etwa 20 %. (Wikipedia)
Da wundert es einen doch, wie groß die Lobby der Spießer in den USA wohl leider nach wie vor ist, dass die kreativen Köpfe sich diese Unmöglichkeit immer noch gefallen lassen müssen.
Was war ich froh, als bei einer der beiden Live-DVDs wenigstens Chester mit den Worten “Holy shit, this is fucking amazing!” das Pulikum begrüßen konnte, ohne von der Moralpolizei ausgeblendet zu werden.